App lesio geht live

Buch-Tinder mit Schönheitsfehler

4. März 2020
von Börsenblatt Online
Schon vor zwei Jahren stellten die Macher um lesio ihr „Tinder für Bücher” auf der Leipziger Buchmesse vor. Die Idee: zufällige Leseproben aufs Smartphone bringen. Aber den Weg in die App-Stores schafften die Macher am Ende nicht. Bis jetzt. Doch der Start verläuft holprig.

„Wir wollten die App nach unseren Vorstellungen weiterentwickeln. Einfach weil wir gesehen haben, dass in der Buchbranche viel Luft nach oben ist” blickt lesio-Gründer Michael Damm zurück auf die Präsentation vor zwei Jahren zurück. „Es gab Unmengen spannender Gespräche. Final konnten wir uns jedoch nie durchringen, lesio zu teilen“, sagt Damm und beschreibt den steinigen Weg in die App-Stores, auf dem sein Team auch mit Gegenwind aus der Branche zu kämpfen gehabt habe.

„Vertreter aus der Buchbranche hatten uns früh klarmachen wollen, dass unsere App nicht funktionieren würde. Die Menschen gingen nicht nach dem Inhalt. Nicht umsonst würden Verlage so viel Geld in die Gestaltung der Buchcover investieren. Unsere App funktioniert und wir glauben weiter, dass Leser eher die Geschichte kaufen als das Cover. Falls wir doch falsch liegen: Im neuen lesio haben Nutzer nun die Wahl. Denn wir haben einen komfortablen Weg gefunden, Bücher über deren Cover zu entdecken und von dort bequem in die Leseprobe zu springen”, beschreibt App-Entwickler Ken Kosmowski eine neue Funktion.

Der Plan sah eigentlich vor, auf der Leipziger Buchmesse 2020 ein völlig neues lesio mit zahlreichen ungesehenen Features zu präsentieren. Das ist mit dem Ausfall der Messe obsolet, lesio wurde ohne Messetaufe veröffentlicht.

Das kann lesio
Die neue App bietet Nutzer*innen neue Wege, Bücher zu entdecken, spielerisch können sie sich durch tausende von Buchcovern bewegen, sich visualisierte Zitate oder ganz trocken Informationen (Metadaten) zum Buch anzeigen lassen. „Der Weg zur Leseprobe ist so kurz wie bei keiner anderen digitalen Lösung“, werben die lesio-Macher. Beim Test fällt auf: Statt durch die Cover zu swipen müssen Nutzer mit dem Daumen unten links aufs Display tippen – besonders komfortabel ist das leider nicht.

Libri raus, Amazon rein
Es habe für die Macher auch kein Weg daran vorbeigeführt, die Zusammenarbeit mit dem Buchgroßhändler Libri zu beenden, heißt es in einem Pressestatement. Um die Sortimentbreite von 17.000 auf über 47.000 Titel drastisch zu erhöhen und um weiter kostenlos versenden zu können, habe man sich entschieden „von lesio direkt in bestehende Online-Shops zu verlinken. Zum Start wird das Amazon sein. Weitere Shop-Anbindungen folgen“, kündigt das lesio-Team an.