Beobachtungen einer Karrieretag-Besucherin

Ein Tag für die eigene Zukunft

Nein, die Berufe im Buchhandel sind keine Jobs wie viele andere und wirklich gut wird man nur sein, wenn einem die Arbeit auch Spaß macht: Die Mainzer Buchwissenschaftstudentin Sarah Umla hat den Karrieretag auf der Leipziger Buchmesse besucht. Von ihren Eindrücken berichtet sie hier: VON SARAH UMLA

"Wie kann ich mich bewerben? Welche Erfahrungen muss ich mitbringen und was soll ich eigentlich studieren?, das sind nur ein paar Fragen, die den Besuchern des Karrieretages unter den Nägeln brennen. Der Andrang in Halle 5  ist groß, viele Neugierige haben sich um den Stand auf der Leipziger Buchmesse gesammelt. Für einige gibt es keine Sitzplätze mehr, sie müssen stehen oder haben sich kreuz und quer auf den Boden verteilt, um den Vorträgen zu lauschen.

Inhaltlich drehen sich die Diskussionen, Gespräche und Workshops um den Karriereeinstieg in der Buchbranche. Viele Zuhörer wissen noch nicht, wo es sie mal hinverschlagen soll. Eine Großzahl von ihnen scheint gerade erst mit dem Abitur fertig zu sein, für sie ist das Verlagswesen noch komplettes Neuland.

Alles dreht sich um die Basics: Wo kann ich mich bewerben? Welche Bereiche gibt es in einem Verlag und welche Aufgaben hat zum Beispiele ein Lektor oder Presse- und Öffentlichkeitsreferent? Viel Neues oder heiße Tipps lerne ich als Buchwissenschaftlerin nicht dazu, ich bin wohl durch mein Studium gut informiert: So gut wie alles deckt sich mit meinem Wissen aus den ersten Semestern. Doch die Lebensstationen und Erfahrungen der verschiedenen Verlagsmitarbeiter und Buchhändlerinnen trägt zur Selbstfindung bei, denn auch die Frage "Was will ich eigentlich?" steht bei vielen Studierenden am Ende ihrer Ausbildungszeit unmittelbar  im Fokus.

Dass man jetzt nicht auf gut Glück mal eben irgendein x-beliebiges Fach studieren sollte,  drei Jahre später plötzlich denkt "„Ach ich mach mal was mit Büchern" und dann wie selbstverständlich eine Stelle kriegt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Wichtig ist es, so wird klar, eine gewisse Affinität für die Branche und den Beruf mitzubringen, denn wirklich gut ist man nur dann, wenn es einem auch gefällt und man sein Herzblut reinsteckt. Es ist ein harter und langer Weg nach oben und da muss man gewissenhaft und kontinuierlich dafür arbeiten. Denn eines wird mir auf dem Karrieretag deutlich: Stellen in der Buchbranche sind rar gesät und nicht leicht zu finden. Hier ist es wichtig, ohne Schüchternheit einfach auf die Verlage und Buchhandlungen zuzugehen. Genau hier helfen die Recruiting-Days sowie Karrieretage, sie beseitigen die Berühungsängste und eröffnen neue Wege zum Netzwerken.

Am Ende des Tages habe ich mich zwar noch nicht ganz gefunden, habe aber das Gefühl, dass ich mich auf einem guten Weg dahin befinde."

