Onleihe führt "Kaufbutton" ein

Kaufoption für verliehene E-Books

Für Nutzer der Ausleihplattform Onleihe soll es künftig einen "Kaufbutton" geben, um bereits verliehene E-Books alternativ kaufen zu können − in einer Pilotphase wird der Service in Düsseldorf, Hamburg und der Oberlausitz getestet. Update: Der Börsenverein hat nach Bekanntwerden des neuen Modells Bedenken wegen der darin vorgesehenen Provisionszahlungen an Bibliotheken geäußert.

Wie die digitale Ausleihplattform Onleihe der divibib (Digitale Virtuelle Bibliotheken) mitteilt findet die Pilotphase in den Stadtbüchereien Düsseldorf, den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen sowie dem Onleihe-Verbund Oberlausitz statt.

So funktioniert der Service:

  • Trifft ein Bibliothekskunde im E-Book-Bestand seiner Bibliothek auf einen ausgeliehenen Titel, wird ein zusätzlicher Button angezeigt, der auf die Möglichkeit zum Kauf des Mediums hinweist.
  • Per Klick gelangt der Nutzer zum Online-Shop www.sofortwelten.de des Anbieters 4Readers, der wie die divibib zur ekz-Unternehmensgruppe gehört. 
  • Auf dem Portal kann sich der Nutzer einmalig ein kostenloses Kundenkonto einrichten und einkaufen. Daten von der Onleihe werden dabei der Mitteilung zufolge nicht übermittelt. 
  • Onleihe-Bibliotheken können frei entscheiden, ob sie den Kaufbutton in ihr lokales Angebot integrieren wollen.
  • Für jedes verkaufte E-Book erhalten die Onleihe-Bibliotheken eine Provision.
  • Bei Onleihe-Verbünden müssen die teilnehmenden Bibliotheken die Einführung gemeinschaftlich beschließen.

Der neue Kaufbutton soll den Service für die Bibliotheksnutzer erweitern, wirbt die Pressemitteilung, andererseits aber auch ein Zeichen der Verbundenheit mit der Buch- und Verlagsbranche setzen: "Denn nach der Pilotphase können auch andere Buchhandelspartner an den Kaufbutton angeschlossen werden."

Beim klassischen seriellen Lizenzmodell für E-Books könne nur ein Nutzer nach dem anderen das jeweilige E-Book ausleihen, erklärt Jörg Meyer, Geschäftsführer der divibib-Mutter ekz.bibliotheksservice. Als Alternative zur Vormerkung soll deshalb künftig auch der Direktkauf angeboten werden. 2013 habe es bei acht Millionen Gesamtausleihen in der Onleihe mehr als 1,5 Millionen Vormerkungen gegeben.

Onleihe ist eine digitale Ausleihplattform der divibib für Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Kunden können bei der Onleihe über ein Internetportal ihrer Bibliothek E-Books, E-Audios, E-Videos, E-Papers, E-Magazines und E-Music ausleihen. Dafür stellt die divibib derzeit circa 160.000 Titel aus über 1.200 Publikumsverlagen zur Verfügung. An der Onleihe nehmen nach eigenen Angaben über 1.900 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Die divibib ist eine Tochter der ekz.bibliotheksservice, eines Komplettausstatters für Bibliotheken im deutschsprachigen Raum.

Update: Die Rechtsabteilung des Börsenvereins befürchtet rechtliche Schwierigkeiten wegen der im Kaufbutton-Modell vorgesehenen Provisionszahlungen an Bibliotheken. Im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit um Provisionszahlungen des Online-Händlers Amazon an Schulfördervereine haben die Verbandsjuristen folgende Position formuliert:

Sehr umstritten ist im Online-Buchhandel derzeit die Zulässigkeit von Provisionszahlungen in Fällen, in denen der Kunde über einen Link auf die Homepage des Buchhändlers geleitet wird („Affiliate-Marketing“). Aus Sicht von Börsenverein und Preisbindungstreuhändern stellt das Weiterleiten auf die Homepage des Buchhändlers keine echte Vermittlungstätigkeit dar. Somit steht der Provisionszahlung des Online-Buchhändlers unabhängig davon, an wen sie geleistet wird, keine gleichwertige Gegenleistung gegenüber. Dies hat zur Folge, dass der Buchhändler zwar zunächst von dem weitergeleiteten Kunden den vollen gebundenen Ladenpreis erhält, diesen aber - aufgrund der "Provisionszahlung" an den Dritten - nicht endgültig behält bzw. nicht behalten darf. Sobald also ein Schulförderverein, eine Schule oder eine sonstige Einrichtung, die der Buchkäufer sich aussuchen kann, aufgrund einer vertraglichen Verpflichtung des Online-Buchhändlers mit einer Provisionsspende bedacht wird, sieht die Rechtsabteilung des Börsenvereins darin eine Zugabe, die gegen die Preisbindung verstößt. Ob die Gerichte diese Auffassung teilen, wird derzeit in einem Prozess geklärt, den der Börsenverein gegen Amazon führt. 

