Droege reduziert auf 75 Flächen, 70 Filialen werden verkauft

Weltbild plus / minus

Die Droege-Gruppe hat für 70 unrentable Weltbild plus-Filialen einen Käufer gefunden, nennt bislang aber keinen Namen. „Erst möchten wir die Mitarbeiter informieren“, sagt eine Sprecherin. Weltbild plus soll zunächst in kleinerem Umfang auf 75 Flächen weitermachen, bekommt zugleich Geld für neue Investitionen: Die Kette werde wieder wachsen, verspricht das Unternehmen – um bis zu zehn Filialen pro Jahr.

Der Plan erinnert an alte Zeiten, ist aber noch nicht perfekt: Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gremien und des Gesamtbetriebsrates von Weltbild Plus.

Was die Droege-Gruppe mit Weltbild plus vorhat:

  • Das Unternehmen wird verkleinert. Statt 150 Filialen, wie ursprünglich geplant, bleiben nur noch etwa 75 erhalten.
  • Rund 70 Filialen, genauer wird Weltbild bei den Zahlen im Moment nicht, gibt das Unternehmen ab. „Käufer der Filialen ist eine mittelständische Buchhandelskette aus Ahaus“, heißt es nebulös in einer Pressemitteilung. Rückfragen dazu werden nicht beantwortet . „Erst möchten wir die Mitarbeiter informieren.“ Eine erste Recherche erbrachte nur soviel: In dem Städtchen Ahaus an der niederländischen Grenze existieren zwar eine ganze Reihe Buchhandlungen  (auch: eine Weltbild plus-Filiale), aber keine mittelständische Buchhandelskette…
  • Weltbild selbst sah sich offenbar zum Verkauf gezwungen – „aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten“. Nach der Blitzdiät will das Unternehmen wieder einen neuen Anlauf wagen, intern wird umstrukturiert, modernisiert, investiert. In Weltbild plus-Worten: „Mit dieser Konzentration legt Weltbild den Schwerpunkt im laufenden Geschäftsjahr auf die Stärkung und konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Buchhandelsfilialen.“
  • Eine Expansion ist da bereits eingepreist: Ab dem kommenden Geschäftsjahr, also ab etwa Mitte 2015, plant das Unternehmen Neueröffnungen , „an interessanten Standorten“ - etwa zehn pro Jahr.
  • Die Mitarbeiter, die vom Verkauf betroffen sind (Schätzungen zufolge etwa 600), werden mit übernommen - im Rahmen eines Betriebsübergangs unter Fortführung ihrer bestehenden Arbeitsverträge (nach 613a BGB). Informiert werden sollen sie heute.
  • Laut Unternehmen waren die Mitarbeitervertreter von Weltbild plus in die Verkaufspläne eingeweiht. Die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat von Weltbild Plus seien sehr konstruktiv gewesen, heißt es - und "mündeten in einem für alle Parteien tragfähigen Interessenausgleich." 
  • Umbau in den 75 Bestandsfilialen: Nach dem Willen der neuen Eigentümer sollen die Alleinstellungsmerkmale von Weltbild plus in den Filialen betont werden - etwa die Weltbild-Sonderausgaben und die eigenen Non-Media Sortimente. Sie rücken auf den Flächen in den nächsten Monaten stärker in den Mittelpunkt; zusätzlich arbeitet das Unternehmen an seiner  Form der Warenpräsentation. Das Ziel: Kunden ein neues Kauferlebnis zu ermöglichen.

Patrick Hofmann: "Eine solide Grundlage"

Weltbild-Geschäftsführer Patrick Hofmann ist sich sicher, mit dem Verkauf nun den Königsweg für Weltbild plus gefunden zu haben. „Mit diesem Schritt stellen wir eine Säule unseres Geschäfts – das Filialnetz - für die Zukunft neu auf“, wird er in der Pressemitteilung zitiert. Damit lege Weltbild „eine solide Grundlage für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung“. Und beweise, wie wichtig die stationäre Säule nach wie vor für das Multichannel-Modell Weltbild plus sei. „Wir sind künftig an guten Standorten vertreten und stehen damit betriebswirtschaftlich auf einem guten Fundament.“

Auf das Geschäft der anderen Weltbild-Töchter, insbesondere  der Auslandsgesellschaften von Weltbild plus in Österreich und der Schweiz sollen die Korrekturen am deutschen Filialnetz keine Auswirkungen haben.

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22 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Arnim Beine

    Arnim Beine

    just gegoogelt: "Ulrike Tenhündfeld und Frank Schaten (Anm.: aus Ahaus) betreiben einen Buch- und Schreibwarenhandel nach den modernsten
    Maßstäben. ... Und der Erfolg gibt den beiden Geschäftsführern Recht – das Duo hat inzwischen sechs weitere Filialen in NRW und Niedersachsen eröffnet."