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2 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Es ist doch irgendwie eigenartig, dass man auf der Buchmesse in Leipzig noch einen ,Karrieretag` eingerichtet hat. Bei einem weiteren abdriften des Buchhandels (ich denke nur an diesen Abwärtsstrudel von Weltbild), ist doch so ein Tag etwas daneben.
    Der Buchhandel sollte vielmehr mal seine eigenen Hausaufgaben erledigen und sich um die vielen arbeitssuchenden Buchhändler und Buchhändlerinnen kümmern. In diesem Punkt wäre für den Börsenverein also viel zu stemmen. Man muss von unten anfangen und diesen Kollegen/innen helfen, dass sie wieder in den Buchhandel hneinfinden. So oder so ist in der Buchbranche überhaupt keine Karriere zu machen, weil sich doch auch innerhalb der gesamten Buchbranche viele Dinge einfach verschoben haben. Was nutzen diese Akademiker im Buchhandel? Es werden vielmehr im stationären Buchhandel Buchhändler/innen benötigt, die sich auch in der Literatur auskennen und Bücher richtig verkaufen können. Für den Verkauf von Büchern braucht man eigentlich keine akademisch gebildeten Buchhändler.
    Dies ist doch völlig am Buchhandel mit den stationären Ladengeschäften vorbei. Was macht ein Buchhändler (akademisch vorgebildet und vielleicht noch mit einem Doktortitel) wenn trotz seiner guten Verkaufsstrategien im Umgang mit den Lesern in der jeweiligen Buchhandlung der Kundenstrom eben weniger wird?
    Da nutzt eine solche überqualifizierte Ausbildung und zusätzliche Weiterbildung in Kursen wenig. Dies muss also an anderen Dingen liegen.
    Man sollte deshalb auch an den Fachklassen des Buchhandels in den Berufsschulen nicht darauf schauen, dass junge Buchhändler/innen zu sehr im Wissen noch mehr qualifizierter werden, sondern man sollte dort mehr in Verkaufsgesprächen auch einen Umgang mit den Kunden in den Buchhandlungen lernen. Dies ist dann eine bessere Nähe zur Praxis, als noch mehr eine Aufpropfung an theoretischem Wissen, welches sich nur schwer anwenden lässt.
    Also es wäre auch hier notwendig die Zielvorgaben im Unterricht für Buchhändler/innen überschaubarer und effizienter in der Anwendung zu gestalten.
    Zusatz: Sehr lobenswert ist in diesem Zusammenhang,
    dass die Joh.-Friedrich-v.-Cotta Schule in Stuttgart
    (Sickstraße 165) für ihre Fachklassen im
    Buchhandel bereits seit einigen Jahren eine
    Lehrbuchhandlung für auszubildende Buchhändler/
    Buchhändlerinnen aufgebaut hat.
    Auch eine eigene Bibliothek für die Schule ist
    vorhanden.
    Ich meine, dass ein ,Karrieretag` im Buchhandel unter ganz anderen Vorzeichen stehen sollte. Da muss man irgendwie auch zurück zu den Tatsachen kommen. Und die Realität könnte da ganz anders aussehen.
    Wichtiger wäre vielmehr sich einmal die Strukturen im Buchhandel anzusehen. Da gibt es, angefangen von den unterschiedlichen Tarifen und anderen Fragen und Problemen noch viel anzupacken.
    Es wäre mal sinnvoll, wenn die Verantwortlichen in den Gremien und Ausschüssen sich dahingehend befassen würden, wie letztendlich junge Menschen wieder auch Freude für eine Ausbildung als Buchhändler oder Buchhändlerin an diesem Beruf finden könnten.
    Der Börsenverein ist also aufgefordert sich darüber einmal richtig Stellung zu beziehen. Mit sogenannten großen Reden und Nacht- und Nebel-Aktionen wird es leider in Fragen der Ausbildung nicht besser.
    H. Kraft

  • Stefan R.

    Stefan R.

    Na für die Buchhändler an sich ist die Veranstaltung schließlich schlicht und ergreifend auch überhaupt nicht gedacht. Diese Veranstaltung richtet sich an diejenigen die später mal, z.B. als Lektor, Redakteur, Hersteller, Assistenz oder Layouter in die Buchbranche, also sprich zu den Verlagen wollen.
    Wobei die Realität da auch nicht anders aussieht. Es gibt insgesamt zu wenige Stellen und da wird dann auch meist für viel Arbeit und Motivation recht wenig geboten.

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