Verhandlungen mit Paragon gescheitert

Droege ist neuer Investor bei Weltbild

Weltbild soll als Ganzes erhalten erhalten bleiben: In einer Betriebsversammlung hat der Insolvenzverwalter der Verlagsgruppe Weltbild, Arndt Geiwitz, heute die Mitarbeiter darüber informiert, dass er die Verhandlungen mit Paragon ohne Einigung beendet hat. Mit der Düsseldorfer Droege Group, nach eigenen Angaben "Spezialist für Restrukturierungen zur Steigerung des Unternehmenswertes", stellte Geiwitz einen neuen Investor vor. Der Gläubigerausschuss hat der übertragenden Sanierung zugestimmt; Weltbild wird eine neue Geschäftsführung erhalten, zudem wird ein Beirat gebildet.

Die Droege International Group AG war laut Patrick Hacker, dem Sprecher von Arndt Geiwitz, einer der zahlreichen Interessenten an Weltbild und ist von Anfang an mit eigenem Konzept im M&A-Prozess gewesen. Geiwitz zufolge wird die Droege Group eine Kapitalerhöhung bei Weltbild zeichnen (die "Augsburger Allgemeine" nennt eine Summe von 20 Millionen Euro, die Droege einbringen wolle) und mit einem Anteil von 60 Prozent die unternehmerische Führung übernehmen. Stellvertretend für die Gläubiger der Verlagsgruppe will Geiwitz die verbleibenden Anteile von 40 Prozent halten. Das Joint Venture zwischen Insolvenzverwalter Geiwitz und dem Familienunternehmen Droege Group soll den Gläubigern "die Chance geben, am Mehrwert der unternehmerischen Leistung zu partizipieren". Über den Kaufpreis wurden auch auf Nachfrage keine Angaben gemacht.

Walter P.J. Droege, Vorstand und Gründer der Droege Group, sieht in Weltbild "mit seinen Marken, dem treuen Kundenstamm und der Präsenz im stationären-, Versand- und Online-Kanal eine gute Basis, um sich zu einem leistungsstarken Multikanal-Anbieter zu entwickeln". Dazu gehört nach Droege "maximale Kundenorientierung und leidenschaftliche Teamarbeit". Droege und Geiwitz verzichteten auf einen Vorvertrag und haben einen Notar-Termin für den finalen Vertragsabschluss vereinbart: "Wir sind uns handelseinig und inhaltlich absolut beieinander", so Droege. Nach Geiwitz-Sprecher Patrick Hacker will sich Droege bei Weltbild "langfristig engagieren". Wie die "Augsburger Allgemeine" wissen will, soll der notarielle Kaufvertrag bis Ende nächster Woche unterzeichnet werden.

Seit April Trendwende beim Umsatz erkenbar
Insolvenzverwalter Geiwitz verteidigte seine im Februar mit Beratern von Roland Berger entwickelte Strategie, Weltbild als Ganzes zu erhalten: "Das Konzept Weltbild 2.0 ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, es zeigt erste Erfolge und wird daher konsequent weiter fortgesetzt." Die Anfang Juli kommunizierten Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr hatten Geiwitz darin bestätigt: Zum Ende des Geschäftsjahrs lag der Umsatz mit 610 Millionen Euro über den Planzielen. Das Geschäftsergebnis war noch plangemäß im Minus, allerdings sei seit April 2014 eine nachhaltige Trendwende erkennbar.

Keine Massenentlassungen
Bei der Tochtergesellschaft Weltbild Plus werden die bereits begonnenen Schließungen von 53 Filialen weiter umgesetzt. Über die Zukunft rund 20 weiterer defizitärer Verkaufsstellen wird, wie im Sanierungsplan vorgesehen, aktuell zwischen Management, Sachwalter und Gesamtbetriebsrat von Weltbild Plus verhandelt. Darüber sei keinesfalls etwas entschieden worden, sondern es sei nur als Möglichkeit im Gespräch, sagte Geiwitz während der Pressekonferenz in Augsburg. Sollte es zu Schließungen kommen, würden betroffene Mitarbeiter auf andere Filialen in der Nähe des aufgegebenen Standorts verteilt. Über die Restrukturierung will er in den nächsten Wochen mit Betriebsrat und ver.di verhandeln; einer durchdachten und nachhaltigen Restrukturierung werde weder der Betriebsrat noch die ver.di im Wege stehen, erklärte Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck.