  • Frank Schaten

    Frank Schaten

    Ich muss echt lachen drüber, heute.

  • Norbert

    Norbert

    ".... Weltbild-Geschäftsführer Patrick Hofmann ist sich sicher, mit dem Verkauf nun den Königsweg für Weltbild plus gefunden zu haben...."

    Na dann....

  • Ch. Kretschmer

    Ch. Kretschmer

    Tippe auf Taus (Josef Taus, Libro) Ahaus und Taus und außerdem ist Fasching !

  • verkaufter weltbildmitarbeiter

    verkaufter weltbildmitarbeiter

    naja, mal schauen was da kommt... Gähn... Hoffentlich nicht der selbe Einheitsbrei wie überall...

  • Noch ein weiterkaufter Mitarbeiter

    Noch ein weiterkaufter Mitarbeiter

    Wir werden dann in Zukunft "Lesensart" heißen. Eine Kette aus Ahaus mit dem Namen kann ich aber auch nicht finden. Es gibt in Dresden und Berlin Buchhandlungen namens "Lesensart". Naja, mit der Geographie ist es in meinem ehemaligen Unternehmen nicht weit her ..... wie mit vielem anderen auch nicht.

  • Hanno Mag

    Hanno Mag

    Doch, Lesenart ist laut Handelsregister am 26. Januar von Emsdetten nach Ahaus umgezogen. Nicht unbedingt die Dresdner Buchhandlung, aber die Berliner Läden jedenfalls gehören demselben Rüdiger Wenk. Über die Geschäftsführerin des Ladens Landsberger Allee 277, Anja Winkelhaus, gibt's auch eine Querverbindung zu einem Axa-Vertreter in Ahaus namens Winkelhaus-Elsing. Ergibt zusammengenommen also durchaus Sinn, das mit Lesenart.

  • Weltbildler

    Weltbildler

    Jepp, ich schätze, wir haben das Rätsel gelöst. Der Käufer ist Rüdiger Wenk. Warum Weltbild aber da solch ein Rätselraten veranstaltet *kopfschüttel*.

    Was übrigens auch noch gar nicht so richtig berichtet wurde, ist folgender Sachverhalt. Bei den 75 Filialen, die weiterhin unter der Flagge "Weltbild" segeln sollen, sind auch noch viele Schließungsfilialen dabei. D.h. konkret, es werden sogar noch weniger als 75 Weltbild Filialen übrig bleiben.

  • Sonja

    Sonja

    Ich gehöre zwar zu den Standorten, die vorerst bei Weltbild verbleiben sollen, weiß aber nicht, ob ich mich darüber freuen soll. Bin sehr gespannt, was die neue Woche wieder an Schreckensmeldungen bringen wird. Meine Nerven liegen blank.
    Warum wird nicht mal deutlich kommuniziert, wie die Zukunft für uns langjährige MA ausschauen wird. Mein Gefühl sagt mir, dass noch eine ganze Reihe an WB Plus Filialen in den nächsten Monaten dicht gemacht werden.

  • Frank Schaten

    Frank Schaten

    Hier findet eine große Verarsche statt. Sorry, aber ein Unternehmen, welches vor 10 Tagen einen Firmensitz im Ahauser Industriegebiet gründet, wird der Öffentlichkeit und den Weltbild-Mitarbeitern als mittelständische Buchhandelskette aus Ahaus verkauft. Scheinbar werden Firmen auf diese Art und Weise abgewickelt. Armes Weltbild.

  • Ehemalige

    Ehemalige

    WB-Laden in Leonberg ist seit Donnerstag Geschichte, tja, alles hat seine Zeit :-(

  • WandelHandel

    WandelHandel

    Von Seiten Droege alles im Plan: Der Insolvenzkauf diente vor allem dem Logistikzentrum. Dort sitzt nun Tochter ALSO, Europas Nr. 2 für ITK Gedönsel. Billiger kommt man kaum an eine vollständig neue Lagerinfrastruktur. ALSO ist 5 x größer als es Weltbild je war. Die Läden sind da ein notwendiges Übernahmeübel. Aber ja nun auch weitgehend entsorgt. Und die restlichen werden in Telefon- und PC-Läden, mit Bücherecke und Tolino natürlich, umgewandelt. Also auf einfache Weise eine Ladenkette an den Rosinenstandorten erworben. Als Buchhandlung wurden die ja schon längst nicht mehr erkannt. Wie gesagt: alles im Plan.

  • Robin

    Robin

    Wenn es dieser Rüdiger Wenk ist, dann kann er ja jetzt schon mal vorsorglich den Insolvenzantrag für die mit stolzen 25.000 Euro ausgestattete GmbH beantragen, denn er wird sozusagen über Nacht überschuldet sein.

