Die Sonntagsfrage

Was sind Netzwerke wert?

Die BücherFrauen sind 1990 angetreten, damit Frau in der Buchwelt weiterkommt. Seitdem hat sich manches verändert. Zum Besseren? Valeska Henze, freie Übersetzerin, Autorin und Lektorin aus Berlin sowie erste Vorsitzende des Branchennetzwerks – über Frauenkarrieren, zunehmende Prekarisierung, Vorbilder und Vernetzung.

Natürlich ist es kein Zufall, dass Frauen nun auch in der Buchbranche in Spitzenpositionen der Unternehmen und Verbände gelangen. Über 80 Prozent der Beschäftigten in der Buchbranche sind Frauen. Es ist höchste Zeit, dass sich dieser Anteil auch in den Führungspositionen der Branche wiederspiegelt. Ich bin sicher, dass Netzwerke bei der Karriereplanung von Frauen eine immer wichtigere Rolle spielen – seien es nun private, selbst geknüpfte oder aber breit organisierte wie die BücherFrauen.

Die Vernetzung untereinander erleichtert den Informationsfluss und die Einblicke in verschiedene Aspekte unternehmerischer Erfolgsgeschichten, die wichtig dafür sind, die eigene Karriereplanung zu verfolgen. Frauen finden dort berufliche Unterstützung und Förderung in Mentoringprogrammen oder Fortbildungsveranstaltungen und können gezielt nach Vorbildern suchen.

Frauennetzwerke bieten außerdem eine Auseinandersetzung mit Karrierehemmern im Betrieb, mit Rollenbildern und -zuschreibung, mit männlich geprägten Strukturen in der beruflichen Kommunikation. Netzwerke wie die BücherFrauen sind außerdem eine gute Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, sei es nun mit der Hilfe von Mentorinnen oder auch einfach durch praktisches Engagement. Und Netzwerke sind natürlich ein großartiges Forum, um sich innerhalb der Branche zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen.

Ich habe bei Veranstaltungen der BücherFrauen in den Regionalgruppen oder auf den Buchmessen festgestellt, dass gerade bei jungen Frauen und Berufseinsteigerinnen ein großes Interesse an beruflicher Vernetzung besteht. Frauen haben inzwischen erkannt, wie wichtig Netzwerke sind – gerade in Zeiten, in denen sich berufliche Strukturen zunehmend auflösen und Karriere auch für Männer kein Selbstläufer mehr ist.

Die Branche kann sich glücklich schätzen, dass so viele überaus kompetente und engagierte Frauen sich entscheiden, mit Büchern und in Berufen rund um Publikationen zu arbeiten und Karriere zu machen. Allerdings müssen wir alle aufpassen, denn die Tendenz der zunehmenden Prekarisierung in stark feminisierten Branchen ist auch in der Buchbranche nicht mehr von der Hand zu weisen und muss dringend aufgehalten werden, damit die Potenziale des Nachwuchses und ihre Liebe zu den Buchberufen sich auch in der Buchbranche entfalten können.

Außerdem ist das Phänomen der Kinderlosigkeit bei den in der Branche arbeitenden Frauen und Männern eine Aufforderung an uns alle, weiter über die Arbeits- und Karrierebedingungen und über Aspekte wie die Vereinbarkeit von Familie und Karriere nachzudenken. Gerade in einer Branche, die unter einem so starken Veränderungsdruck steht wie die Buchbranche, sind motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unerlässlich. Die BücherFrauen wollen gerne dazu beitragen, dass sie der Branche nicht irgendwann enttäuscht den Rücken kehren.

 

Das Netzwerk BücherFrauen gibt es in Deutschland seit 1990, gegründet wurde es nach dem nach dem Vorbild der englischen Women in Publishing (WiP) und zählt heute rund 900 Mitglieder. In der kommenden Woche treffen sie sich in München zu ihrer Jahrestagung – zum Thema „Lebenslang lernen – den Wandel gestalten!“

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1 Kommentar/e

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  • w.huettermann

    w.huettermann

    Betr, Frau in der Bücherwelt, Dass die Frauen in unserer Bücherwelt ihren Mann stehen - daran haben wir uns gern gewöhnt, obwohl es gar nicht stimmt; denn es gibt sicher mehr Kolleginnen als Kollegen.
    Dass man aber "man" mit "frau" verweiblicht, ist denn doch zu komisch. Welche Deutsch-Koryphäen bescheren uns eigentlich immer wieder neue Verhohnepipelungen unserer Sprache? Der Wegfall von Deklinationen und Konjunktionen reicht wohl nicht, damit die ff. Ausländer unsere Sprache leichter verstehen?

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