De Gruyter trennt sich von Sven Fund

Umbau im Management

Der Berliner Wissenschaftsverlag De Gruyter trennt sich im Zuge eines Managementumbaus von seinem Geschäftsführer Sven Fund. Künftig werden nur noch zwei Geschäftsführer, Anke Beck und Carsten Buhr, den Verlag führen, wie der Verlag mitteilt. Beide Manager werden die Aufgabenbereiche von Sven Fund übernehmen.

Sven Fund (41) trat im Mai 2008 in die Geschäftsführung von De Gruyter ein. Unter seiner Führung wurden wichtige Akquisitionen für das Unternehmen getätigt, wie der Zukauf des Birkhäuser Verlags und die Übernahme von Oldenbourg Wissenschaft und Akademie Verlag. Bevor Sven Fund zu De Gruyter kam, war er Mitglied im Executive Board von Springer Science + Business Media und Managing Director von Birkhäuser sowie SpringerWienNewYork. Seine Berufslaufbahn im Verlagsbereich begann er bei der Bertelsmann AG.

Die Eigentümer (Nachfahren von Walter de Gruyter) und der Beirat von De Gruyter sprachen Sven Fund laut Pressemitteilung für seine Leistung und seinen Einsatz ihren Dank aus – verbunden mit allen guten Wünschen für seine weitere berufliche Zukunft.

Zu den Hintergründen des unerwarteten Ausscheidens von Sven Fund schweigt der Verlag beharrlich. Die neue Geschäftsführung wird sich offenbar erst mit einigem zeitlichen Abstand zu den Veränderungen im Verlag äußern.

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27 Kommentar/e

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  • Leser

    Leser

    Wie bitte???

  • Leser

    Leser

    Liebe Redaktion, wer sind denn die Eigentümer von de Gruyter? Auf der Website von de Gruyter gibt es dazu keine Information.

  • Redaktion

    Redaktion

    Sehr geehrter Leser,

    auf der Website von De Gruyter findet man die Information, dass Gesellschafter des Verlags die "Nachfahren von Walter de Gruyter" sind. Dazu gehören auch Mitglieder der Familie Cram.

    Mit besten Grüßen,
    die Redaktion

  • Bücherwaran

    Bücherwaran

    You made my day!

  • Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    @ 1. Leser: Da kann man sich nur anschließen - der Begriff "sprachlos" trifft die Gefühle nach der Lektüre des Artikels nur unvollkommen, wenn man Sven Fund länger kennt. Die amerikanischen Verhältnisse von "hire and fire" sind wohl doch schon tiefer auch in den Kulturbetrieb Deutschlands eingedrungen, als uns allen lieb sein kann. Offensichtlich geht es den großen Wissenschaftsverlagen trotz aller Klagen doch noch zu gut, so lange sie meinen, auf einen solch profilierten Manager verzichten zu können. Es sei Ihnen zu wünschen, lieber Sven Fund, daß Sie bald eine Position finden, in der man Sie und Ihre Expertise zu schätzen weiß - und mir, daß ich dann wieder mit Ihnen zusammenarbeiten darf. Über Ihren Anruf würde ich mich freuen - meine Handynr. haben Sie !

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Thomas Emig

    Ihr Beitrag ist ironisch gemeint, oder!?!
    Wenn nicht, ist er m.E. eher naiv...!
    1. kann man nach 6 Jahren angestellter Tätigkeit wohl nicht von "Amerikanischem hire and fire" sprechen (was sowieso Unsinn ist. Hire and fire ist keine reine US-Spezialität) und 2. gibt es für Geschäftsführer natürlich Ausstiegsklauseln bei aufgelösten Verträgen (und ja, da dürfte es auch um Geld gehen). Und der "Kulturbetrieb Deutschland" (amüsante Formulierung übrigens) produziert doch ständig Wechsel bei Angestelltenverhältnissen. deGruyter wird sich mit Herrn Fund entsprechend geeinigt haben, soviel dürfen Sie annehmen!

  • Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    @ Merfelle: Ach, ich hatte so sehr gehofft, Sie würden nicht auch noch meine Stellungnahme kommentieren - wie Sie dies bei schon so vielen hier schon im Blog getan haben... Bei mehr als 30 Jahren im (internationalen) Buchhandels- und Bibliotheksgeschäfte können Sie mir durchaus etwas Erfahrung in der Beurteilung solcher "Vorfälle" zutrauen - zumal ich sicher mehr Einblick in die Interna habe als Sie... Wie dem auch sei: Das etwas "geregelt" ist, heißt noch nicht, daß man das akzeptieren oder gar "goutieren" muss, sondern das durchaus auch offen kritisieren darf; zumal in diesem Forum. Ich habe bereits in den USA gearbeitet und kenne die dortigen Vertragsverhältnisse gut genug, um mir ein Urteil darüber erlauben zu können. Nichts für ungut, aber lassen Sie doch einfach jedem seine Meinung - so wie ich die Ihre akzeptiere. Im Übrigen ging es mir auch um den Umgang mit Mitarbeitern auch der Chefetage und wer Herrn Dr. Funds Einsatz für den internationalen Buchhandel noch kurz vor und während der Frankfurter Buchmesse beobachtet hat, kann jetzt nur den Kopf schütteln...

  • Leser

    Leser

    @ Thomas Emig: als jemand, der viele Jahre im Verlag de Gruyter gearbeitet hat, zuletzt auch unter dem 'profilierten' Management von Herrn Fund, kann ich Ihre Anmerkungen nicht unkommentiert stehen lassen. Zum Stichwort "Hire and Fire": als Sven Fund 2008 in den Verlag kam, bestand eine seiner ersten Amtshandlungen darin, erst einmal in allen Abteilungen einige Leute zu entlassen als klares Signal an den Rest, dass Widerspruch und Kritik nicht erwünscht sind und nicht geduldet werden. In den darauffolgenden Jahren gab es dann bei DeGruyter einen regelrechten 'Braindrain'. Wer unbequem war und nicht gefeuert wurde oder gefeuert werden konnte, ist selbst gegangen, sobald sich dazu irgendeine Möglichkeit ergab. Wer nun von Nah oder fern die sich häufenden Meldungen über erneute Zukäufe verfolgt hat und wer über ein bisschen Erfahrung in der Fachverlagsbranche verfügt, dem musste schon seit längerem klar sein, dass das nicht gut gehen konnte. Programme und Verlage in ein bestehendes System zu integrieren ist eine Herkules-Aufgabe für alle Bereiche eines Verlages. Das kann man nicht im Vierteljahrestakt bewerkstelligen, ohne das dabei ganz viel kaputt geht. Schon lange wirkten diese Meldungen wie die aus der Finanzbranche bekannten Jubelmeldungen, die wie wir alle wissen zur Bildung einer riesigen Blase und zum immer noch nicht verwundenen Crash von 2008 geführt haben.
    Für meine ehemaligen Kollegen bei DeGruyter hoffe ich inständig, dass dieses Management den Karren nicht schon soweit in den Dreck gefahren hat, dass es womöglich für eine Umkehr schon zu spät ist. Toi toi toi

  • welche Strategie

    welche Strategie

    ... er wird doch wohl nicht Dr. Bob bei Cornelsen beerben?

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Leser
    @ Thomas Emig

    Nun interessiert es mich, wie das Feedback von Herrn Emig, unter Einbeziehung seines Einblickes in die entsprechenden "Interna", zu Ihrem Kommentar ausfallen wird.

  • Ehemaliger deGruyter Mitarbeiter

    Ehemaliger deGruyter Mitarbeiter

    Ich kann "8. Leser" nur zustimmen. Es war eine Schande für das ehrwürdige Verlagshaus, was nach Herrn Funds Machtübernahme dort passiert ist.

  • KD Wolff

    KD Wolff

    Vielleicht hat es Kollegen Fund nicht gerade populär gemacht, dass er alte Bücher der Lagerkosten wegen hat einstampfen lassen???

  • 42. Leser

    42. Leser

    Ich sehe die Entwicklungen der letzten Jahre bei DeG auch kritisch. Strukturänderungen können notwendig sein, sind aber kein Selbstzweck. Dass so viele Zukäufe so verschiedener Verlage ein Risiko darstellen, ist fast eine Binsenweisheit. Der entsprechende Vertrieb ist nicht trivial, one-fits-all-Lösungen sind umstritten. Interessant, dass SF in der Branche "gute Arbeit" bescheinigt wird. Birkhäuser wurde später verkauft (an DeGruyter...), die "Gewinnsituation ist tatsächlich derzeit nicht rosig" (Buchmarkt-Beitrag-Komment). Den oben erwähnten Brain Drain kann ich nach meinen Informationen bestätigen. Schade, dass es immer erst viele Mitarbeiter erwischt, auch wenn viele dezidiert aus eigenen Stücken gegangen sind. Ich wünsche dem Verlag nun alles gute, und dass ggfs. entstandene Probleme gelöst werden können.

