Die Sonntagsfrage

Wie schwierig ist es, ins Sortiment zu kommen?

Bis gestern haben in Frankfurt die Mitglieder des Arbeitskreises kleinerer unabhängiger Verlage AkV getagt. In einer Podiumsdiskussion gaben Sortimenter Einblicke in ihre Erfahrungen mit Verlagen - wir fragen umgekehrt Andreas Illmann vom Berliner Schaltzeit Verlag, welche Hürden er sieht, mit seinen Büchern in die Buchläden zu kommen.

"Viele Verleger, die hier auf der AkV-Jahrestagung sind, würden gerne enger mit dem stationären Buchhandel zusammenarbeiten, was zugegebenermaßen nicht immer einfach ist. Zunächst einmal ist es eine Zeitfrage, vom Verlag aus möglichst viele Sortimente zu kontaktieren, deshalb reisen für unseren Verlag zwei freie Vertreter, was schon einiges bewirkt – und interessanterweise in Österreich sogar zu besseren Ergebnissen führt als in Deutschland. Fast alle, die unsere Cartoon- und Kinderbücher in der Hand gehalten haben, bestellen auch: Das funktioniert schon einmal.

Die nächste Hürde ist die Sichtbarkeit der Titel im Laden. Sicher, ich weiß, dass sich jeder Verlag eine Frontalpräsentation wünscht und dass das aufgrund der begrenzten Quadratmeter Verkaufsfläche nun mal nicht geht. Aber wenn Bände wie unsere, die über das Auge funktionieren, nur mit dem Rücken im Regal stehen, nehmen die Kunden sie nur sehr bedingt wahr. Besonders ärgerlich finde ich es, wenn etwa kurz vor der letzten Bundestagswahl unser aktueller Cartoon-Band „Prost Wahlzeit“ nur im Regal zu finden ist: Da werden Verkaufschancen komplett vertan.

Generell wünsche ich mir eine größere Bereitschaft, sich auf die Produkte der kleineren Verlage einzulassen, immer wieder auch einzelne Titel zu testen, ihnen die Chance für einen Auftritt zu geben. Schließlich gilt es, nach den ersten Verkäufen den Kontakt zu halten – da tritt wieder die knapp bemessene Zeit sowohl bei den Sortimenten als auch bei uns kleinen Verlagen in den Vordergrund. Irgendwie müssen Zeit und Aufwand im Verhältnis zum Ertrag stehen, und da schneiden die anderen Vertriebskanäle oft besser ab als das Sortiment. Nichtsdestotrotz würden wir gerne weiter zueinanderfinden. Wahrscheinlich gilt auch hier: Steter Tropfen höhlt den Stein, viele gute Erfahrungen verbessern das Standing. Und persönliche Kontakte zu Buchhändlern sind eben auch durch nichts zu ersetzen."

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10 Kommentar/e

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  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Wer bitte will ins Sortiment, wenn er bei Amazon verkaufen kann?

  • Frau von Überdrüssig

    Frau von Überdrüssig

    Och ne - bitte nicht jedes Mal die "amazon"-Kiste öffnen. Es muss auch mal ohne gehen!! Gerade nach so einem informativen Bericht.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Ich frag mich manchmal, ob da Einer bei amazon sitzt, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter verschiedenen Pseudonymen Schmähtexte gegen den Buchhandel ins Börsenblatt postet. Bzw. Werbetexte für amazon.

    Obwohl . . . die sind ja eigentlich ganz schön schlau bei amazon, dazu passt dann wieder gar nicht das sehr gemäßigte intellektuelle Niveau der meisten dieser Postings.

    Na ja, dann sind's eben doch nur gaaanz überzeugte amazon-Anhänger . . .

  • Rock Bottom Remainder

    Rock Bottom Remainder

    Bissl akademisch die ganze Diskussion. Denn die meisten der kleinen Verlage können nur davon träumen mal beim Sortimenter next door präsent zu sein. Von daher kommt man um die Frontalpräsentation bei Bezos ohnehin nicht rum.

    Dass die Buchhändler sich nicht reihenweise diese schönen und zumeist völlig unbekannten Titel ins Regal stellen, liegt aber wiederum nicht daran, dass die Buchhändler Ignoranten wären, sondern schlicht und einfach an der Tatsache, dass das Umsatzpotential meist überschaubar gering ist.

