Bildergalerie: Longlist-Lesung

15 Autoren berichten aus der Schreibwerkstatt

Großer Longlist-Abend in Hamburg: Zum zweiten Mal hatte der Deutsche Buchpreis auf Einladung des Literaturhauses einen großen Auftritt in Hamburg: 15 mit ihren Romanen für die Longlist 2018 nominierte Autorinnen und Autoren betraten nacheinander das Scheinwerferlicht in der Akademie der Künste, stellten sich den Fragen der Moderatoren Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz und lasen aus ihren Büchern.

Großer Longlist-Abend in Hamburg: Zum zweiten Mal hatte der Deutsche Buchpreis auf Einladung des Literaturhauses einen großen Auftritt in Hamburg: 15 mit ihren Romanen für die Longlist 2018 nominierte Autorinnen und Autoren betraten nacheinander das Scheinwerferlicht in der Akademie der Künste, stellten sich den Fragen der Moderatoren Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz und lasen aus ihren Büchern.

© Daniel Müller

Die Karten für die 400 Plätze waren schon Wochen vor der Veranstaltung ausverkauft.

Die Karten für die 400 Plätze waren schon Wochen vor der Veranstaltung ausverkauft.

© Daniel Müller

„Wenn Sie diesen Familienroman lesen, werden Sie merken, er ist anders. Er ist nicht so kuschelig.“, meinte Literaturhausleiter und Moderator Rainer Moritz. Viele nominierte Romane weisen autobiografische Züge auf, was in den Gesprächen immer wieder aufgegriffen wird. Die Familie der Autorin musste bezüglich ihres Romans bearbeitet werden: „Meine Cousinen mussten meine Großmutter überzeugen, damit sie unterschreibt, dass sie mich am Ende nicht verklagt. Zu ihrem Geburtstag wurde ich zwar nicht eingeladen, dafür aber meine Mutter. Die ist sonst nie eingeladen.“

Franziska Hauser mit »Die Gewitterschwimmerin«

„Wenn Sie diesen Familienroman lesen, werden Sie merken, er ist anders. Er ist nicht so kuschelig.“, meinte Literaturhausleiter und Moderator Rainer Moritz. Viele nominierte Romane weisen autobiografische Züge auf, was in den Gesprächen immer wieder aufgegriffen wird. Die Familie der Autorin musste bezüglich ihres Romans bearbeitet werden: „Meine Cousinen mussten meine Großmutter überzeugen, damit sie unterschreibt, dass sie mich am Ende nicht verklagt. Zu ihrem Geburtstag wurde ich zwar nicht eingeladen, dafür aber meine Mutter. Die ist sonst nie eingeladen.“

© Daniel Müller

Auch in Susanne Fritz' Roman geht es um die Familie, es ist eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zur Mutter. Eine intensive Erfahrung machte die Autorin bei ihrer Archivrecherche für ihr Buch bei dem Fingerabdruck ihrer Mutter auf dem Haftbefehl: „Darauf war ich nicht vorbereitet: Blau auf Weiß die Körperspur meiner Mutter zu finden.“ Das Publikum lauschte gespannt und betroffen ihrer Schilderung.

Susanne Fritz mit »Wie kommt der Krieg ins Kind«

Auch in Susanne Fritz' Roman geht es um die Familie, es ist eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zur Mutter. Eine intensive Erfahrung machte die Autorin bei ihrer Archivrecherche für ihr Buch bei dem Fingerabdruck ihrer Mutter auf dem Haftbefehl: „Darauf war ich nicht vorbereitet: Blau auf Weiß die Körperspur meiner Mutter zu finden.“ Das Publikum lauschte gespannt und betroffen ihrer Schilderung.

© Daniel Müller

Muschg war 2011 für seinen Vortrag in Tokio gebucht und reiste mit seiner Frau, einer Japanerin, dorthin. Dann geschah die Atomkatastrophe in Fukushima, das Paar entschloss sich zur Rückkehr: „Keine glorreiche Flucht“. Muschg spricht eindringlich: „Unsere Zivilisation hat eine Grenze überschritten, als sie die Atomenergie entfesselt hat.“

Adolf Muschg mit »Heimkehr nach Fukushima«

Muschg war 2011 für seinen Vortrag in Tokio gebucht und reiste mit seiner Frau, einer Japanerin, dorthin. Dann geschah die Atomkatastrophe in Fukushima, das Paar entschloss sich zur Rückkehr: „Keine glorreiche Flucht“. Muschg spricht eindringlich: „Unsere Zivilisation hat eine Grenze überschritten, als sie die Atomenergie entfesselt hat.“

