Drohende Entlassungen bei Weltbild

"Droege hat uns von vorne bis hinten belogen"

Die Weltbild-Geschäftsführung will offenbar im Bereich Retail massiv Stellen abbauen − der Betriebsrat sei dazu aufgefordert worden, einen Interessenausgleich über rund 200 Entlassungen zu schließen. Das teilt das Gremium in einem Flugblatt an die Kollegen mit und erhebt massive Vorwürfe gegen den zuvor gefeierten Investor Droege. Update: Inzwischen liegen Stellungnahmen der Droege Group und von Weltbild Retail vor.

In dem Flugblatt des Weltbild-Betriebsrats vom 6. November, das boersenblatt.net vorliegt, heißt es weiter, dass laut Forderung des Arbeitgebers 100 Mitarbeiter vor Weihnachten und weitere 100 im Februar gehen sollen (dies entspräche etwa 160 Vollzeitstellen). Rund die Hälfte der rund 420 Beschäftigten im Bereich Retail in Augsburg würden damit ihren Arbeitsplatz verlieren.

 

"Wir tun alles, dass es nicht dazu kommt", erklärt Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann gegenüber boersenblatt.net. Die Stimmung der Beschäftigten sei "extrem geladen". Boßmann hatte noch im August von maximal 50 Stellenstreichungen gesprochen. Der damalige Optimismus scheint verflogen. Der Betriebsrat erwarte "ein vernünftiges Konzept über die Zukunft von Weltbild". Nach Auffassung der Arbeitnehmervertreter folge die Geschäftsführung nicht mehr dem Konzept Weltbild 2.0, sondern einem eigenen Plan − und der sehe "neue Massenentlassung im Auftrag von Droege"  und "die gezielte Verkleinerung des Unternehmens" vor.

Der neuen Weltbild-Geschäftsführung attestiert der Betriebsrat "nichts nach vorn zu bringen." Nach wie vor würden Konzept, Struktur und Führung fehlen − und neuerdings sogar Waren. Der Betriebsrat kritisiert, dass dringend benötigte Artikel nicht bestellt würden. Zudem gebe es "kleinliche Sparmaßnahmen", auch die Werbemaßnahmen seien zurückgefahren worden. "Wir wurden von vorne bis hinten belogen", so der massivie Vorwurf im Flugblatt, "Droege plant keinen langfristigen Invest." Offenbar wolle der Milliardär "Weltbild auf Kosten der ArbeitnehmerInnen auspressen und persönlich möglichst schnell möglichst hohe Profite einfahren", kritisiert der Betriebsrat.

Die "Augsburger Allgemeine" berichtete jüngst unter Bezug auf Unternehmenskreise, es habe einen Umsatzeinbruch bei Weltbild gegeben. Dies hätte zu einer restriktiven Ausgabenpolitik geführt. Letzte Woche habe es Gespräche gegeben, um die Finanzierung von Weltbild weiterhin zu sichern, schreibt die Zeitung. Dies sei gelungen − das Unternehmen sei nach "akutem Handlungsbedarf" wieder "durchfinanziert".

Statement der Droege Group

Inzwischen liegt eine Stellungnahme der Droege Group vor, die wir hier im Wortlaut zitieren:

"Die Droege Group ist zusammen mit dem Insolvenzverwalter Geiwitz (im Verhältnis 60:40) seit dem 6. Oktober 2014 Eigentümer der Weltbild-Gruppe. Geschäftsgrundlage des Erwerbs ist die von der Unternehmensberatung Roland Berger erstellte Planung Weltbild 2.0. Die Istzahlen der Monate Juli bis September 2014 zeigen eine signifikante Abweichung zur Planung von Roland Berger und zum Vorjahr. Die neue Geschäftsführung musste nach dem Grundsatz der vorsichtigen Geschäftsführung auf Grund dieser erheblichen Abweichungen Anpassungsnotwendigkeiten, die sich in allen Bereichen der Weltbild-Gruppe niederschlagen werden, definieren. Wir bedauern sehr, dass bereits kurzfristig nach Übernahme derartige Anpassungen notwendig sind. Wir können den Umfang der personellen Anpassungsmaßnahmen, die in dem Flugblatt behauptet werden, jedenfalls nicht bestätigen. Die Geschäftsführung stimmt sich mit dem Betriebsrat in allen personellen Maßnahmen ab.

