2. Recruiting Day in der Akademie des Deutschen Buchhandels

Finden und sich finden lassen in München

Beim zweiten Recruiting Day in München kamen am 22. Februar Young Professionals und Verlage zusammen. Die Kombination aus (kostenloser) Jobmesse, Kontaktschmiede und Kurzvorträgen kam an: Nach 300 Anmeldungen musste die Akademie des Deutschen Buchhandels das Anmeldeportal schließen. Verlage und Nachwuchskräfte zeigten sich zufrieden. VON KUM

Zufriedene Mienen gab es im Anschluss an den Recruiting Day nicht nur bei den Organisatoren Bernd Zanetti (Direktor an der Akademie des Deutschen Buchhandels) und Kirsten Steffen (Bommersheim Consulting) sowie den Vertretern des Nachwuchsnetzwerks Junge Verlagsmenschen (Michael Hammerer und Isabella Kortz waren angereist).

Bommersheim Consultings konnte zum Recruiting Day den Start einer eigenen Karrierebörse für Nachwuchskräfte melden: Seit dem 22. Januar ist Bommersheim Talents online. Details und Hintergründe zum Karriereportal hat Kirsten Steffen im Interview mit boersenblatt.net verraten.

Viele der Young Professionals hatten längere Anfahrtszeiten und eine Übernachtung in München investiert, um am Samstag in München dabei zu sein. Ihr Feedback zeigt, dass die Entscheidung richtig war, auch bei der zweiten Ausgabe des Karrieremessenformats auf Eintrittsgebühren zu verzichten und stattdessen die Verlagskassen entsprechend zu belasten. Die Nachwuchskräfte zeigten sich im Anschluss an die zweite Ausgabe des Recruiting Days zufrieden mit den meisten Kurzvorträgen (Insights, Tipps zum Karriereeinstieg und neuen Berufsfeldern im Verlag) und der Auswahl der vertretenen Verlage. An einem eigenen Stand präsentierten sich

  • SWMH (Südwestdeutsche Medienholding)
  • Hubert Burda Medien
  • Ravensburger
  • Holtzbrinck
  • Gräfe und Unzer
  • Travel House Media
  • Bastei Lübbe
  • Bonnier
  • Langenscheidt
  • Hanser
  • sowohl Elsevier
  • als auch die Münchner Gruppe Random House waren zum ersten Mal mit dabei

„Die Zukunft des Buches ist zu wichtig, um sie Arschlöchern zu überlassen!“

Jakob Meiner (hey! Publishing) lieferte eine starke Keynote zur Eröffnung: Da war von „wetterfestem Zeug“ die Rede, dass sich angehende Verlagsmitarbeiter zulegen müssten. „Der Wind des Kapitalismus weht seine einigen Jahren rauer durch die Verlagswelt“, raunte Meiner nicht ohne augenzwinkerndes, aber aufrichtiges Pathos. „Schlecht bezahlte Praktika sind nur ein Sympton einer verängstigenden Branche“, so der Verleger, der E-Books ohne DRM produziert. Trotz aller Verunsicherung und dem Zwang (oder der Chance) immer dazu lernen zu müssen, rief Meiner dazu auf, aktiv am kulturellen Erbe der eigenen Generation mitzuarbeiten, sinnvolle Produkte zu kreieren und sich einen kreativen Job zu angeln – genau dafür stehe die Verlagsbranche. In deren Ökosystem sei ein Eindringling eingedrungen – gemeint war nicht etwa Amazon, sondern die Digitalisierung, der man sich stellen müsse, weil sonst die Internetgiganten das Ruder alleine übernehmen werden: „Die Zukunft des Buches ist zu wichtig, um sie Arschlöchern zu überlassen!“, so Meiners Schlusswort. Meiners Rede gibt es hier im Wortlaut.

Die anschließenden, obligatorischen Vorträge waren zahmer und bisweilen gespickt mit Tipps für den Jobeinstieg. Den Verlagen bot sich eine willkommene Bühne vor potentiellen Bewerbern. Die konnten frei vom Morgen bis zum späten Nachmittag an die Verlagsstände herantreten und Kontakt mit den Personalern schließen. Ob vor Ort Verträge geschlossen wurden, wollte man bewusst nicht an die große Glocke hängen. Allerdings gab es eigens einen sogenannten „Ruheraum“ für Gespräche unter vier Augen, der mehrfach genutzt wurde.

Umfrage unter Personalern

Katharina Weilhammer (SWMH)

„Wir sind eine große Holding mit 130 Gesellschaften. Wir haben daher immer wieder diverse offene Stellen in unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel kaufmännische Stellen in den Konzernbereichen oder allgemein im Verlag, aber auch viele Stellen in der IT und im redaktionellen Bereich. Heute war die Nachfrage bei journalistischen Volontariaten war am größten, ein Jurist war aber auch hier, um sich gezielt zu informieren.“

Denise Timm (Personalmanager bei Carlsen)

„Wir sind mit freien Praktika und Volontariaten angereist, die bei uns im Haus laufend besetzt werden. Das Interesse an Volontariaten ab 2015 war besonders hoch. Wir haben aber auch mit Bewerbern gesprochen, deren Unterlagen schon bei uns liegen und die jetzt die Gelegenheit nutzen wollten, sich schon einmal persönlich vorzustellen.“

Kathrin Bilger und Jan Westphal (Ravensburger)

„Wir haben konkrete Stellen, für die wir hier passende Bewerber suchen – darunter auch Redakteursstellen. Digitale Produkte sind nicht unser Hauptgeschäft, das spiegelt sich natürlich auch in den Stellenausschreibungen wieder, bei denen es in erster Linie um die Arbeit an Inhalten geht. Wir führen auch Gespräche über Besetzungsmöglichkeiten von Stellen, die in Zukunft absehbar frei werden.“

