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"Bastel Deine/n SuperverlegerIn!"

Faire Honorare für Autorinnen und Autoren, dafür bräuchte es ein Wunder – oder einen Superverleger. Eine Fundraising-Aktion der Leipziger UV-Lesung sammelt Bares – und regt auf pfiffige Weise zum Nachdenken über Produktionsbedingungen im Kulturbetrieb an. VON NK

"UV – Die Lesung der unabhängigen Verlage", bei der im Rahmen der Leipziger Buchmesse im Lindenfels-Westflügel knapp 20 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auftreten, genießt seit fünf Jahren Kultstatus.

Die Unterstützung durch das Amt für Wirtschaftsförderung und die Buchmesse waren Tropfen auf den berühmten heißen Stein; wie viele Aktivitäten in der freien Kulturszene, wurde die Marathon-Lesung bislang hauptsächlich vom Prinzip Selbstausbeutung getragen. Schon 2013 stand die Veranstaltung auf der Kippe, erst eine Crowdfunding-Kampagne auf VisionBakery hat sie in letzter Sekunde möglich gemacht. Die Empfehlung "Dann erhöhen Sie doch einfach die Preise..." ging letzthin zusammen mit einem abschlägig beschiedenen Fördermittelantrag ein. Verleger, wie ihn sich einschlägige Kultur-Förderinstitutionen vorstellen, müssen wohl erst noch gebastelt werden.

Damit es am Ende nicht die Autoren sind, die ihr letztes Hemd hergeben müssen, haben die Organisatoren der UV-Lesung, die seit letztem März als Verein organisiert sind, das Heft des Handelns nun selbst in die Hand genommen - mit ihrer eben gestarteten Fundraising-Aktion "Bastel Deine/n SuperverlegerIn". Bis zum 7. Februar gibt es die branchenweit gesuchte eierlegende Wollmilchsau nun im Bastelsatz: Als Postkartenset mit zuwählbaren Asseccoires wie Brille, Bart oder "letztem Hemd" − und als lebensgroße Papp-Figur, in der "Special-Edition" auf Wunsch sogar mit weißer Weste. Ebenfalls erhältlich: Rote Stricksocken und strapazierfähige Stoffbeutel ("zum Abtransport unabhängiger Bücherbeute").

"Wir haben es nicht satt, kulturellen Mehrwert zu schaffen", erklären die Organisatoren der Lesung auf ihrer Website. "Wir haben es nur satt, diesen Mehrwert schweigend und im Verborgenen zu basteln, statt über Produktionsbedingungen zu sprechen."

OK, basteln wir uns also unseren Superverleger, unsere Superverlegerin. Mit der Brille von Daniel Beskos, mit Bart und Haaren von Jörg Sundermeier und den roten Socken Klaus Wagenbachs. Hat die Kampagne Erfolg, müssen zumindest die Autorinnen und Autoren der kommenden UV-Lesung nicht honorarfrei auftreten. Am Ende wären sie es, die den Preis für Unabhängigkeit zahlen. Das Kardinalproblem wird auf lange Sicht auch der tollste Superverleger nicht lösen: Die chronische Unterfinanzierung der Kultur.

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2 Kommentar/e

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  • Rolf Netzer

    Rolf Netzer

    Da schreibe ich ein Buch und biete es einem Verlag an.
    Die Folge: Mein Manuskript wird als hervorragend eingestuft und sei für den Druck bestens geeignet.
    Aber: Ich soll als Kostenbeteiligung über 12.000,00 EUR zahlen! Das kann ja wohl nicht wahr sein!
    Wie haben es andere Autoren geschafft, veröffentlicht zu werden. Haben die auch solche Riesensummen bezahlt?
    Wenn das so ist - so meine Schlussfolgerung - , dann kann doch nur jemand ein Buch veröffentlichen, der einigermaßen reich ist.
    Mein Manuskript wird also weiter in der Schublade vor sich hin schimmeln.

  • Thomas

    Thomas

    Lieber Herr Netzer, informieren Sie sich doch erst einmal über den Unterschied zwischen Verlagen und Druckkostenzuschussverlagen und bieten Sie dann Ihr Werk einem "richtigen" Verlag an. Wenn der es dann auch als hervorragend einstuft, dann reden wir weiter. "Verlage" die 12000 € "Zuschuss" verlangen, finden alle Manuskripte "hervorragend", da können Sie auch 3 Rollen Klopapier oder einen Einkaufszettel einreichen - die Kosten für den Druck zahlen Sie ja schlußendlich komplett selbst.

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