Amazon entwickelt eigene Werbesoftware und kauft Startup Twitch

Kampf mit Ellenbogen

Amazon plant nach Angaben des „Wall Street Journals“, Googles Werbemonopol im Internet anzugreifen: Das Unternehmen, das auch beim Handel mit digitalen Inhalten wie E-Books, Hörbüchern, Filmen, Musik und Games mit Google konkurriert, entwickelt gerade eine eigene Software für Onlinewerbung. Mit der Übernahme von Twitch und der Eröffnung einer Filiale in Shanghai fordert Amazon weitere Onlinegiganten heraus.

Grundlage der Onlinewerbung sind auf den Nutzer zugeschnittene Inhalte – Google bezieht das Wissen aus dem Surfverhalten und dem Standort der Nutzer, Amazon dürften die Datenschätze über das Kaufverhalten der eigenen Kunden zu Gute kommen.

Bisher bezahlt Amazon Facebook und Google für die vielen Werbeplätze im Internet. Nun will Amazon nicht nur selbst seine eigene Seite mit Bezahlinhalten aus den roten Zahlen hinausführen, sondern auch selbst als Anbieter für Anzeigen auf anderen Websites reüssieren. Google setzt laut WSJ jährlich rund 50 Milliarden US-Dollar mit Onlinewerbung um – Amazon hätte gerne ein großes Stück von diesem Kuchen ab.

Im Bereich Cloud-Technik macht Amazon längst Unternehmen wie Google und Microsoft Konkurrenz, doch wie dem letzten Geschäftsbericht zu entnehmen ist, macht der Preiskampf allen Beteiligten schwer zu schaffen.

Nicht nur bei der Logistik (siehe Artikel „Die Kosten der anderen“) versucht das Unternehmen mit Sitz in Seattle Kosten wo möglich zu drücken oder auf Geschäftspartner abzuwälzen. Systematisch werden neue Märkte erschlossen: So hat sich Amazon mit einem eigenen Smartphone in den Ring mit Google gewagt und baut Streaming-Dienste aus.

Riesenkonkurrent Alibaba ist bereit zum Ringkampf

In China will sich Amazon außerdem mit Alibaba messen – der milliardenschwere Börsengang des chinesischen Riesen sorgt seit Wochen für Aufregung in der Presse (Artikel im deutschprachigen "Wall Street Journal"), zumal spekuliert wird, ob das Handelsimperium auch in den USA Fuß fassen könnte. Nun trägt Amazon den Kampf ins Reich der Mitte und eröffnet ein Geschäft in der Freihandelszone Shanghai. Dort sollen laut Medienberichten nun auch chinesische Kunden Bücher aus dem Ausland kaufen können. Darüber hinaus soll ein Logistikzentrum entstehen, um Waren chinesischer Unternehmen exportieren zu können.

Rieseninvestion in Spiele-Streaming-Dienst

Amazon hat sich außerdem für 970 Millionen US-Dollar das Startup Twitch gesichert. Der Streamingdienst für Spiele hat laut „Handelsblatt“ rund 55 Millionen aktive Nutzer und rund eine Million Mitglieder, die ihre Spiele-Sessions hochladen. Google soll ebenfalls am Unternehmen interessiert gewesen sein – aber Amazon scheint das bessere Angebot auf den Tisch gelegt zu haben und tätigte die größte Investition in der Firmengeschichte. Der Onlinehändler ist im Spielebereich noch recht schwach aufgestellt, Gleiches gilt für die eigenen Apps.

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