Die Droege Group ist umfänglich den vertraglich vereinbarten Einzahlungspflichten nachgekommen und ist überzeugt, dass die neue Geschäftsführung den richtigen Weg zur Zukunftssicherung der Weltbild-Gruppe (angepasste Weltbild 2.0-Planung) gehen wird."

Statement von Weltbild Retail

"Im Zuge der zunehmenden Kundenorientierung und damit auch Digitalisierung des Weltbild-Geschäfts, setzt das Unternehmen die Restrukturierung konsequent fort. Die Geschäftsführung informierte den Betriebsrat, dass damit auch eine personelle Reduktion verbunden ist", heißt es von Weltbild.

Der neue Gesellschafter Droege International Group AG stehe "hinter dem Unternehmen und der Marke Weltbild". Die Finanzierung stehe auf einem soliden Fundament. Gleichwohl werde das Unternehmen den eingeschlagenen Restrukturierungskurs konsequent fortsetzen und sich an dem durch gewandelte Kundenbedürfnisse und Digitalisierung geprägten Markt ausrichten.

"Das bedeutet wir werden Sortimente, Vertriebsauftritt und Werbemaßnahmen sowie unternehmensinterne Prozesse nach den Erfordernissen unserer Kunden überarbeiten. Weitere Personalmaßnahmen sind aufgrund der neuen Abläufe nicht vermeidbar," so die Geschäftsführung, die Weltbild "zukunftsfähig" machen will. Auch ein spürbarer Umbau des Sortiments soll anstehen: "Buch, eBook und eMedien bleiben Kernsortimente von Weltbild, die um attraktive Sortimente rund um Heim und Wohnen und für die Familie ergänzt werden. Preis und Qualität der Sortimente müssen stimmen. Weltbild bespielt weiter alle Vertriebskanäle, die eng aufeinander abgestimmt werden und setzt auf stärkere Digitalisierung und kundengerechte schlanke Abläufe." Das Unternehmen soll "konsequent hinsichtlich seiner Vertriebs- und Verkaufsstruktur auf den Kunden und sein Verhalten" ausgerichtet werden.

"Alle Maßnahmen werden in engster Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt und so sozialverträglich wie möglich gestaltet", teilt die Geschäftsführung mit. Konkrete Angaben zum Ausmaß der Personalkürzung seien aufgrund der laufenden Verhandlungen nicht möglich. Damit Weltbild nachhaltig erfolgreich ist, müssten diese neuen, flexiblen Strukturen "sehr rasch" aufgebaut werden. 

Schlagworte:

Mehr zum Thema

10 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Ex

    Ex

    Ja, wenn wunder es denn? Die Reputation von Herrn Droege war allen bekannt, das WB 2.0 Konzept war ein Witz. Nichts davon ist umsetzbar in einem vernünftigen Rahmen und zu angemessenen Kosten.

    Auch wenn man es nicht hören will und es auch keiner sagt: Weltbild hat sich weitgehend überlebt, der Personalkörper ist sehr teuer, die Motiavation bescheiden (verständlich) und der Wettbewerb extrem.

    Nochmal Insolvenz anmelden und den Laden den Mitrbeitern für 1 € schenken.

  • 2Ex

    2Ex

    Gute Idee. Dann können es mal andere mit ihrem Geld versuchen. Vielleicht dämmert es den Leuten dann, dass die "Leistung" von Weltbild im Markt nicht relevant ist.