    Dann kommt hinzu, dass das Feuilleton offenbar bevorzugt alles was von SuhrkampRandomHouse & Co kommt bespricht, die Kleinen aber zumeist ausspart.

    Es gibt wohl zuviel gutes und schönes auf dem Markt, da fällt leider vieles unter den Tisch, das eigentlich aufmerksame Leser verdient. Aber die haben ja auch noch anderes zu tun als nur zu lesen. Etc pp........

    Schade, aber da niemand gerade eine Patentlösung in der Tasche hat.

  • Lutz-Uwe

    Lutz-Uwe

    @ Dieter Dausien

    Ein interessanter Gedanke. Wobei ich mich ebenso immer wieder frage, ob evtl. Sortimentsbuchhändler unter Pseudonym Schmähtexte gegen Amazon im BB-Forum posten. Hm..... kann man drüber nachdenken.... möglich ist heutzutage ja alles...

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    @ 4. Rock Bottom Remainder:

    In ihrem ausgewogenen Beitrag sagen Sie es exakt so, wie es ist! Die (Buchhandels-)Welt ist halt kompliziert und jeder muss seine passende Lücke finden und mit viel Ausdauer beackern. Da geht es Sortimentern nicht anders als Verlagen.

  • loretomalla

    loretomalla

    Mit Amazon arbeite ich nicht zusammen. Als ich dort anfragte, bekam ich die Antwort, ich könnte denen ja meinen Bücher gratis schicken, die würden dann über Amazon verkauft. Das habe ich abgelehnt. Dennoch haben die sich die Mühe gemacht, alle meine Artikel als "derzeit nicht lieferbar" aufzulisten. Mein Anwalt sagt, das ist nicht erlaubt. Er konnte aber nichts ausrichten, er bekam von Amazon nur die Antwort, daß es ja das Kindle Programm gäbe, dann würden meine Bücher in alle Sprachen der Welt übersetzt und dort gratis verschenkt. Ich fühle mich von denen "verarscht", ich kann es nicht anders formulieren. Und das noch über einen Rechtsanwalt! Es ist unfaßbar, was die sich erlauben.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Loretomalla, sie sind nicht die Einzige, die inzwischen so
    handelt. Letzte Woche habe ich von einem speziellen
    Verlag, der Videos für ein Fachgebiet produziert, zu hören
    bekommen, sie würden nicht mehr an den Handel liefern,
    nur noch über ihre eigene Homepage. Nach ihrer Erfahrung
    würden (nicht näher benannte) Internethändler die Preise
    in den Keller treiben, (Videos sind nicht preisgebunden),
    deshalb dieser rigorose Schritt.
    Schade, daß man seine Waren nur noch begrenzt
    einkaufen kann, der Verlag hat mir aber für einen
    Büchertisch doch noch die Ware zugeschickt.

  • loretomalla

    loretomalla

    verstehe ich nicht. Ich würde es begrüßen, wenn Buchhandlungen meine über vierzig Übersetzungen, Merkblattsammlungen, Gedichtbände, Kurzgeschichten, Yogaschriften, Yoga Nachschlagwerke und selbst verfaßte Yoga Bücher mit aufnehmen oder wenigstens über KNV, Umbreit oder Libri bei mir bestellen würden.

  • loretomalla

    loretomalla

    Zweimal im Jahr habe ich in Köln einen Büchertisch im Rautenstrauch- Joest Museum, wenn Indien Tag ist oder wenn Himalaya Tag ist. Das sichert wenigstens etwas Publikums Kontakt, es bewirkt aber lediglich wenig Verkauf - der Umsatz bringt gerade mal die Standmiete ein. Ich mache es gern, schon aus Interesse, Freude an der Sache und Dienst am Kunden. Das Interesse am Yoga in Deutschland wird immer größer. Die Kunden suchen und die Bestellungen per eMail beginnen stets: Durch Zufall habe ich Ihre Mail Adresse gefunden. Bitte teilen Sie mir mit ob folgender Ihrer Artikel noch lieferbar ist....

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