Massenentlassungen seien mit ihm nicht zu machen, betonte Geiwitz, wenn es noch zu Entlassungen kommen sollte, würden sie unter 50 für die gesamte Verlagsgruppe bleiben. Laut ver.di Augsburg war in der Betriebsversammlung bei den rund 1.000 Mitarbeitern große Erleichterung zu spüren, auch schon bei der Ankündigung des neuen Investors gab es spontanen Beifall.

Keine Einigung mit Paragon über die strategische Ausrichtung
Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz hatte Paragons Forderungen bei den Verhandlungen als zunehmend unverschämter empfunden. Neben einem rein profitorientierten Personalabbau habe Paragon auch ein hohes Misstrauen gegenüber den Weltbild-Führungskräften signalisiert. "Aber wir sind der Meinung, dass es erfahrene und bewährte Leute braucht, um wieder nach vorn zu kommen," sagte Fitz und vermisste eine langfristige Planung: "Paragon wollte uns nach zwei Jahren mit möglichst großem Profit weiterverkaufen, die Belegschaft braucht aber eine Perspektive für die nächsten 20 Jahre."

Insolvenzverwalter Geiwitz und Finanzinvestor Paragon Partners hatten die Verhandlungen über einen gemeinsamen Einstieg als Gesellschafter des Unternehmens ohne Einigung beendet. Geiwitz wollte auf ausufernde Forderungen nicht mehr eingehen, auch der geplante massive Personalabbau war nicht in seinem Sinne. Je weiter die Verhandlungspartner in den Detailplanungen vorankamen, desto deutlicher wurden die Unterschiede, wie Weltbild künftig strategisch, operativ und finanziell aufgestellt werden sollte. Ein vor wenigen Tagen von Paragon vorgelegtes, geändertes Angebot hatte die Situation nicht verändert.

Zur Droege International Group AG
Droege International Group AG (1988 gegründet) ist ein unabhängiges Beratungs- und Investmenthaus, das seit mehr als 25 Jahren als "Spezialist für maßgeschneiderte Restrukturierungs- und Wachstumsprogramme mit dem Ziel der Steigerung des Unternehmenswertes" fungiert. Sie tätigt Direct Investments mit Eigenkapital in Konzerntöchter und mittelständische Unternehmen in „Special Situations“. Ziel ist es laut Droege, die Beteiligungen langfristig im Portfolio zu halten und über Buy & Build-Strategien weiterzuentwickeln.

Das vollständig in Familienbesitz befindliche Unternehmen bietet neben dem Erwerb von Unternehmen das gleiche unternehmerische Spektrum als Dienstleister und "Partner auf Zeit" im Rahmen von Mehrwertbeteiligungen. Es ist in mehr als 30 Ländern operativ aktiv und wird nach eigenen Angaben in diesem Jahr einen Umsatz von rund 8,2 Milliarden Euro generieren.

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13 Kommentar/e

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  • Leseratte

    Leseratte

    Na, das passt dann doch mal gut zusammen, zumindest namentlich. Die drögen Weltbild Filialen werden von Droege übernommen.
    So langsam nervt die dauernde Berichterstattung. Mal ehrlich, was wäre für die deutsche Buchhandelslandschaft und für mich als Vielleser verloren, wenn es diese unsäglichen, einfallslosen, einheitlichen, belanglosen und wenig ansprechenden Weltbild Klitschen nicht mehr gäbe? Richtig. Nichts. Oder besser gesagt, ein Schandfleck für's Auge weniger. Kann man Weltbild nicht einfach in Ruhe sterben lassen? Glaubt wirklich noch jemand daran, dass sich Weltbild langfristig am Markt wird halten können?