Eckhard Zimmermann (Leitung Personal & Innovation bei Langenscheidt)

„Wir sind nicht mit dem Ziel hergekommen, die derzeit vier ausgeschriebenen Stellen heute hier zu besetzen. Uns ist wichtig, die Bewerber zu verstehen und zu sehen, welche Kenntnisse sie mitbringen. Zum Recruiting gehört es schließlich, zu verstehen, wofür sich die Bewerber begeistern. Ich bin verblüfft über die Profile und Kompetenzen, die hier herumlaufen. Wichtiger als eine steile Karriere sind dem hier vertretenen Nachwuchs in meinen Augen ein guter Workflow in den Verlagen, die Möglichkeit zum Netzwerken, Team-Arbeit. Die Bewerber bringen gleichermaßen Interesse an digitalen Themen, Marketing- und Content mit.“

Julia Warkentin (Random House)

„Wir freuen uns, zum ersten Mal dabei zu sein. Es geht uns darum, Präsenz zu zeigen und mit Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen. Aktuell haben wir neun freie Stellen, in einem großen Haus wie unserem kann sich das aber natürlich auch schon einmal schnell ändern. Darum ermutigen wir Bewerber, regelmäßig bei uns vorbeizuschauen. Mit vielen Bewerbern an unserem Stand werden wir wohl weiterhin Kontakt halten. Toll ist, dass neben den zahlreichen Volontariats- und Praktika-Anfragen auch viele gut informierte Bewerber mit Onlinehintergrund bewusst zu uns gekommen sind.“

Und das sagen die Young Professionals

Lea Nowak, 23

„Ich bin auf Jobsuche und interessiere mich vor allem für die Bereiche Presse und PR. Gerade mache ich ein Praktikum und möchte jetzt den Einstieg über ein Volontariat schaffen. Ich habe hier einige Kontakte geschlossen und viele konkrete Tipps für die Bewerbung erhalten. Dabei habe ich auch Widersprüchliches gehört, insbesondere wenn es um die Frage geht, ob man durch auffällige Bewerbungen herausstechen sollte oder nicht. Empfehlenswert ist das wohl vor allem bei Initiativbewerbungen, so bleibt man im Gedächtnis. Gut ist es auch, up to date zu sein und sich möglichst schnell auf online ausgeschriebene Stellen zu bewerben. Dann hat man die besten Chancen, den Job zu ergattern.“

Christoph Prasnik, 25

„Ich mache gerade an der HTWK in Leipzig meinen Master. Vom Recruiting Day habe ich sehr kurzfristig erfahren. Vor meinem Abschluss muss ich noch ein Praktikum absolvieren. Ich will mir hier konkreter Gedanken machen, wohin ich beruflich genau gehen will und welches Profil ich dafür mitbringen muss. Das Feedback auf meinen praxisnahen Studiengang ist gut. Wichtig ist aber auch, neben dem Interesse mit einem zielgenauen Praxisbezug zu punkten.“

Anonym

„Ich arbeite als Lektorassistenz im Fachbuchbereich und will endlich in der Belletristik arbeiten. Ich habe Literatur studiert, aus Überzeugung, aber noch keine lange Arbeitserfahrung in diesem Bereich. Hier werden vor allem Praktika und Volontariate angeboten. Gute Tipps habe ich weniger bekommen, eher wurden meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Der Wechsel wird nicht leicht. Es ist einfach frustrierend, fachfremd arbeiten zu müssen.“

Unica Peters (27)

"Ich habe gerade meinen Hochschulabschluss in der Tasche. Jetzt möchte ich ein Lektoratsvolontariat im Bereich Sachbuch oder Presse anschließen. Vom Speedmeeting auf der Frankfurter Buchmesse kannte ich noch einige Personaler, die sich an mich erinnert haben. Ich blogge für die Verlage der Zukunft und bin bei den Jungen Verlagsmenschen. Herr Zanetti von der Akademie des Deutschen Buchhandels hat mich auf eine App-Fortbildung hier im Haus aufmerksam gemacht, an der ich unbedingt teilnehmen werde."

Lektorin, 26 Jahre, anonym

„Ich will raus aus dem Kinderbuch und rein in die Erwachsenenbelletristik. Hergekommen bin ich, um Kontakte zu knüpfen, auch zu Bommersheim Consultings. Ich habe gute Tipps bekommen, was den Umgang mit kleineren Mankos in Bewerbungsgesprächen angeht und wurde ermuntert, Initiativbewerbungen zu schreiben. Ich kann jedem nur raten, der in einen Verlag will, sich möglichst digital aufzustellen.“

 

 

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3 Kommentar/e

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  • Jakob Meiner

    Jakob Meiner

    In meiner Rede habe ich nicht von einem Parasiten, sondern einem Eindringling gesprochen, und auch diesen Begriff im weiteren Verlauf als zu negativ konnotiert zurückgestellt. Kernaussage: Der digitale Wandel muss vom Branchennachwuchs durchdrungen werden, sonst machen andere mit im Zweifel weniger guten Absichten den Reibach.

  • Börsenblatt Redaktion | Kai Mühleck

    Börsenblatt Redaktion | Kai Mühleck

    Wir haben den fehlerhaften Parasiten entfernt und freuen uns, die Keynote in Kürze im ganzen, sehr lesenswerten Wortlaut auf boersenblatt.net veröffentlichen zu können.

  • Jakob Meiner

    Jakob Meiner

    Herzlichen Dank!

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