© Daniel Müller

Moderatorin Annemarie Stoltenberg betonte die Form des Romans, die „rhythmisierte Prosa“: warum die Versform? Banciu erläutert: „Ich habe als Prosaautorin angefangen, aber mein Wunsch war es, jeden Satz ganz klar herauszustellen. Meine Hoffnung ist es, dass der Leser nichts überliest oder überblättert, denn so muss jeder Satz gelesen werden. Daraus entstand eine Reduktion und damit ein eigener Rhythmus“.

Carmen-Francesca Banciu mit »Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!«

Moderatorin Annemarie Stoltenberg betonte die Form des Romans, die „rhythmisierte Prosa“: warum die Versform? Banciu erläutert: „Ich habe als Prosaautorin angefangen, aber mein Wunsch war es, jeden Satz ganz klar herauszustellen. Meine Hoffnung ist es, dass der Leser nichts überliest oder überblättert, denn so muss jeder Satz gelesen werden. Daraus entstand eine Reduktion und damit ein eigener Rhythmus“.

© Daniel Müller

Auch hier: Eine Auseinandersetzung mit der Familie in diesem Buch über den Vater, einem hohes Parteimitglied. Er steht stellvertretend für eine Generation, die das 20. Jahrhundert geprägt hat. Banciu changiert zwischen Prosalesung, Gedichtrezitation, Gesang und Rufen – ein sehr eindringliches Hörerlebnis.

Auch hier: Eine Auseinandersetzung mit der Familie in diesem Buch über den Vater, einem hohes Parteimitglied. Er steht stellvertretend für eine Generation, die das 20. Jahrhundert geprägt hat. Banciu changiert zwischen Prosalesung, Gedichtrezitation, Gesang und Rufen – ein sehr eindringliches Hörerlebnis.

© Daniel Müller

„Der Roman hat autobiografische Züge, aber nicht nur, sonst wäre es ja zu langweilig.“ Humorvoll und lebhaft erläutert sie die Skurrilitäten und Absurditäten in ihrem Roman: „Ich lache nicht, aber ich lächle beim Schreiben.“ - trotz des ernsten Themas: Argentinien im Jahr 1974. „Man kennt schon viel über die Zeit der Militärjunta, aber nicht so sehr die Zeit davor.“

María Cecilia Barbetta mit »Nachtleuchten«

„Der Roman hat autobiografische Züge, aber nicht nur, sonst wäre es ja zu langweilig.“ Humorvoll und lebhaft erläutert sie die Skurrilitäten und Absurditäten in ihrem Roman: „Ich lache nicht, aber ich lächle beim Schreiben.“ - trotz des ernsten Themas: Argentinien im Jahr 1974. „Man kennt schon viel über die Zeit der Militärjunta, aber nicht so sehr die Zeit davor.“

© Daniel Müller

Auch Gert Loschütz stellte sich die Frage: Wie spürt man seiner eigenen Familiengeschichte nach? Was lässt man drin, was nicht? Wie geht man damit um? „Ich habe keinen Plan. Es soll, es muss so aussehen, als sei es die Geschichte der Eltern. Aber die Abläufe waren dann doch ein wenig anders.“

Gert Loschütz mit »Ein schönes Paar«

Auch Gert Loschütz stellte sich die Frage: Wie spürt man seiner eigenen Familiengeschichte nach? Was lässt man drin, was nicht? Wie geht man damit um? „Ich habe keinen Plan. Es soll, es muss so aussehen, als sei es die Geschichte der Eltern. Aber die Abläufe waren dann doch ein wenig anders.“

© Daniel Müller

Gianna Molinari schreibt über eine Nachtwächterin in einer abzuwickelnden Fabrik. Sie sagt über die Wahl der Fabrik als Handlungsort: „Ich war interessiert an einem Raum, der dem Untergang geweiht ist. Wie wird ein toter Raum zum Leben erweckt?“

Gianna Molinari mit »Hier ist noch alles möglich«

Gianna Molinari schreibt über eine Nachtwächterin in einer abzuwickelnden Fabrik. Sie sagt über die Wahl der Fabrik als Handlungsort: „Ich war interessiert an einem Raum, der dem Untergang geweiht ist. Wie wird ein toter Raum zum Leben erweckt?“

© Daniel Müller

Das stimmt was wirklich nicht: Als Annemarie Stoltenberg den ersten Satz der kulinarischen Dystopie zitiert - „Mit den Erdbeeren stimmte etwas nicht‘“ – korrigiert Nickel prompt: „Mit den Himbeeren!“. Großes Gelächter bei den Moderatoren und im Publikum.

