"Endgame" (Oetinger): Erste Lektüreeindrücke, neue Zielgruppen und die Rolle des Buchhandels

"Echoraum des Lesens"

Der Countdown für James Freys Roman- und Multimediaprojekt "Endgame" (Oetinger) läuft. Ab heute liegen in Buchhandlungen "Endgame"-Magazine aus, die die Buchhandels-Endkunden über den Stoff und die crossmedialen Verflechtungen des Romans informieren. Oetinger-Verlagsleiterin Doris Janhsen und Verleger Till Weitendorf sind davon überzeugt, dass "Endgame" auch neue Zielgruppen für den Buchhandel erschließt – zum Beispiel die Gaming Community.

Im globalen Buchmarkt werden auch Bücher immer häufiger zu Blockbustern, zum Mega-Event, das in vielen Ländern und Sprachen gleichzeitig inszeniert und vermarktet wird. Und das Buch ist immer häufiger nicht mehr nur ein Buch, sondern zugleich das Tor zu einer transmedialen Erzählwelt, die die Gattungsgrenzen hinter sich lässt. Buch, E-Book, Hörbuch, Handy-Spiel, Film, Rätsel – alle diese Ebenen treffen auch bei James Freys Multimediaprojekt "Endgame" zusammen, dessen Partner in Deutschland der Oetinger Verlag ist.

Am 19. September beginnt die aktive Werbephase mit einem eigenen "Endgame"-Magazin, das schon vor der Auslieferung "vergriffen" ist, wie Marketingleiter Lars Spicher sagt. "180.000 Exemplare waren gedruckt, jetzt lasse ich noch einmal 20.000 nachdrucken." Das Magazin führt nicht nur in die apokalyptische Story des Romans ein – ein Meteoriteneinschlag, der die Existenz der Erde bedroht; zwölf Gerechte, die einen Ausweg aus der Katastrophe suchen; eine chinesische Dynastie, die vielleicht den Schlüssel zur Lösung liefert – und druckt eine zehnseitige Leseprobe ab, sondern macht die Kunden mit allen Dimensionen des „Endgame“-Universums vertraut: dem Augmented-Reality-Spiel, in dem man einen von zwölf Charakteren spielen kann, das Krypto-Rätsel zum Buch, ein digitaler Index mit allen Links und Fußnoten, das Lexikon zum Buch, das Hörbuch – und schließlich der Film. Die Features von "Endgame" stammen von James Freys Kreativschmiede Full Fathom Five, die ebenfalls im Magazin kurz vorgestellt wird. Das Buch wird in 30 Ländern gleichzeitig erscheinen, ab 7. Oktober ist es in Deutschland im Handel. Die Startauflage liegt bei 125.000 Stück.

 

Schon der geheimnisvolle Auftakt von "Endgame" verriet, dass es sich um ein besonderes Projekt handelt. Oetinger-Verlagsleiterin Doris Janhsen bekam im Oktober 2013 ein personalisiertes Manuskript des Buchs zugeschickt – "mit Seiten, die man nicht kopieren konnte", wie sie sagt. Höchste Geheimhaltungsstufe also. Aber nicht nur das machte die Sache ungewöhnlich: Das Manuskript war mit vielen Weblinks, Tiny URLs, gespickt, die von vornherein auf den crossmedialen Charakter der Geschichte hindeuteten: "Ich habe mich dann mit Buch und Laptop meinen Küchentisch gesetzt, und bin beim Lesen immer wieder den eingebauten Links gefolgt. Das war am Anfang befremdlich, aber je länger ich las, desto klarer wurde mir: Hier entsteht eine völlig andere Art von Leseerfahrung." Und nicht nur Janhsen, sondern das gesamte Team haben dies sehr konkret erfahren. "Das Konsekutive der klassischen Lektüre öffnet und erweitert sich zu einer Art Echoraum des Lesens. Wie sich dabei analoge und digitale Inhalte zu einer neuen Erzählweise verbinden, hatte und hat für uns etwas ungeheuer Zeitgenössisches, vergleichbar vielleicht dem Montageroman in den 20er Jahren."

Analoge und digitale Elemente sind in "Endgame" von vornherein zusammengedacht und konzipiert, so dass man "Endgame" "wirklich und wahrhaftig als crossmediales Universum" bezeichnen kann, so Janhsen, – und nicht, wie so oft, nur ein behauptetes. "Natürlich", sagt Verleger Till Weitendorf, "muss man sich auf das Spiel auch einlassen." Er ist sich aber sicher, dass das Buch viele Leser in seinen Erzählkosmos hineinziehen wird. "Endgame öffnet so viele Türen, dass viele Leute dem nachgehen werden" – und dies aus unterschiedlichen Zielgruppen, ob Gaming Community oder passionierte Rätselliebhaber, die das große Kryptorätsel lösen wollen. (500.000 US-Dollar in Gold winken dem, der es zuerst löst).

 

Das Internet – vor allem Social Media und Communitys – wird in der Diskussion um Spiel und Buch eine zentrale Rolle spielen. Bereits jetzt werden auch die Fans des Augmented-Reality-Spiels "Ingress" mit Informationen über "Endgame" gefüttert – und zwar auch über das Buch. "Auf diese Weise", so Janhsen, bringen wir die Gaming Community dem Buchhandel näher – eine sehr schöne Vorstellung. Ziel der ganzen Geschichte sei es aber am Ende, Bücher zu verkaufen. Es wird also gleichsam ein multimediales Netz ausgeworfen, um Kunden für das Ankermedium: das analoge, gedruckte Buch, zu gewinnen. Das Sortiment zeige jetzt schon ein überragendes Interesse an dem Buch und der mit ihm verbundenen Multimedia-Welt, sagt Janhsen. "Großes Kompliment an die Buchhändler".

"Endgame" ist als Trilogie geplant. Zwei weitere Bände sind in Vorbereitung, 2016 soll "Endgame – Der Film" in die Kinos kommen. Und auch das Kryptorätsel geht in weitere Runden – wobei die Gewinnsumme auf eine Million US-Dollar verdoppelt werden soll.

Michael Roesler-Graichen

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