  • 42. Leser

    42. Leser

    PS: Aus gestrigem Buchmarkt-Beitrag: "...er sei zu sehr auf den Bereich "Self Publishing" fokussiert gewesen." Unbeabsichtigt (?) treffende Formulierung.

  • old school

    old school

    Aha, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Und bevor es zu peinlich wird oder zu sehr an den Gewinn geht, darf er gehen. Wo aber waren die Aufsichtsräte, als SV im Zuge des "self publishing" (danke für den schönen Hinweis, 42. Leser!) fähige, im Detail ums Programm und um Inhalte renommierter Publikationen bemühte Leute durch "young and high potentials" ersetzte? (oder [viel besser!] auch gar nicht ersetzte …) Als Inhalt plötzlich "content" hieß und der Himmel kunterbunt wurde von Sprechblasen und ausgeflippten flipcharts? Als Expansion um jeden Preis die Sorgfalt der Produktpflege ablöste? Als Ergebenheitsadressen wichtiger wurden als Arbeitsergebnisse? – Fragen über Fragen über den Untiefen des Nähkästchens, in dem zu kramen sich nicht mehr lohnt.

  • old school

    old school

    Sorry, Korrektur zu meinem obigen Beitrag: Es muss freilich heißen: SF (und nicht SV). Es ging ja nicht um die Sozialversicherung ...

  • 42. Leser

    42. Leser

    @ 16. old school:
    Exzellente Frage. Es ist m.E. bedrückend, wieviel passieren muss (nicht nur bei DeGruyter), bevor endlich an höherer Stelle Konsequenzen gezogen werden. Auch nach Erfahrung aus anderen Organisationen fürchte ich, dass wir eine Kultur haben, in der die Aufsichtsräte/Beiräte den Managern, die sie überwachen sollen, und von denen sie in geschlossener Sitzung informiert werden, sehr lange unkritisch vertrauen.
    Ich denke sehr wohl, man sollte hier unbequem bleiben und kramen, damit sich diese Kultur irgendwann einmal ändert.

  • Carlo Bernasconi

    Carlo Bernasconi

    at 14. 42. Leser 24.10.2014 19:00h:
    Birkhäuser wurde von Springer Science an einen etwas obskuren Herrn Verleger in Barcelona veräussert (nicht von Herrn S.F., der damals in Wien arbeitete), der wiederum, ohne Fortune gemacht zu haben, an DeG verkaufte. Also ist Sven Fund, ehemaliger Birkhäuser-Verlagsleiter, derjenige gewesen, der Birkhäuser vor dem definitiven Untergang gerettet hat, weil er um das Potenzial des Verlags wusste.

  • 42. Leser

    42. Leser

    Sven Fund war, siehe Artikel, vor Jahren auch Chef von Birkh. Wenn danach der Verlag kreuz und quer durch die Welt verkauft wird...letztlich war bei DeG wahrscheinlich das wirtschaftliche ausschlaggebend. Sven Funds Marketing- und Verkaufstrategie bei DeG war, glaube ich, umstritten (siehe Kommentar zur Gewinnsituation). Er hat sie zusammen mit Katrin Siems implementiert. Diese wurde 2013 geopfert, landete aber weich bei Beuth. Hoffentlich leistet Frau Siems beim Beuth-Vertrieb bessere Arbeit.

  • 42. Leser

    42. Leser

    Und so eloquent wie Herr Fund ist, brauchen wir uns um ihn auch keine Sorgen zu machen.

  • Mario Wehner

    Mario Wehner

    Ich hatte vor Kurzem ein konkretes Jobangebot von deGruyter als freier/fester in der Grafik vorliegen. Wir wurden uns nicht einig, da ich einige Bedinungen an eine künftige Zusammenarbeit geknüpft hatte. Wenn ich all diese Kommentare über den Verlag lese, dann wird mir auch klar, warum keine Einigung zustande kam und ich bin im Nachgang auch froh, dass es nicht geklappt hat!

  • 42. Leser

    42. Leser

    Nun, jetzt ist Herr Fund ja dort weg. Der Verlag DeGruyter ist eigentlich ein Haus guter Substanz und hoher Qualität, und Bestandteil der deutschen Verlagslandschaft. Ich wünsche dem Verlag und seiner neuen Leitung nun viel Erfolg.