    Die Kollegen können einem Leid tun. Der Niedergang von Weltbild war schon vor Jahren besiegelt. Das Insolvenzverfahren war einfach nur Show und Geldmachen für Berater und Insolvenzverwalter. Was für eine peinliche und traurige Nummer vom Insolvenzverwalter und Droege - toll gemacht die Herren!

  • S. M.

    S. M.

    Mit Weltbild ist es wie mit HoCa und anderen: Buchhändler werden nicht mehr gebraucht, auch Verlage nicht mehr, Lektoren oder andere Berufe rund ums Buch wird es treffen und es wird nicht mehr lange dauern, bis der Börsenverein das Zeitliche segnet. Den Reibach machen Milliardäre wie Herr Droege, der mit Kunst versucht, sein Image zu polieren. Sei es drum: So lange wir dieses spätkapitalistische System dulden oder dulden, dass wir Deppen in Deutschland Steuern zahlen, während andere in Luxemburg von PWC aus der Steuerpflicht gezogen werden, wünsche ich diesem Staat noch viele Firmenpleiten wie Weltbild oder andere, damit sich rächt, was die Lobbyisten der Amazons und Droeges bei unseren Politikern gesät haben. Diese hemmungslosen Geldscheffller zerstören schneller diese Demokratie als wir es merken werden.

  • Barnburner

    Barnburner

    Der "gefeierte Investor" Droege? Ich weiss ja nicht, welche Jubelperser hier für das "Feiern" verantwortlich waren, weiter als von 12 bis Mittag haben sie offensichtlich nicht gedacht. Schliesslich war abzusehen, dass genau das, was hier durch die Nachrichten geistert, geschehen würde.

    Aber die Überlegung, warum manche Leute Geld in marode Unternehmen investieren, hat der eine oder andere offenbar nicht mal halb zu Ende gedacht. Naja, das ganze Land liegt im geistigen Tiefschlaf von dahe sollte einen nicht wundern, dass die Leute auch in Detailfragen immer noch an den Weihnachtsmann glauben.

    Ok, an sich hätte auch das Boersenblatt mal ein paar kritische Fragen stellen können. Einfach nur zum Spass und zu zeigen dass man auch anders kann. Aber naja, "hätte" ist eben Konjunktiv d.h. da muss man nicht wirklich. Dann lieber nen Bericht über eine neueröffnete Buchklitsche in Bramsen-Erpelstedt, die nach einem halben Jahr auch wieder dicht macht.

  • Gebürtiger Hesse

    Gebürtiger Hesse

    Hand auf´s Herz...... diese Entwicklung sollte doch im Prinzip keinen überraschen. Das Weltbild nicht mehr auf die Beine kommt, war irgendwo doch klar. Selbst wenn es einen als Angestellten zu diesem Zeitpunkt (noch)nicht trifft, sind die nächsten Entlassungen schon vorprogrammiert. D.h. auch derjenige, an dem der Kelch jetzt vorübergeht, wird (leider) weiter um seinen Arbeitsplatz zittern müssen. Im Prinzip kann man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Weltbild nur raten schnellstmöglich zu versuchen, eine andere berufliche Alternative zu suchen. Am besten außerhalb des Buchhandels. Ich selbst bin mehr als froh, den Buchhandel bereits verlassen zu haben, wenn ich die Meldungen aus der Branche im Allgemeinen lese.

  • peter&paul

    peter&paul

    ahhh, großes erstaunen über die entwicklung bei wb unter droege!?
    iregendwie erinnert mich das sofort an den "investor" berggruen und sein ausschlachtprojekt karstadt; das war zwar eine nummer größer, aber das gleiche prinzip.
    wer konnte denn ernsthaft der droege-illusion erliegen bzw. erliegen wollen, der ganze gewerkschaftsklüngel etwa?naja, die müssen eben auch ihre existenzberechtigung irgendwie darstellen.
    die leidtragenden sind, natürlich wie immer, die mitarbeiter an der basis. deshalb kann man ihnen nur empfehlen, nichts wie weg, bevor gar nichts mehr geht.