 

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7 Kommentar/e

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  • IF

    IF

    Warum geht die Branche eigentlich immer sofort in den Vereteidigungsmodus? Begreifen Sie neue Ideen doch endlich einmal als Chance.

  • Althergebracht denkender Buchhändler

    Althergebracht denkender Buchhändler

    @ IF

    Im Buchhandel läuft es so:

    Was der Buchhandel kennt und seit Menschengedenken schon so gemacht hat = guuuuuuut

    Alles, was neu, innovativ und anders ist = schleeeeeecht

  • René Kohl

    René Kohl

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Rechtsabteilung des Börsenvereins ernsthaft bezweifelt, dass die Weiterleitung von Kunden im Rahmen eines Affiliate-Programmes eine "echte" Vermittlungstätigkeit ist, für die man eine Vermittlungsprovision bekommen kann.

    Ich kann mir nur vorstellen, dass die Vermittlungen, wenn sie bei genauerer Betrachtung einem Insichgeschäft entsprechen, wenn ich also meine eigenen Käufe verprovisionieren lasse, gemeint sind.

    Im Falle eines Fördervereins ist das Insichgeschäft etwas versteckter - die Vereine empfehlen die Nutzung von Affiliate-Programmen, die eine Affiliate-Rückvergügung durch Amazon an die Fördervereine ermöglichen. Nutznießer dieser Programme sind indirekt die Eltern - die dann in ihren privaten Haushalten um die Beträge entlastet sind, die die Förder- (und somit Elternvereine) kollektiv an Affiliate-Gebühren eingesammelt haben und zu Bildungs- und Freizeitzwecken für die Kinder der Eltern ausgeben.

    Im Falle der "Onleihe"-Buttons dürften also die Bibliotheken nicht selbst eBooks kaufen, indem sie zunächst die Bestellbuttons ihres eigenen Onleihe-Angebots aufsuchen, dann zu http://www.sofortwelten.de weitergeleitet werden und dann Rabatt bekommen - bzw., dürften sie dies natürlich machen, aber die Affiliate-Gebühren sollten dann nicht ausgeschüttet werden.

    Die rechtliche Zulässigkeit der Weiterleitung von Bibliotheksnutzern an sofortwelten.de und das Einsammeln von Affiliate-Provisionen dürfte aber nicht ernsthaft in Frage gestellt werden, meine ich.

    Ob es die Aufgabe von Bibliotheken ist, über ihr Kerngeschäft, nämlich der Ausleihe von Büchern, weitere Geschäfte zu machen, etwa Vermittlungsprovisionen mit eBook-Käufern zu verdienen, und ob, wenn man diese Frage bejahte, die Ausgestaltung dieses Modells komplett am Buchhandel vorbei gehen sollte, ist eine andere Frage.

  • Gachmuret

    Gachmuret

    Tja, liebe Kolleg_innen. Die Bibliotheken bitten und fordern seit Jahren, dass die Branche auf ihre Bedürfnisse eingeht. Jüngst folgte sogar ein Brandbrief.
    Dass die irgendwann die faxen dicke haben, war abzusehen. Also sucht man sich jetzt eben eigene Lösungen. Wer so blöde ist, sich die besten Kunden und natürlichen Partner derart zu vergraulen, hat vielleicht doch den Untergang verdient.

    @1 & 2:
    Wobei Sie uns jetzt mal noch kurz verraten sollten, was an Bestelllinks und Affiliate innovativ sein soll. Dass der Lobbyverband des Buchhandels in Abwehrhaltung geht, wenn Branchenprodukte außerhalb der Branche gehandelt werden, ist weder überraschend noch rückständig und beim besten Willen kein Spezifikum. Machen alle anderen Verbände auch. ;)

  • Konservativer Buchhändler

    Konservativer Buchhändler

    Der Börsenverein hat ganz recht: Lieber ein Buch nicht verkaufen, als das es noch der Falsche verkauft. Deshalb dürfen Bücher ja auch nur in Fachbuchhandlungen von geschultem und hochbezahltem Personal verkauft werden und nicht von Onlinehändlern, Schreibwarenläden oder Kaufhäusern - wo kämen wir denn da hin.

  • IF

    IF

    @4: Ich schrieb "neu". Wenn die Idee nicht neu wäre, wäre doch schon eine Klage vor dem EuGH oder dem Weltengericht anhängig, nicht wahr?!

  • Gachmuret

    Gachmuret

    @6 Bitte sehr, dann erklären Sie eben, was daran »neu« sein soll. Und wieso es eine Chance für den Buchhandel ist, wenn er beim Verkauf draußen bleiben soll.

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