Rüdiger Wenk bekommt Zuschlag

67 Weltbild-Filialen verkauft

Rückwirkend zum 1. Februar hat Weltbild 67 Filialen an die Buchhandlung Lesensart Rüdiger Wenk in Ahaus verkauft. Weltbild-Sprecherin Eva Großkinsky bestätigte heute die Unterzeichnung des Kaufvertrags, nachdem der Gesamtbetriebsrat des Weltbild plus-Medienvertriebs am vergangenen Donnerstag nach einem Treffen mit Wenk einen Interessensausgleich abgeschlossen hat.

"Die rund 400 Mitarbeiter, die von dem Verkauf betroffen sind, werden vom neuen Eigentümer im Rahmen eines Betriebsübergangs unter Fortführung ihrer bestehenden Arbeitsverträge nach § 613a BGB übernommen", teilt Eva Großkinsky soeben mit.

"Unter anderem wurde sichergestellt, dass die Gesamtbetriebsvereinbarungen auf den Erwerber mit übergehen, die Betriebsratsmandate erhalten bleiben und die Modalitäten für Neuwahlen festgelegt sind, so dass es hier zu keinen Grauzonen kommt und die Arbeitnehmer sofort wieder durch einen neu konstituierten Gesamtbetriebsrat vertreten sind", sagt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Weltbild Plus Medienvertriebs GmbH, Julia Käding, über den Interessenausgleich. Sie sieht den Verkauf zwar als "harten Einschnitt", betrachtet ihn aber auch "als Chance für die defizitären Filialen". Nach Rücksprache mit einigen nun ehemaligen Kolleginnen "beginnen diese nun auch schon aktiv mit den Planungen für den Sortimentsaufbau und erhalten diesbezüglich auch viel Eigenverantwortlichkeit", so Käding gegenüber boersenblatt.net.

Andererseits sei es fraglich, so der Augsburger ver.di-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann, "wie viele Mitarbeiter jetzt tatsächlich dem Übergang in das neue Unternehmen Lesensart zustimmen". Seine pessimistische Einschätzung: "Viele haben offenbar die aus unserer Sicht berechtigte Angst, dass es sich bei dem Verkauf um eine kalte Abwicklung der Filialen handelt."

In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" hat auch Rüdiger Wenk den Kauf bestätigt und angekündigt, jede Filiale neu aufzubauen.

Bei Weltbild selbst verbleiben nur noch 85 Läden: 68 Weltbild-Filialen und 17 Jokers-Filialen. "Wir investieren in das bestehende Filialnetz und planen einen weiteren Ausbau", sagt Weltbild Geschäftsführer Patrick Hofmann. So sollen jährlich rund zehn neue Filialen "an interessanten Standorten" eröffnen. Eine zentrale Stoßrichtung in der Neuaufstellung soll die Verzahnung von Online-, Filialen- und Katalog-Kanälen zu einer Multichanel-Anstoßkette sein. Ziel sei, die bestehenden Kunden in  ihrem unterschiedlichen Kaufverhalten zu erhalten und neue zu gewinnen. "Unsere Kunden wollen nicht nur im Internet kaufen, sondern schätzen nach wie vor die Beratung und das Einkaufserlebnis in unseren Buchhandlungen vor Ort."

Für das Einkauferlebnis will Hofmann in den kommenden Monaten besonders das Segment Home & Living stärken, das das Buch- und Medienangebot ergänzen soll. Die eigenen Buchsonderausgaben, digitales Lesen und der Tolino sollen in den Filialen stärker in den Fokus rücken. Sämtliche Maßnahmen sollen in enger Abstimmung mit den Filialen umgesetzt werden, die "die Markt- und Kundenbedürfnisse vor Ort am besten einschätzen".

Die Standorte der 68 verbleibenden Weltbild-Filialen sind:

Leipzig (Höfe am Brühl)
Jena (Burgaupark)
Weimar (Atrium)
Halberstadt (Rathauspassage)
Riesa
Nordhausen (Echte Nordhäuser Marktpassage)
Zwickau (Arcaden)
Erfurt (Thüringer Park)
Wernigerode
Suhl (Shopping Center)
Plauen
Hoyerswerda (Lausitz Center)
Mühlhausen
Riesa

Neumünster
Wismar
Stendal
Schwerin
Neubrandenburg (Marktplatz Center)
Dresden (Altmarkt-Galerie)
Berlin (Das Schloss)
Berlin (Märkische Zeile)
Berlin (Spree Center)

Schleswig
Leer
Osnabrück
Braunschweig (Schloss Arkaden)
Ahaus
Euskirchen
Warendorf
Ratingen
Unna
Peine
Höxter
Wunstorf
Menden
Olpe

Fulda
Forchheim
Lüneburg
Detmold
Nürnberg (Mercado)
Fürth
Nördlingen
Deggendorf
Erding
Fürstenfeldbruck
Landsberg
Augsburg (City Galerie)
Mühldorf
Landau
Lindau (Lindau Park)
Garmisch-Partenkirchen
Weilheim
Weißenburg
Aschaffenburg