  • Mario Wehner

    Mario Wehner

    Die Zukunft des Verlagswesens und Buchhandels wird stark davon abhängen, wie man es schafft seine Leserschaft gewissermaßen bei der Stange zu halten! Letztlich wird der Leser entscheiden, wie die Medien der Zukunft aussehen werden! Solche Verlage haben aus meiner Sicht die Zeichen der Zeit nicht erkannt! Rein auf staubtrockene wissenschaftliche Literatur zu setzen hat keine Zukunft mehr. Diese Informationen findet man im Internet an allen Ecken und Enden! Ähnliches hört man auch aus dem Hause Jahr, die ein Sammelsurium von Frauenzeitschrift über GEO bis hin zum Nachrichtenmagazin vor sich her schieben. Wer Perspektiv fähig sein möchte muss allerdings Zielgruppen ansprechen, die sich nach wie vor für den vielzitierten Qualitätsjournalismus begeistern können, Inhalte anbieten und v.a. zielgruppengerecht aufbereiten, die man in dieser Form nicht überall im Internet abrufen kann. Je mehr man sein Angebot spezifiziert und vielleicht auch eine Nische für eine wertschätzende Leserschaft findet, desto besser wird man künftig aufgestellt sein. Es kommt also nicht darauf auf das Ausgabeformat (digital oder analog) an, sondern einzig und allein auf die Inhalte, wie diese aufbereitet und dargeboten werden. Krampfhaftes verlagern auf das Onlinegeschäft ist blinder Aktionismus, denn der Internetuser ist es seid jeher gewohnt, dass er seine Informationen im Netz gratis abrufen kann. Es dürfte ihm schwer zu vermitteln sein, dass das auf einmal Geld kosten soll. Allenfalls mit Werbung kann man hier etwas verdienen, aber kaum mit journalistischen Inhalten. Ähnlich sieht es mit Ebook-Readern aus, die sich denke ich auch nicht, oder nur bedingt durchsetzen werden, da das Lesen von größeren Textmengen auf Displays auf Dauer keine Freude macht und für die Augen enorm anstrengend ist.

    Verlage, die es schaffen sich auf Zielgruppen und Themen zu spezialisieren, einem wertschätzenden Leserkreis etwas zu bieten, sowie Klarheit und Struktur in die Informationslawine zu bringen werden die besten Zukunftsaussichten haben. Ansonsten müssen permanente Umstrukturierungsmaßnahmen, Sparkurse, Stellenstreichungen, Übernahme durch Bertelsmann und dergleichen herhalten. Kurze Linderung bringen solche Maßnahmen vielleicht, allerdings keine Nachhaltigkeit!

  • Jurist

    Jurist

    @ 24. >>Rein auf staubtrockene wissenschaftliche Literatur zu setzen hat keine Zukunft mehr. Diese Informationen findet man im Internet an allen Ecken und Enden!<<
    So pauschal stimmt das nicht. Gerade High-End Fachinformationen, z.B. aus juristischen Kommentaren, Handbüchern oder Fachzeitschriften sind in keiner Weise kostenlos im Internet zu finden. Im Gegenteil, die Nutzer zahlen viel Geld dafür, diese auch online zu bekommen.
    Ich denke, wenn Inhalte eine gewisse Exklusivität und hohe Relevanz für den Nutzer aufweisen, ist der Nutzer auch bereit dafür etwas zu zahlen - bei den Fachinformationen immer mehr für Online-Inhalte, immer weniger für Print.

  • Maio Wehner

    Maio Wehner

    Möglicherweise haben Sie recht und es gibt auf diesem Sektor bereits Bezahlmodelle im Internet. Letzlich haben Sie meine Kernaussage nochmals auf den Punkt gebracht: Wer sich am besten spezialisiert, Themen zielgruppengerecht aufarbeitet und anbietet wird für die Zukunft am besten aufgestellt sein! Auf meinem Blog habe ich nochmals einige Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema zusammengefasst: http://www.mwgestaltung.de/blog/

  • Alvermann

    Alvermann

    Sven Fund war ein Zauberer.Er ließ Verlage verschwinden, zuletzt verschwindet er selbst.

  • Klattmann

    Klattmann

    @Alvermann: Wie meinen Sie das - ist er inzwischen untergetaucht, oder beziehen Sie sich darauf, dass Sven Fund im Herbst gefeuert wurde?

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