Eckhart Nickel mit »Hysteria«

Das stimmt was wirklich nicht: Als Annemarie Stoltenberg den ersten Satz der kulinarischen Dystopie zitiert - „Mit den Erdbeeren stimmte etwas nicht‘“ – korrigiert Nickel prompt: „Mit den Himbeeren!“. Großes Gelächter bei den Moderatoren und im Publikum.

© Daniel Müller

So blieb das Publikum trotz des Veranstaltungsformats mit Überlänge bei bester Laune.

So blieb das Publikum trotz des Veranstaltungsformats mit Überlänge bei bester Laune.

© Daniel Müller

Dann wurde es langsam Zeit für eine Pause.

Dann wurde es langsam Zeit für eine Pause.

© Daniel Müller

Etliche Besucher nutzten die Pause, zum die Autoren anzusprechen und um eine Signatur zu bitten ...

Etliche Besucher nutzten die Pause, zum die Autoren anzusprechen und um eine Signatur zu bitten ...

© Daniel Müller

... eine Bitte, der gerne entsprechen wurde.

... eine Bitte, der gerne entsprechen wurde.

© Daniel Müller

Zum Büchertisch der Buchhandlung Samtleben sagte Rainer Moritz: „Wenn Sie sich alle 15 Romane hier kaufen und signieren lassen, haben Sie eine 15prozentige Chance, dass sie den Preisträger-Roman in Ihrem Bücherregal stehen haben.“ … Wer rechnet nach?

Zum Büchertisch der Buchhandlung Samtleben sagte Rainer Moritz: „Wenn Sie sich alle 15 Romane hier kaufen und signieren lassen, haben Sie eine 15prozentige Chance, dass sie den Preisträger-Roman in Ihrem Bücherregal stehen haben.“ … Wer rechnet nach?

© Daniel Müller

Alle  Bücher der Longlist, auch die der nicht anwesenden Autoren, wurden angeboten.

Alle Bücher der Longlist, auch die der nicht anwesenden Autoren, wurden angeboten.

© Daniel Müller

© Daniel Müller

Wie bei Molinari wird in Viraghs Roman ein Raum geschaffen: ein Flugzeug. „Die Reise ist ein altes Motiv, transponiert in ein modernes Verkehrsmittel.“ Der Titel zitiert die Märchen aus 1001 Nacht.

Christina Viragh mit »Eine dieser Nächte«

Wie bei Molinari wird in Viraghs Roman ein Raum geschaffen: ein Flugzeug. „Die Reise ist ein altes Motiv, transponiert in ein modernes Verkehrsmittel.“ Der Titel zitiert die Märchen aus 1001 Nacht.

© Daniel Müller

In dem Roman geht es um junge Programmierer. Die Kapitel stellen Fragmente dar, die auch in anderer Reihenfolge gelesen werden, deshalb fragte Annemarie Stoltenberg nach: „Glauben Sie, dass alle Leser Ihre Geschichte verstanden haben? Senkel meinte entspannt: „Ich habe keinen Grund, anderes anzunehmen.“

Matthias Senkel mit »Dunkle Zahlen«

In dem Roman geht es um junge Programmierer. Die Kapitel stellen Fragmente dar, die auch in anderer Reihenfolge gelesen werden, deshalb fragte Annemarie Stoltenberg nach: „Glauben Sie, dass alle Leser Ihre Geschichte verstanden haben? Senkel meinte entspannt: „Ich habe keinen Grund, anderes anzunehmen.“

© Daniel Müller

Roman ist aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt, „weil es die Sache natürlich interessanter macht“. Es geht um die Frage:  „Was kann Gewalt mit Menschen machen? Sie tun Dinge, von denen sie nie gedacht haben, dass sie zu ihnen fähig sind.“

Susanne Röckel mit »Der Vogelgott«

Roman ist aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt, „weil es die Sache natürlich interessanter macht“. Es geht um die Frage: „Was kann Gewalt mit Menschen machen? Sie tun Dinge, von denen sie nie gedacht haben, dass sie zu ihnen fähig sind.“

