Petition gegen "Digitalbeschluss" des Schweizerischen Nationalfonds (SNF)

Schweizer Wissenschaftsverlage schlagen Alarm

Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Verlage in der Schweiz sehen ihre Arbeit durch einen Beschluss des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) gefährdet. Die Organisation hatte entschieden, die Veröffentlichung von Büchern in gedruckter Form ab 1. Juli 2014 nicht mehr zu unterstützen. Dagegen richtet sich jetzt eine Petition im Netz.

Der Schwabe Verlag (Basel / Muttenz) hatte im Namen der eidgenössischen Wissenschaftsverlage einen Link zu der Petition verbreitet. Sie enthält einen auf Deutsch, Französisch und Englisch formulierten Aufruf, in dem es unter anderem heißt: "Die Schweizer Verlage im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften richten diesen Appell an die Forscherinnen und Forscher, um den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) zu bewegen, seine neue Politik der Publikationsförderung auszusetzen. Die Verlage fordern, dass vor der Einführung neuer Regeln eine Studie über die Lage des universitären Verlagswesens sowie über die Bedeutung der Verbreitung von Forschungsergebnissen in der Gesellschaft verfasst wird."

Die Priorität für digitale Publikationen trifft die Verlage doppelt:

  • Zum einen wird manche Printpublikation künftig nicht mehr finanzierbar sein, und
  • die Förderbeiträge für die elektronischen Publikationen liegen wesentlich niedriger als die für die gedruckten Bücher.

Die vom SNF beschlossenen Regelungen schließen auch eine obligatorische Zweitveröffentlichung ein, gegen die sich der Appell ebenfalls richtet: "Die Verlage sind verpflichtet, die elektronischen Bücher zwei Jahre nach ihrem Erscheinen frei zugänglich auf einer Internetseite einzustellen ('open access'-Politik)."

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3 Kommentar/e

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  • Christian Gutknecht

    Christian Gutknecht

    Seit der Berlin Declaration von 2003 die inzwischen ausnahmslos von allen Schweizer Universitäten (inkl. SAGW) unterzeichnet worden ist, hätten die nun jammernden Verlage genügend Zeit gehabt sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Der Schwabe Verlag soll sich doch da mal ein Vorbild beispielsweise an Böhlau oder DeGruyter nehmen, welche schon seit längerem das Potential von Open Access in den Humanities erkannt haben: http://www.doabooks.org/doab?func=publisher&ui Language=en

    Übrigens: Forschende können neu für eine gut ausgestattete digitale OA-Publikation (enriched-E-Book) bis zu CHF 20‘000.- Förderung durch den SNF beantragen. Ich finde das mehr als grosszügig und verstehe dieses Gejammere nicht.

  • Dr. Joachim Dabisch

    Dr. Joachim Dabisch

    Open Access hat wohl für Naturwissenschaftler eine gewisse Bedeutung. Geisteswissenschaftler greifen lieber auf gedruckte Formate zu. Von daher sind die Schweizer aus der Welt gefallen und laufen einem Mainstream hinterher, der in dieser Form gar nicht besteht.

  • Christian Gutknecht

    Christian Gutknecht

    Leider ist es ein grosses Missverständnis, dass OA nur für die Naturwissenschaften gelten soll. Die Berlin Declaration umfasste schon immer auch die Humanties.

    Ein Wechsel zu OA bedeutet selbstverständlich auch nicht, dass keine Bücher mehr gedruckt werden. Das ist pure Angstmacherei.

    http://wisspub.net/2014/05/12/schweizer-verlage-da s-letzte-aufbaumen-vor-open-access/

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