Analyse zur Schließung des Club Bertelsmann

Schmalspurhändler haben es schwer

Die Nachricht vom Aus für den Club Bertelsmann dürfte niemanden überrascht haben. Seit Jahren schon dümpelten die Geschäfte vor sich hin, Konzept- und Strategieänderungen blieben ohne durchschlagenden Erfolg. Eine Analyse von Börsenblatt-Redakteurin Christina Schulte.

Die (damals geniale) Club-Idee aus den 50-er Jahren hat sich überholt, für die Kundenbedürfnisse der heutigen Zeit konnte das Geschäftsmodell nicht angepasst werden. Die Kunden sind hybrid, kaufen heute hier, morgen da, wollen frei sein und spontan in ihren Kaufentscheidungen. Auch die nachwachsende Generation schickt sich nicht an, großes Interesse an solcherlei Bindungen zu haben.

Mit dem Club verschwindet ein Urgestein aus der Branche, das dem stationären Buchhandel zu seinen Boomzeiten mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern Sorge bereitet hat: Um die Korrektheit der preisreduzierten Clubausgaben wurde so manches Mal heftig gerungen, auch juristisch. Als die Club-Filialen sich für das gesamte Buchsortiment öffneten, wurden sie ebenso kritisch beäugt. Ende 2015 wird das Geschichte sein, der Player vom Markt verschwinden.

Es verbleiben vor allem zwei ähnliche Modelle, freilich fokussierter in ihren Zielgruppen, die sich auf unterschiedliche Weise dem veränderten Kundenverhalten anzupassen versuchen. Die Büchergilde Gutenberg hat gerade erst ihre Umwandlung in eine Genossenschaft bekannt gegeben – und will die Kunden als Genossen ins Boot holen und auf diese Weise binden. Die WBG trifft einerseits in puncto Mitgliedschaft auf ein sehr genau definierte Zielgruppe und zeigt andererseits verstärkt Flagge im Buchhandel.

Mit der Club-Abwicklung werden weitere 52 Buchhandelsflächen geschlossen. Zwar waren die Clubs bei weitem nicht in den Top-Lagen angesiedelt, dennoch haben die Läden geholfen, Bücher sichtbar zu halten. Gemeinsam mit den angestrebten Schließungen von 53 Weltbild-Filialen, stehen in den kommenden Monaten also mehr als 100 Flächen zur Disposition.

Im Rückblick (und mit den gemachten schmerzlichen Erfahrungen) zeigt sich, dass Buchhandelskonzepte à la "Schmalspurhandel" heute nicht mehr aufzugehen scheinen. Das ist die eine Parallele. Die zweite ist, dass beide Unternehmen unter Konzerndächern agierten, in Konzernen, deren Fokus nicht auf dem stationären Buchhandel liegt und lag.

Im Umkehrschluss kann das heißen, dass die inhabergeführten stationären Sortimente auf einem guten Weg sind, die Kunden von heute an sich zu binden. Ganz ohne Mitgliedschaft oder Kaufzwang. Sondern durch ein attraktives Angebot, stationär und online, durch Beratung und Service.

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3 Kommentar/e

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  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Es sind nicht nur die eigenständigen Filialen des Clubs,
    die wegfallen, sondern viele kleine Buchhandlungen, die
    durch das Zusatzangebot des Clubs existieren konnten.
    Es trifft den Buchhandel viel mehr, als nur die restlichen
    Filialen, die zumachen. Und es geht so weiter, zum Beispiel
    hat Grüttefien/Thalia in Westerstede den Laden aufgegeben
    und die nächste Schließung steht schon fest.
    Frau Schulte, wir hoffen, weiter am Markt bestehen
    zu können, es wird nicht einfach werden.
    Eine neue Mitgliedschaft für einen Buchclub zu gewinnen,
    hängt auch von der Verbreitung anderer Medien, wie
    Zeitungen bspw. ab, die Beilagen verbreitet haben.
    Hier fällt ein Hauptakteur durch Digitalsierung nahezu
    weg.

  • Clubberer

    Clubberer

    Den Begriff "Schmalspurhandel" finde ich in diesem Zusammenhang ausgesprochen tendenziös - zumindest solange andere "Schmalspurhändler" wie Hugendubel oder Thalia nicht im selben Atemzug ebenso genannt werden dürfen. Ohne Frage ist die Ausrichtung des Clubs in Zeiten zunehmender Individualisierung nicht mehr zeitgemäß gewesen; dennoch hat er über Jahrzehnte eine standardisierte Art der klassischen Sortimentsarbeit im Sinne eines vollwerigen Kleinsortiments betrieben, die seinen Mitgliedern nicht immer nur Konzernware präsentierte, sondern ihnen auch immer wieder echte individuelle Entdeckungen ermöglichte! Dass die übergeordnete Bestückung kleiner Sortimente heute weder beim Club noch bei Hugendubel oder bei Thalia mehr funktioniert, ist eine unbequeme, aber gute Nachricht!

  • franz.wanner

    franz.wanner

    Wo ist eigentlich die Analyse?
    Dürftig.
    Der Clubgedanke funktioniert heute nicht mehr bzw. noch nicht wieder.
    Waren früher Beschaffungsbegünstigungen der Antrieb, wird es später das Abgrenzungsimage sein. Diesem Image einen Inhalt zu geben, ist die zukünfttige Aufgabe.
    Die Beschaffungsproblematik hat sich erledigt.

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