  • Robin

    Robin

    Ja ist denn heut´ schon Weihnachten...dachten sich alle, als der Heilsbringer Droege auf den Plan kam...er war nur schlauer wie Paragon, hat erstmal gekauft und dann filetiert.

    Hat den wirklich irgend jemand geglaubt, dass Herr Dröge sein Vermögen damit gemacht hat, überall die Heilsarmee zu spielen ? Das hat die Kirche schon viele Jahre bei Weltbild versucht und hunderte Millionen verprasst.

    Es ist völlig richtig von Herrn Dröge, das Unternehmen auf gesunde Füsse zu stellen, dass geht eben mal nur mit massiven Einschnitten.

    Herr Boßmann mit seinen klugen Sprüchen...wäre er Geschäftsführer von Weltbild, wo würde er dann das viele Geld für die Verluste hernehmen ? Einfach so weitermachen bis zu nächsten Pleite ?

    Ich kann nur den Kopf schütteln !!! Seid froh, dass sich überhaupt einer gefunden hat, der wenigstens einen Teil des Unternehmens rettet und es nicht wie bei Schlecker läuft.

  • boing

    boing

    Die Zukunft des neuen Unternehmens wird am Markt entschieden und nicht am internen Verhandlungstisch. Es sind Chancen vorhanden, die müssen nun genutzt werden. Es war doch seit Jahren jedem mit Sachverstand klar, dass der alte Weg nicht mehr gegangen werden kann. Ob der neue Weg zum nachhaltigen Erfolg führt, der dann hunderte Arbeitsplätze rettet, weiss noch keiner. Wer diese Unsicherheit nicht aushalten kann oder will, muss sich eine neue Beschäftigung suchen ... ob es da dann besser zugeht, wird sich zeigen. Den neuen Eigentümer durch Krawall unter Druck zu setzen wird jedoch nicht funktionieren, es gibt ohne ihn nur die Alternative komplette Abwicklung also Totalverlust aller Arbeitsplätze und weniger verkaufte Bücher ausserhalb Amazon.

  • Schikanen

    Schikanen

    Droeges Marionetten führen sich auf wie die Axt im Walde und niemand greift ein... Einschüchterung, Drohungen und Wutanfälle sind an der Tagesordnung. Glaubt der Investor tatsächlich so noch Ertrag zu erzielen... Herr Droege, dass die wirtschaftliche Situation schlecht ist, und womöglich eine 2. Insolvenz ansteht, ist schlimm, aber man kann damit leben. Nicht damit leben kann ich damit, dass Sie nicht eingreifen, wenn zumindest einer der von Ihnen eingesetzten Geschäftsführer die Menschen schikaniert und krank macht!
    Wo liegt denn Ihre Schmerzgrenze diesbezüglich? Unsere ist überschritten...

  • Droege Versteher

    Droege Versteher

    Nun ja, vielleicht hat Droege aber auch nur seinen Job gemacht und sich die Weltbild Zahlen einfach mal genauer angeschaut als die Unternehmensberatung Roland Berger. Und ist dann logischerweise zu dem Ergebnis gekommen, schnellst möglich die Reissleine zu ziehen.

    Die Zahlen, mit denen Halff jahrelang hausieren ging, waren offensichtlich geschönt.

    Zitat aus einem Artikel in der Süddeutschen: "Die Zahlen waren schon lange geschönt.

    Kritisch sieht Paragon, dass Weltbild neben Büchern auch sehr viel Ramschware angeboten hat, die das Image schädigte. Eine erste Prüfung habe zudem ergeben, was schon lange gemunkelt wurde: dass bei Weltbild schon lange die Zahlen in den Büchern mit der Realität nicht übereingestimmt haben. Die angeblichen 1,6 Milliarden Euro Umsatz, mit denen die ehemalige Geschäftsführung hausieren ging, seien durch eklatante Fehler in der Buchführung zustande gekommen, ist zu hören."

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verkauf-von- weltbild-alles-ist-besser-als-schlecker-1.1959266

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld