Neue Eskalationsstufe im Streit um E-Book-Rabatte

Amazon verspricht Hachette-Autoren 100 Prozent der Digitalerlöse

Die These, dass Amazon den Streit um E-Book-Konditionen dazu nutzt, Verlagen ihre Autoren abspenstig zu machen, bekommt neue Nahrung: In den USA ist der Online-Händler laut "New York Times" offen dazu übergegangen, Autoren der Hachette-Verlagsgruppe zu umwerben. Der Köder: Sie sollen für die Dauer des Streits 100 Prozent der Digitalerlöse auf Amazon.com bekommen.

Hachette widersetzt sich seit Monaten dem Ansinnen des Online-Händlers, höhere E-Book-Rabatte gewährt zu bekommen - Amazon liefert zahlreiche Backlist-Titel der Hachette-Verlage mit erheblicher Verzögerung aus. 

Nun scheint Amazon eine neue Taktik anzuwenden, um einen Ausweg aus der Verhandlungssackgasse zu finden, so die "New York Times". Das Unternehmen setzt Hachette unter Druck, indem es mit verlockenden Angeboten die Loyalität der Autoren zu ihrem Verlag untergräbt. In einem Schreiben des Amazon-Managers David Naggar, das mehreren Autoren und Verlagen zuging, heißt es, die Autoren würden einen "warmen Geldregen" erhalten, der sie aus dem Zentrum des Konflikts herausholt. Denn durch die verzögerte Lieferung von Hachette-Titeln gehen aller Wahrscheinlichkeit nach Umsätze verloren – und somit auch Honorarerlöse.

Russ Grandinetti, der bei Amazon für den "Kindle Content" verantwortlich ist, erkennt deutliche Vorzüge in dem Angebot, Autoren 100 Prozent der Digitalerlöse zu zahlen: "Es könnte uns und Hachette motivieren, eher früher als später eine Einigung zu erzielen und die Autoren zu schützen", zitiert die "New York Times" den Manager. "Und auch für die Leser würde es dann besser", ergänzt Grandinetti.

Hachette scheint den Amazon-Humor nicht zu teilen: Man fasse diesen Vorschlag als Aufforderung zum "Selbstmord" auf, ließ das Unternehmen wissen. "Schwachsinn", konterte daraufhin Amazon. Auch rhetorisch scheint hier eine neue Stufe der Auseinandersetzung erreicht zu sein.

 

In einer früheren Version dieses Textes hieß es:
In den USA ist der Online-Händler laut "New York Times" offen dazu übergegangen, Autoren der Hachette-Verlagsgruppe abzuwerben. Der Köder: Sie sollen bei einem Wechsel 100 Prozent der Digitalerlöse auf Amazon.com bekommen.
Wir haben das korrigiert.

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8 Kommentar/e

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  • Johannes Haupt

    Johannes Haupt

    Überschrift und Einleitung sind sachlich komplett falsch. Dass Amazon Autoren von Hachette abwerben will und "bei einem Wechsel 100 Prozent der Digitalerlöse auf Amazon.com" verspricht, steht entgegen Ihrer Behauptung auch nicht in der NYT, weil es schlicht nicht stimmt. Vielmehr werden Autoren darüber informiert bzw. nach Ihrer Meinung gefragt, man wolle - eine Zustimmung von Hachette vorausgesetzt - 100% der E-Book-Erlöse an die Autoren ausschütten, bis der Konditionenstreit beigelegt ist, um den Konflikt nicht auf dem Rücken der Schriftsteller auszutragen. "Versprochen" (Überschrift) wird da nichts. Dass kann man als fragwürdigen PR-Stunt betrachten, ein wenig Orientierung an den Fakten schadet dann aber doch nicht.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Und was sollen die anderen Händler jetzt machen, die
    nicht "100 Prozent der Erlöse" ausschütten können?
    Ihnen droht nun noch mehr Abwanderung an Amazon,
    hoffentlich wird von den Autoren das Spiel richtig
    eingeschätzt, daß es nicht am Ende heißt:
    Halt Deinen Mann am Bändelchen mit Polaks Mändelchen;
    eine Puddinfirma warb einst mit dem Spruch und
    ist leider pleite gegangen, die Ostfriesen werden sich
    noch gerne erinnern (wegen den Spruchs, nicht wegen
    der Pleite!)