    Ich würde nichts vermissen. Droege könnte sich jetzt doch auch noch Thalia und die Karstadt Filialen einverleiben. Genauso langweilige dröge Läden, bei denen ich schon lange nichts mehr gekauft habe. Und das Personal in all diesen Läden? Ganz einfach, Stammpersonal entlassen und dann mit Hilfe der Konzerneigenen Personal Service Agentur "Trenkwalder" neues Personal in die Läden schaffen. Wie das geht, hat man ja bereits bei Amazon erlebt, wo Trenkwalder die Mitarbeiter schon fast paramilitärisch bewachte und beschaffte.

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Stimme Leseratte zu. Kann das Börsenblatt bitte aufhören, mit vorgehaltener Waffe Leute zum Klicken von Links zu zwingen, und stattdessen mal wieder bischen was über amazon bringen, oder wer wo ein Praktikum angefangen hat? Relevanz, Leute, Relevanz!

  • Sahmponiertes Haar

    Sahmponiertes Haar

    Man kann nur jedem raten, der die Möglichkeit hat, den Buchhandel zu verlassen..!!!

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Leseratte: schön weiter um sich selbst kreiseln. Was wäre verloren, wenn es solche völlig sinnfreien Kommentare wie Ihren nicht mehr gäbe? Richtig. Nix! Meinen Sie, die Welt des Einzelhandels kreist um ihre persönlichen Befindnisse und vor allem dass Sie der Maßstab alles Denken und Handeln sind? Wie selbstherrlich und arrogant! Leseratte? Mal die richtigen Bücher lesen!
    Was ein peinliches Procedere seitens des Herrn Geiwitz. Alle Welt redet von Paragon und der Übernahme, Details bis ins kleinste werden verkündet und schon mal umgesetzt und dann verp... sich Paragon durch die Hintertür? Unglaublich. Was ist das bloß für ein unprofessionelles Vorgehen, was für eine desaströse Informationspolitik? Und -wie immer- vor allem auf dem Rücken Tausender Mitarbeiter. Zusammen mit den erwartbar schlimmen Nachrichten betreffend Karstadt wird einem Angst und Bange. Nein, nicht, weil man keine Bücher mehr kaufen könnte - sondern weil hier weit über 20.000 Menschen um Ihre Jobs und teilweise Existenz zittern. Aber um die Dimension außerhalb seines kleinen Kosmos zu begreifen, benötigt es schon wenigstens den Hauch von Empathie und den Blick übern Tellerrand. Interessant die Aussage, dass " Die Droege International Group AG ... laut Patrick Hacker, dem Sprecher von Arndt Geiwitz, einer der zahlreichen Interessenten an Weltbild [war] und ... von Anfang an mit eigenem Konzept im M&A-Prozess gewesen [ist]". Das kam so aber überhaupt nicht medial zum Ausdruck. Aber vielleicht wurde ja Paragon auch nur für die "Grausamkeiten" vorgeschoben, damit Droege jetzt einen positiven Einstand hat? Wenn es denn so kommt, mir fehlt langsam der Glaube.

  • Sterrenhemel

    Sterrenhemel

    @Leseratte: 'Die dauernde Berichterstattung nervt? Hmmm...es geht hier um die Zukunft vieler Mitarbeiter, ich bin davon auch betroffen. Es ist nicht schön, wenn einem erzählt wird, es sei mit dem Investor in trockenen Tüchern und dann kriegen wir einen neuen Investor. Langweilige, dröge Läden? Haben Sie sich schon mal genau umgeschaut? Es muss Ihnen ja nicht gefallen, aber wenn es nicht von Interesse ist, einfach wegklicken, Niemand wird gezwungen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    War letztens in einem Weltbild-Plus-Laden auf der Suche nach einem Buch von Thomas Mann, "Der Zauberberg". Kam verzweifelt wieder ans Tageslicht mit einem Buch über Hitler am Obersalzberg, drei Eierbechern, einer 5-Euro-Armbanduhr und einer Wärmflasche in Eulenform.

    Werde nun doch wohl wieder zum "echten" Buchhändler um die Ecke gehen, der kennt das Buch dann auch.

  • Marc

    Marc

    Droege? - Dem hatte Geiwitz auch schon mal den insolventen Schlecker angeboten, siehe z. B. hier:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/betei ligungsgesellschaft-droege-international-bietet-fu er-schlecker-a-826026.html

    Da kann man jetzt sowohl den Weltbild-Beschäftigten als auch Droege nur noch viel Glück wünschen!