© Daniel Müller

Stoltenberg erläutert die Struktur des Romans: „Der Roman hat mehrere doppelte Böden“ Oberhollenzer antwortet ernst, aber sympathisch, mit einer Tendenz zur Wortkargheit, und meint zu den Fußnoten in seinem Roman: „Ich lese sie, wann ich sie lesen will. Die Leser können sie lesen, wann sie wollen oder gar nicht.“

Josef Oberhollenzer mit »Sültzrather«

Stoltenberg erläutert die Struktur des Romans: „Der Roman hat mehrere doppelte Böden“ Oberhollenzer antwortet ernst, aber sympathisch, mit einer Tendenz zur Wortkargheit, und meint zu den Fußnoten in seinem Roman: „Ich lese sie, wann ich sie lesen will. Die Leser können sie lesen, wann sie wollen oder gar nicht.“

© Daniel Müller

Warum Teneriffa, Frau Mahlke? „Weil ich den berühmten biografischen Bezug habe“: Mahlkes Mutter kommt von Teneriffa. Mahlke findet Teneriffa historisch interessant, da es Ende des 19. Jahrhunderts dort ein Machtvakuum gab. Spanien hatte lange kein Interesse an der Insel. Durch seine Lage war Teneriffa, das selbst eine Kolonie war, später Brückenkopf für südamerikanische und nordwestafrikanische Kolonie.

Inger-Maria Mahlke mit »Archipel«

Warum Teneriffa, Frau Mahlke? „Weil ich den berühmten biografischen Bezug habe“: Mahlkes Mutter kommt von Teneriffa. Mahlke findet Teneriffa historisch interessant, da es Ende des 19. Jahrhunderts dort ein Machtvakuum gab. Spanien hatte lange kein Interesse an der Insel. Durch seine Lage war Teneriffa, das selbst eine Kolonie war, später Brückenkopf für südamerikanische und nordwestafrikanische Kolonie.

© Daniel Müller

Arno Geiger war 2005 der erste Buchpreisträger. „Was hat der Deutsche Buchpreis gemacht mit Ihrem Schriftstellerleben?“ wollte Rainer Moritz wissen. Geiger blickt zurück: „Das war die große Befreiung, das ist es noch heute.“ Er habe sich damals an einem Wendepunkt gefunden, hatte an seinem Schreiben gezweifelt. „Lob hat etwas Magisches, das verändert etwas mit dem Schreiben. In einen Raum hineinschreiben und es kommt nichts zurück, das ist nicht gut. Ich kann es jedem empfehlen, den Buchpreis zu gewinnen!“

Arno Geiger mit »Unter der Drachenwand«

Arno Geiger war 2005 der erste Buchpreisträger. „Was hat der Deutsche Buchpreis gemacht mit Ihrem Schriftstellerleben?“ wollte Rainer Moritz wissen. Geiger blickt zurück: „Das war die große Befreiung, das ist es noch heute.“ Er habe sich damals an einem Wendepunkt gefunden, hatte an seinem Schreiben gezweifelt. „Lob hat etwas Magisches, das verändert etwas mit dem Schreiben. In einen Raum hineinschreiben und es kommt nichts zurück, das ist nicht gut. Ich kann es jedem empfehlen, den Buchpreis zu gewinnen!“

© Daniel Müller

Annemarie Stoltenberg  fragt, wie Hegemann die Aufmerksamkeit durch den Plagiatsvorwurf bei ihrem ersten Roman vor acht Jahren empfunden habe. „Die Aufmerksamkeit an sich ist ja kein großes Problem, aber das Nichtverstanden-Werden.“ Ihr neuer Roman ist ein wieder in Berlin spielndes Soziodrama.

Helene Hegemann mit »Bungalow«

Annemarie Stoltenberg fragt, wie Hegemann die Aufmerksamkeit durch den Plagiatsvorwurf bei ihrem ersten Roman vor acht Jahren empfunden habe. „Die Aufmerksamkeit an sich ist ja kein großes Problem, aber das Nichtverstanden-Werden.“ Ihr neuer Roman ist ein wieder in Berlin spielndes Soziodrama.

© Daniel Müller

Applaus für einen vielseitigen Abend.

Applaus für einen vielseitigen Abend.

© Daniel Müller

Bildergalerien