Bad Kreuznach
Bensheim
Schwetzingen
Winnenden
Ludwigsburg
Karlsruhe
Baden-Baden
Kehl
Göppingen
Stuttgart
Sindelfingen (Breunigerland)
Singen
Freiburg

 

Die Standorte der 17 verbleibenden Jokers-Filialen sind:

Hamburg, Grindelallee
Hamburg-Altona, Bahrenfelder Straße
Oldenburg
Lüneburg
Düsseldorf
Köln
Gießen
Frankfurt, Neue Kräme
Mainz, Seppel-Glückert-Passage
Heidelberg
Freiburg
Nürnberg
München
Berlin, Teltower Damm
Berlin, Schönhauser Allee
Potsdam
Leipzig

 

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17 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Hans

    Hans

    Jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum die Domain lesensart.de schon seit 2010 der Verlagsgruppe Weltbild gehört...

  • im Glück

    im Glück

    ... oder warum Herr Wenk 3 Tage nach dem Kauf von Weltbild durch Herrn Dröge eine Buchhandlung in Berlin kauft, wo er doch eigentlich im Hauptberuf eine Firma zur Insolvenzverwirklichung betreibt.

  • Horst

    Horst

    @ Hans

    Was wäre denn, wenn Sie das wüßten?
    Was würde das ändern? Die Causa Weltbild ist doch abgehandelt.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    @ 3. Horst:

    Abgehandelt ist hier gar nix. Es liegt doch auf der Hand und ist von geradezu schockierender Offensichtlichkeit, dass da mit der Unternehmenssubstanz von Weltbild gezockt wird, das sich die Balken biegen.

    Solange da auch nur ein einziger kümmerlicher Arbeitsplatz dranhängt, haben alle anständigen Menschen in der Branche und auch der Börsenverein die verdammte Pflicht, den Fall Weltbild bis zum allerletzten Moment genauestens zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.

    Schließlich geht es hier um eine Kette, die einstmals für die Branche zu den Aushängeschildern gehörte und deren Scheitern oder Fortbestand einiges aussagt über den Stand der Dinge. Und auch darüber, wie leicht es für Hasardeure innerhalb und außerhalb der Branche künftig sein wird, die Identität des Buchhandels Stück für Stück in harte Devisen umzumünzen ...

    ... deshalb: Zähne zeigen und Solidarität mit dem Weltbild-Personal beweisen, das ist das Gebot des Augenblicks!

  • Insider

    Insider

    @ Hans

    Leider muss ich der Verschwörungstheorie Einhalt bieten: schon vor Jahren wurden von der Verlagsgruppe verschieden Domains aufgekauft, die nur ansatzweise mit dem Wort "lesen" in Verbindung stehen... Die kann man dann teuer weiterverkaufen... Schöne neue Welt des Kapitalismus. Ich hoffe Herr Wenk wird sich nicht darin verlieren...

  • Horst

    Horst

    @ Branchenkenner

    ".... dass da mit der Unternehmenssubstanz von Weltbild gezockt wird..."

    - na, ob es da noch viel zu zocken gibt weiß ich nicht....

    ".... den Fall Weltbild bis zum allerletzten Moment genauestens zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen...."

    - dadurch wird m.E. kein einziger Arbeitsplatz gerettet werden können.

    ".... geht es hier um eine Kette, die einstmals für die Branche zu den Aushängeschildern gehörte..."

    - wie Sie schon schreiben: gehörte... also Präteritum.

  • Holyghost

    Holyghost

    @ Insider: Das ist wohl richtig - aber Fakt scheint doch zu sein, dass Herr Wenk diese Domain nicht hatte und jetzt plötzlich ohne große Kenntnisse der Branche eine ganze Kette von Buchhandlungen betreiben will. Hmmm ... wenn der mal nicht pleite geht ;-)

  • Insider

    Insider

    Hallo Holyghost, da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht: aber, Weltbild ist ja nun auch bekanntermaßen pleite, also wüsste ich nicht, wo der Vor- oder Nachteil beim Verbleib sein würde? Ob man beim Erwerber pleite ist oder beim ursprünglichen Arbeitgeber macht langfristig gesehen auf dem Konto keinen Unterschied. Und über große Branchenkenntnis verfügt die Weltbild ja nun mal nicht, ansonsten wäre man ja nicht insolvent gegangen!

  • Holyghost

    Holyghost

    Könnte mir vorstellen, dass die Betroffenen lieber eine betriebsbedingte Kündigung von Weltbild bekommen hätten als mit Lesensart insolvent zu werden. Vermutlich hätte es dann zumindest etwas mehr Schmerzensgeld gegeben. Aber ansonsten: Klar, pleite ist pleite und bleibt pleite.

    Die Branchenkenntnis bei Weltbild sollte schon größer sein, zumindest konnte man langjährige Erfahrungen sammeln, wie es letztendlich NICHT geht.