  • jahrelang unterdrückter Mitarbeiter

    jahrelang unterdrückter Mitarbeiter

    so geht Paragon schalalalala... (gebückte Haltung)

    und so kommt Droege schalalalala (Jubel)


    ein bisschen Spaß muss auch mal sein im ganzen Elend, oder?

  • Barnburner

    Barnburner

    Gähn.....

    Mag jemand Wetten abschliessen, wieviel von dem Weltbild Laden in 2 Jahren noch übrig ist?

    Schätze mal nicht allzu viel, Droege hin oder her (Jeeez was für ein Name!). Ist das dann ab jetzt die dröge Kette oder die dröge Buchhandlung von nebenan? Dachte letzteren Titel hätten schon einige andere für sich reserviert aber ok.

    Mal ehrlich, was soll Droege denn anders machen als Paragon? Also anderes als Leute entlassen, Filialen schliessen und die Bude auf Wiederverkauf trimmen. Jaja, ich weiss, Wachstum mit Nachhaltigkeit und so´n Blabla. Das dröge Unternehmensprofil bedeutet letztlich auch nichts weiter, als die Unternehmen im Portfolio zu trimmen wie ne Gartenhecke und entsprechend profitabel herzurichten.

    Nichts dagegen zu sagen, nur das Problem ist, dass WB in der jetzigen Form ein Fass ohne Boden ist, und von Profitabilität noch einige Hundert Entlassungen und ein paar Dutzend Fillialschliessungen entfernt ist.

    Also was konkret soll jetzt anders sein? Nix! Ok gut soweit. Derartige Überlegungen könnte eigentlich auch mall die Redaktion anstellen. Wär mal was anderes als nur der übliche Mampf dass Dr Klöbners Antiquariat in Lüdenscheid von der linken auf die rechte Strassenseite gezogen ist.

  • Scheurenbrandt

    Scheurenbrandt

    @barnburner: Die Nachricht vom Umzug des Herrn Klöbner ist durchaus relevant. Man munkelt in bibliophilen Kreisen schon länger, dass der gute Mann auch politisch von der linken auf die rechte Seite gezogen sei - da ist der Wechsel des Ladengeschäftes schon ein gewichtiges Indiz. Hierzu wünsche ich mir mal einen fundierten Börsenblattkommentar oder vielleicht eine Zukunftskonferenz zum Thema "Seitenwahl" - gerade für Bücherfreunde ja ein vielschichtiges, um nicht zu sagen vielseitiges Thema.

  • Sans Serif

    Sans Serif

    Die abhängig Beschäftigten im Buchhandel müssen die Situation realistisch betrachten. Der Buchhandel ist eine Branche in der (Dauer)Krise. Damit sind auch Arbeitsplätze und Existenzen quasi ständig gefährdet. Wegsehen und schönreden hilft da wenig. Lieber aktiv werden und alles daran setzen, den Buchhandel zu verlassen.

  • Ex-Joker

    Ex-Joker

    Meine Güte, bin ich froh, dass ich in der Schließungsarie anfang des Jahres schon vor die Tür gesetzt wurde und mit dieser ganzen Inkompetenz und Verarschung der Mitarbeiter_innen nichts mehr zu schaffen habe. Liebe Ex-Kolleg_innen: Haltet durch. Und wenn's geht: Macht die Biege! Der Laden ist die ganze Aufopferung und euren Einsatz wirklich nicht wert.

  • Wladimir1415

    Wladimir1415

    Diese Nachricht kam sehr überraschend. Paragon ist raus und Droege übernimmt. Trotz dem wird vorerst das von Geiwitz gemeinsam mit Roland Berger entwickelte Konzept „Weltbild 2.0“ weiter fortgesetzt werden. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/strategie-effizienz/ ma/pe-investor-paragon-ist-raus-droege-uebernimmt- weltbild/ ]
    Es war zwar überraschend, doch ich finde es vorteilhaft. Das Unternehmen hat schon sehr viel Erfahrung sammel können. Es wird schon seit 25 Jahren in diesen Bereich investiert.

    Gruß

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