  • Verkaufte Mitarbeiterin Anne

    Verkaufte Mitarbeiterin Anne

    Ich schließe mich Frank Schaten an. Ich halte den "Verkauf" für ein abgekartetes Spiel. In spätestens einem Jahr sind wir dann alle Geschichte.
    Und nur mal so nebenbei: wenn man lesensart.de im Browser eingibt gelangt man zur Shopseite von Weltbild. Wie hängt das zusammen?

  • Realist

    Realist

    Dass "LesensART" innerhalb dieses Jahres Pleite macht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Katastrophal für die verkauften Mitarbeiter: Es ist kein Geld da, um einen Sozialplan zu bezahlen.

  • Bernd

    Bernd

    Sehe ich auch so. Darum nennt Patrick Hofmann den Verkauf auch "Königsweg". Weltbild spart die teuren Abfindungen… Ein Trauerspiel!

  • Kinn & See

    Kinn & See

    Das ist vermutlich ein übliches Verfahren, um sich den ganzen Ärger mit den Mitarbeitern zu sparen. Offensichtlich gibt es da mittlerweile gute Erfahrungen und einen eingeübten Workflow im Wechselspiel von Entlassungen und Propaganda.

    So machte das beispielsweise Henkel mit dem Waschmittelwerk Genthin.

    http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/waschmittelwerk-g enthin-transfergesellschaft100_zc-a2551f81_zs-ae30 b3e4.html

  • Optmist

    Optmist

    Hätte man sich den Mitarbeitern entledigen wollen müsste man nicht zu solchen Wegen greifen sondern hätte gleich in die Anschlussinsolvenz gehen können. Der Imageschaden durch einen Verkauf an einen unseriösen Strohmannwäre wohl für die Inhaber von Weltbild Droege und Geiwitz weitaus rufschädigender als der Gang zum Amtsgericht... Dementsprechend doch nicht gleich den Teufel an die Wand malen sondern dem ganzen mal eine Chance geben. Kleine, individuelle Sortimentsbuchhandlungen sind doch allemal weitaus zukunftsfähiger als eine Kette...

  • Bernward

    Bernward

    Schreibt Euch nicht die Finger wund. In ein paar Monaten sind wir ohnehin alle arbeitslos und das ohne Perspektive, im Buchhandel eine neue Stelle zu finden.
    Ich habe bereits ca. 100 Bewerbungen geschrieben. Entweder kam eine Absage oder gar keine Resonanz. Der stationäre Buchhandel ist kein Konzept für die Zukunft. Leider! Ich würde auch für weniger Geld motiviert arbeiten, aber man gibt mir keine Chance. Mit Ende vierzig ist man ohne Hochschulabschluß nirgends mehr vermittelbar (trotz bester Arbeitszeugnisse).
    Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

  • Robin

    Robin

    das Geheimnis wird sicherlich bald gelüftet werden. Wenn da nicht jemand mit richtig Geld im Hintergrund agiert, wird das nichts werden...allein die Mietbürgschaften für die Objekte, welche ja vom neuen Eigentümer gestellt werden müssen, dürften sich mal locker auf 1 - 1,5 Mio belaufen, dann ist ja bald der 1. des nächsten Monats. In Summe dürften sich Mieten und Gehälter auch nochmals auf 0,6 - 0,8 Mio belaufen, ganz zu schweigen, dass auch Ware eingekauft werden müsste von Verlagen, die ein extremes Risiko eingehen, denn die GmbH haftet ja nur mit ihrem Stammkapital in Höhe von 25.000,- Euro.

  • gitte

    gitte

    Da will man sich doch am liebsten ne Pulle aufmachen und die Tore gleich runterfahren, also ich zumindest.
    Natürlich war das alles genau so geplant und geht seinen Gang Richtung Abgrund.
    Klopft Euch auf die Schultern GF, es läuft alles nach Plan, das habt Ihr toll gemacht!!
    Aber alles Schlimme hat auch sein Gutes: nie wieder 10teilige Inventuranweisungen!! nie wieder: bestellt bei ZL, weil wir habens eh nicht am Lager. wie lange es Hugendubel wohl noch gibt?

  • Hanno Mag

    Hanno Mag

    Jetzt stellt sich heraus, daß Herr Wenk an seiner neuen, im Handelsregister eingetragenen Adresse nichtmal Räumlichkeiten oder einen Mietvertrag besitzt (siehe Link oben). Die vermeintlich zusammenhanglose Duplizität der "GUO Strategisches Management"s in Berlin und in Ahaus lässt das Ganze nur noch mysteriöser erscheinen.

    Würd' mich nicht wundern, wenn "Verkauf" und Übernahme noch vorzeitig platzen.

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