  • Hans im Glück

    Hans im Glück

    @Insider
    Der Unterschied ist, dass der erste Erwerber für seine ALSO ein Logistikzentrum geschenkt bekam, der zweiter Erwerber nix in der Tasche hat. Schade für die 400 Mitarbeiter, die er weitergereicht bekam zur baldigen Abwicklung.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Ich bin leider (oder gottlob) kein Insider, deshalb kann ich nur Fragen stellen, die sich mir aufdrängen. Z.B.:

    1. Was ist das für eine Unternehmensstrategie, zu sagen "Unsere Kunden wollen nicht nur im Internet kaufen, sondern schätzen nach wie vor die Beratung und das Einkaufserlebnis in unseren Buchhandlungen vor Ort.", wenn man gerade zig Filialen geschlossen und 70 weitere abgestoßen hat?? Und warum schließt man massenhaft Läden und gibt es als Strategie aus, jährlich 10 neue zu eröffnen? Allein eine solche Zahl klingt eher willkürlich als seriös. Und wenn man meint, die neuen Läden würden besserfunktionieren als die alten, dann stellt sich umso mehr Frage Nr.

    2. Was will ein Branchenfremder mit 70 Läden, die offensichtlich nicht laufen?? "In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" hat auch Rüdiger Wenk [...] angekündigt, jede Filiale neu aufzubauen." 70 unrentable Läden neu aufbauen - da scheint Herr Wenk ja einiges Kleingeld mitzubringen für ein verdammt teures Hobby! Das führt zu Frage

    3. Was ist in einen Betriebsrat gefahren, der einem solchen "Verkauf" zustimmt?

    Die Antworten wird man nicht bekommen, aber die nächsten Monate werden sie vermutlich geben.

  • @ Dieter

    @ Dieter

    Der Verkauf unterliegt keiner Mitbestimmung durch irgendwen. Man verhandelt halt vorher Interessensausgleich/Sozialplan.. Das war´s. Die Vorstellung dass der Arbeitgeber beim BR anruft und um Erlaubnis bittet gefällt mir aber, dann könnte man ja einfach nein sagen...

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Trotzdem ist die Frage, warum die Geschäftsführung sich mit dem Segen des BR schmücken darf, so liest sich das nämlich.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    @ 6. Horst:

    Ernüchternde Autopsie meiner Ausführungen mit zugegebenermaßen wahrhaftigen Feststellungen.

    Aber nur mit Pragmatismus gewinnt unsere Branche schon längst keinen Blumenpott mehr.

    Ich zumindest kann nicht einfach so zum Tagesgeschäft übergehen, sondern verfolge das Branchengeschehen und somit auch die Causa Weltbild, wie Sie es nennen, mit viel Herzblut. Und genau diese Emotionalität und kollegiale Verbundenheit brauchen wir als Branche meiner Meinung nach auch zwingend, um die künftige Herausforderungen des veränderten Wettbewerbs meistern zu können.
    Das ist meine feste Überzeugung, so pathetisch das auch klingen mag.

  • Holyghost

    Holyghost

    Der BR hat ja (zwangsläufig) zugestimmt, von daher darf man das wohl auch so behaupten. Die Frage muss lautet: Was wäre die Alternative gewesen? Stimmst Du nicht zu machen wir die Läden zu = 400 Stellen weg. Alternative: Stimm zu, der Käufer übernimmt die Mitarbeiter und was dann passiert .... dafür muss dann auch der Weltbild-BR nicht mehr geradestehen. Was würde jeder von uns da als BR machen? Gleich Schuld sein oder eine (theoretische) Chance nutzen? Wirklich zu melden hat ein BR da leider nichts, wie schon ein Vorredner schrieb.

  • Skeptiker

    Skeptiker

    Zitat aus der Süddeutschen: "Das Konzept für die Ex-Weltbild-Shops klingt abenteuerlich und erinnert an eine Anwerbeveranstaltung für schnelle Gründer mit Mut zum Risiko. Aber: Der Weltbild-Gesamtbetriebsrat habe bei einem Treffen in Kassel sogar applaudiert, berichtet Wenk. Der Gesamtbetriebsrat hat dem Verkauf zugestimmt, für eine Stellungnahme war er aber nicht erreichbar."

    Der GBR von Weltbildplus scheint sehr blauäugig und unbedarft zu sein. Die Öffentlichkeitsarbeit findet kaum bis gar nicht statt. Bei aller, sicherlich auch teilweise berechtigen Kritik an Ver.di, merkt man hier sehr deutlich, dass das politische Bewusstsein bei den Weltbildplus GBR Leuten doch recht bescheiden ausgeprägt ist, im Gegensatz zum sich sehr kritisch äußernden Augsburger BR.

  • Gutes Gedächtnis

    Gutes Gedächtnis

    @Skeptiker

    Oh, da stimmt aber was an Ihrer Theorie nicht: schauen Sie mal auf die Seite des ver.di Infoblogs ins Archiv und folgen der Naivität dort, als Droege als großer Retter gefeiert wurde. Im Übrigen alles andere als solidarisch, Betriebsräte des Konzerns gegenseitig auszuspielen...
    Die kämpfen alle um jeden Arbeitsplatz , egal ob BR oder GBR. Zu Hause auf dem Sofa sitzend darüber zu urteilen ist anmaßend.

    http://weltbild-verdi.blogspot.de/2014/08/endlich- weltbild-ubernahme-ist-perfekt.html

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