  • martkurz

    martkurz

    Ohne Amazon in Schutz nehmen zu wollen, aber es entsteht tatsächlich der Eindruck, dass dem Börsenblatt neben der Sachlichkeit auch ein bisschen die Neutralität fehlt. Hachette scheint auch nicht das "Unschuldslamm" in Sachen Preispoker zu sein, wie kürzlich im Spiegel zu lesen war: "...Vor allem aber zeigt der Hachette-Streit, welche zentrale Rolle E-Books für das Überleben der Branche haben. Das unterstrich jetzt auch ein außergerichtlich beigelegtes Verfahren gegen Apple und fünf Verlage, denen das US-Justizministerium vorwarf, Preisabsprachen getroffen zu haben. Einer dieser Verlage: Hachette"
    Wahrscheinlich hat einfach nur ein Topf seinen Deckel gefunden...

  • Barnburner

    Barnburner

    @martkurz

    "aber es entsteht tatsächlich der Eindruck, dass dem Börsenblatt neben der Sachlichkeit auch ein bisschen die Neutralität fehlt".

    Der Eindruck entsteht nicht zu Unrecht :)

    Nun braucht das Börsenblatt als Verbandsorgan des Börsenvereins nicht in dem Masse Neutralität und Sachlichkeit in seiner Berichterstattung zu berücksichtigen, wie das etwa bei einer freien Tages- oder Wochenzeitung oder einem Nachrichtenmagazin wünschenswert wäre. Beim BB geht es eher um die Vertretung ideologischer, uhm.... verbandspolitischer Positionen als Objektivität, was folglich auch eine gewisse logische Schieflage in manchen Berichten erklärt.

    Journalismus der politischen Positionen verpflichtet ist, ist natürlich immer leicht angreifbar. Das BB ist, wenn Sie wollen, eine Art Bayernkurier für den Buchhandel.

    Dgl. muss nicht problematisch sein, fällt aber in Situationen unangenehm auf, in denen eine klare politische Frontstellung (hier etwa gegen Amazon) als Interpretationsmuster für einen Konflikt genutzt wird, der im wirklichen Leben weitaus komplexer ist und über einfache Schwarz-Weiss-Malerei hinausgeht.

    Es muss wie gesagt kein Problem sein, eine vorgegebene Position zu vertreten. Ist die Diskrepanz zwischen (ideologischem) Anspruch und (wirtschaftlicher) Wirklichkeit aber zu gross, ist unfreiwillige Komik noch die geringste aller Konsequenzen.

    Aus diesem Grund macht es ja auch enorm viel Spass Publikationen zu lesen, deren Positionen der Wirklichkeit diametral entgegen gesetzt sind. Ein leichtes Gruseln gibts dazu noch als Bonus....

  • Redaktion

    Redaktion

    @Kleine Sortimenterin
    Vielen Dank, dass Sie sich an der fachlichen Diskussion beteiligen.

    @Barnburner @martkurz
    Wir liegen mit unserer Berichterstattung durchaus auf der Linie großer Tageszeitungen wie beispielsweise der FAZ.

  • Harry

    Harry

    "Wir liegen mit unserer Berichterstattung durchaus auf der Linie großer Tageszeitungen wie beispielsweise der FAZ."

    Aua. Na ja, wenn man sich am Schlechten orientiert, besteht ja zumindest noch die Chance, das man besser wird.

  • Theo

    Theo

    Die FAZ gilt als sehr konservatives Blatt... der Vergleich passt in der Tat sehr gut.

  • Harry

    Harry

    @Theo:
    "Gilt" - richtig. Das Gegenteil also von "sein".

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