Antiquariat

"Vielfältige Ungereimtheiten und unerklärliche Vorgänge"

Ein einmaliger Vorgang im deutschen Antiquariatshandel: das Auktionshaus Zisska & Schauer in München wirft Mitgesellschafter Herbert Schauer "massive Veruntreuungen zum Schaden Dritter wie auch des Hauses selber" vor. Christian Hesse: "Verwerfungen" nicht auf die ganze Branche übertragen.

Herbert Schauer (61) befindet sich derzeit, wie berichtet, in Neapel in Hausarrest. Die Vorwürfe, die seine beiden Mitgesellschafter Wolfgang Lacher und Friedrich Zisska nun auf der Website des Auktionshauses öffentlich machen, zielen aber nicht auf die seit Monaten andauernde juristische Auseinandersetzung um die Diebstähle aus der Girolamini-Bibliothek in Neapel, sondern auf in einem "Communiqué Nr. 3" vom 19. Mai 2014 inhaltlich nicht näher bestimmte "Verfehlungen" zu Lasten Dritter und des eigenen Unternehmens, die bei hausinternen Prüfungen im Zuge der erforderlichen Neuaufstellung des Unternehmens nach Herbert Schauers Verhaftung im August 2013 festgestellt worden seien. Man habe "mit der Frage gerungen", so Wolfgang Lacher, "ob eine Strafanzeige unerlässlich, oder eine interne Lösung noch vertretbar sein würde und schließlich beschlossen, eine interne Regelung unter Einbeziehung aller Geschädigten anzustreben".

Durch einen Beschluss der Gesellschafter wurde Schauer zugleich aus der KG ausgeschlossen und beim Landgericht München I eine Klage auf Ausschließung eingereicht. Es hänge jetzt "von der Kooperationsbereitschaft von Herrn Schauer ab, ob sich darüber hinaus eine Strafanzeige letztlich doch nicht vermeiden lassen wird".

Christian Hesse, Auktionator in Hamburg und Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare, dessen Mitglied Herbert Schauer ist, äußert zu der Angelegenheit gegenüber boersenblatt.net wie folgt: "Ganz allgemein gilt doch, dass es immer wünschenswert ist, dass sich auch der Beschuldigte zu erhobenen Vorwürfen äußern kann. Es wäre gut, wenn im konkreten Fall Herbert Schauer dazu baldmöglichst Gelegenheit hätte. Zugleich bleibt zu hoffen, dass man die Münchner 'Verwerfungen' nicht auf die ganze Branche überträgt. Hier liegt sicher auch ein Großmaß Verantwortung bei den Journalisten."

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