Logistikumfrage des Börsenvereins

Mehr Mut zur Rationalisierung

Remissionen, Rechnungsbündelung, Sendungsstruktur: Das waren auch 2013 Baustellen der Branche, wie die Logistikumfrage des Börsenvereins zeigt. Erstmals wurden in diese Studie die digitalen Auslieferungen einbezogen. VON CHRISTINA SCHULTE

Die Lernkurve in Sachen Logistik steigt derzeit in mancherlei Hinsicht nur langsam an. Von Angeboten, die zu Kosten­senkungen oder Qualitätssteigerungen führen, wird nicht häufig genug Gebrauch gemacht. Sehr zum Leidwesen der Logistiker − und letztlich aller, die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind. Geld, das anderswo gut eingesetzt werden könnte, bleibt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegen. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Logistikumfrage des Börsenvereins. Erstmals wurden dieses Jahr auch die digitalen Umsätze in die Untersuchung miteinbezogen. Elf Verlagsauslieferungen haben mitgemacht − sie kommen für 2013 auf einen Gesamtumschlag print und digital von 2,391 Milliarden Euro (zu Nettoabgabepreisen). 93,91 Millionen davon entfallen auf das digitale Geschäft.

Betrachtet man zunächst nur die Auswertung für die physischen Bücher, so zeigt sich, dass die Kundenstruktur nahezu gleich geblieben ist (siehe Grafik 1). Noch immer ist der stationäre Handel mit großem Vorsprung und einem Anteil am Umschlag von gut 56 Prozent der Abnehmer Nummer 1.

Beim Thema Bündelung hat sich kaum etwas verbessert, was den Logistikern bitter aufstößt. Statt wie 2012 7,79 Exemplare erschienen 2013 im Schnitt nur 7,71 Exemplare pro Position auf einer Rechnung ­(siehe Grafik 2). Zudem sind mit einem Durchschnittswert von 50,93 auch weniger Exemplare pro Rechnung verzeichnet als im Vorjahr. Stefan Könemann, Vorsitzender des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel, ruft daher die Buchhändler auf, "ihr Bestellverhalten zu überprüfen". "Die Reduzierung der Rechnungs- und Sendungszahl wirkt sich nicht in gewünschtem Maße aus", so Könemann. Alle Marktteilnehmer würden viel und gern von Bün­delung reden − Schnellschüsse oder viele Auslieferungstermine sorgten jedoch für ein Unterwandern der Bemühungen.

Die Remissionsquote im Printbereich, ein Kostentreiber für alle, ist 2013 von 8,05 Prozent auf 8,15 Prozent gestiegen. Ärgerlich sei dies, konstatiert Könemann: ­"Eine Quote von mehr als acht Prozent bleibt unter Ratio­nalisierungs­gesichtspunkten katastrophal." Eine Verbesserung gab es hingegen beim Lagerumschlag, der von 1,19 auf 1,26 kletterte. "Damit ist die Vorjahresschwankung scheinbar wieder wettgemacht."

2013 befanden sich jede Menge unberechneter Bücher im Umlauf: Rezensions- und Freiexemplare machen mittlerweile neun Prozent des Volumens aus. Der Trend des Vorjahres hält also an.

Fortschritte gab es im vergangenen Jahr bei der Bestellstruktur − fast 80 Prozent aller physischen Aufträge wurden elektronisch übermittelt. Das waren zwei Prozentpunkte mehr als 2012 (siehe Grafik 3). "Der Fehler vermeidende und effiziente Bestellweg wurde weiter ausgebaut", freut sich Könemann. Immer schwerer wird das Geschäft für die Verlagsvertreter. Der Anteil der Reiseaufträge liegt nur noch bei einem Fünftel − mehr als 90 Prozent davon werden elektronisch übermittelt.

"Aus Branchensicht unerfreulich und teuer": So lautet das Fazit des Zwibu-Chefs im Hinblick auf die Sendungsstruktur. Der Anteil der Kleinstsendungen unter zwei Kilogramm hat sich nur marginal verringert und liegt immer noch bei fast 35 Prozent (siehe Grafik 4). Eine gute Nachricht: Der Anteil der portoseitig rentablen und gut zu handelnden Packstücke bis zehn Kilo hat sich leicht erhöht und beträgt nun 17 Prozent.


Analysiert man die Transportwegestruktur nach Packstücken, so hat es keine größeren Veränderungen gegeben. Der Büchersammelverkehr bleibt vorn, Gleiches gilt bei den Transportwegen nach Gewicht.

Das digitale Geschäft der Verlagsauslieferungen hat sich zwischen 2012 und 2013 kräftig weiterent­wickelt, der Umsatz konnte mehr als verdoppelt werden.

  • Die Anzahl der ­direkt belieferten Händler lag bei 22 (2012: 13).
  • 8.368 verschiedene E-Book-Titel je Teilnehmer waren lieferbar (siehe Grafik 5).


Für Jens Klingel­höfer, Digitalexperte und Mitglied im Ausschuss für den Zwischenbuchhandel, sind die Steigerungsraten "beträchtlich". Innerhalb eines Jahres hätte allein die Anzahl der lieferbaren Titel um mehr als 70 Prozent zugenommen (sie­he Grafik 5). Weit verbreitetes Format ist das EPUB mit 80 Prozent, gefolgt von PDF und Mobipocket. Proprietäre Formate würden vergleichsweise wenig genutzt. Bei der Analyse der Kundenstruktur darf kurz gestaunt werden. Fast 70 Prozent des Umsatzes gehen ins Ausland. Klingelhöfer hat dafür eine logische Erklärung parat: "Große Player wie Amazon und Apple sitzen mit ihren Europa­zentralen in Luxemburg."
 
Dominiert wird das Geschäft mit E-Books vom digitalen Handel, der 97 Prozent Umsätze erwirtschaftet (Stückverkauf / pay per download). Onleihe oder Subskriptions­modelle befinden sich jedoch im Aufwind.

Von der Möglichkeit, digitale Bücher zu Marketingzwecken auch ohne hohe Kosten gratis ­abzugeben, machen die Verlage gern Gebrauch. "Daher finden wir eine hohe Anzahl unberechneter Exemplare − nämlich fast ein Viertel, allerdings mit rückläufiger Tendenz", rechnet Klingelhöfer vor. Bei der Remissionsquote sind die digitalen Auslieferer bisher noch mit einem blauen Auge ­davongekommen (0,62 Prozent). Mit dem neuen Recht für Webshops könnte sich das ändern: "Es wird interessant zu beobachten, wie sich die verbraucherfreundliche Rückgaberegelung auswirkt und wie die Händler damit um­gehen werden", meint Jens Klingelhöfer.

 

Zur Logistikumfrage 2014

Auftraggeber: Ausschuss für den Zwischenbuchhandel
Durchführung: Abteilung Marktforschung des Börsenvereins
Teilnehmer: elf Verlagsauslieferungen
Gesamtumschlag 2013 (print und digital zu Nettoabgabepreisen): 2,391 Milliarden Euro, davon digital 93,91 Millionen Euro)

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