15 Jahre Akademie für Kindermedien

Attraktive Stoffbörse und preisgekrönte Projekte

Im Rahmen des Deutschen Kinder-Medien-Festivals "Goldener Spatz: Kino-TV-Online", das in der vergangenen Woche in Gera und Erfurt stattfand, feierte die Akademie für Kindermedien ihr 15-jähriges Bestehen und überzeugte mit innovativen Inhalten. VON NICOLA BARDOLA

In der Akademie für Kindermedien wird transmedial gedacht: Im Mittelpunkt stehen Inhalte, die nicht nur in Buchform verwirklicht werden, sondern auch die Basis für Filme oder Games bilden. "Auf das crossmediale Potential von qualitativ hochwertigen Stoffen wird hier viel Wert gelegt. Trotzdem freut sich jeder von uns Kreativen, wenn seine Geschichte rasch einen Verlag findet", sagt Fee Krämer stellvertretend für viele andere in Erfurt anwesende Autoren. Krämers erstes Buch "Jette erst recht!" wird im September bei Sauerländer erscheinen. Krämer gehört zu einem Kreis von Akademie-Alumni, die im Akademie-Jahrgang 2012/13 ihre Projekte vorstellten. "Wir sind jetzt mit unseren Bücher-Debuts hier. Das ist ein gutes Gefühl, macht den Neulingen im neuen Jahrgang Mut und wäre ohne die Akademie undenkbar", sagt Krämer, deren Jahrgangskollegen ebenfalls zahlreich mit Erstlingswerken vertreten sind, u.a. Sylvie Liebsch ("Das fantastische Reisebüro", Planet Girl), Anna Lott ("Luzies verrückte Welt", dtv) oder Jens Baumeister ("Jonas' großes Comic Chaos", Baumhaus).

Die Entscheider sind da
Jens Baumeister und Fee Krämer hatten sich mit ihren Ideen für den Bereich "Kinderbuch" bei der Akademie beworben, Sylvie Liebsch und Anna Lott hingegen für den Bereich "Animationsserie". "Auch wenn ich jetzt schon mein erstes Buch in Händen halte, engagiere mich natürlich weiterhin dafür, dass der Stoff noch für den Bildschirm bearbeitet wird", sagt Lott. Und auch für Baumeister stehen die Chancen einer Animation gut. Dafür setzen sich u.a. die Programmleiter Paula Peretti und Bodo Horn-Rumold (Baumhaus und Boje) ein. "Hier sind so viele Entscheider von ARD, ZDF, RTL und natürlich speziell auch von KiKA und von Landesanstalten und weiteren Sendern da. In dieser tollen Atmosphäre haben auch viele Produzenten den Kopf frei, um sich mit guten Inhalten zu beschäftigen", sagt Horn-Rumold. Gemeinsam mit seiner Kollegin Peretti vergibt er seit 2013 den mit 2.500 Euro dotierten Baumhaus/Boje-Medienpreis, der 2013 an Jens Baumeister und 2014 an Franziska Biermann ging.

Konkrete Pläne zur Umsetzung
Die dritte Kategorie, für die sich die Autoren bewerben können, ist der Bereich "Spielfilm", der in diesem Jahr besonders buchaffin war. Von den vier Finalisten überzeugte Kathrin Rohmann-Wrede mit ihrem Spielfilmprojekt "Omas Garten blüht in mir", worin die Geschichte von Leila aus Syrien erzählt wird, die mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist. Die Landwirtin und Agraringenieurin hat bereits zahlreiche Beiträge unter dem Pseudonym Kathi Rohmann u.a. für die  Zeitschrift Gecko, das Betthupferl (Bayerischer Rundfunk) oder Die Zeit verfasst. Seit 2012 wird sie von Alexandra Legath (Literaturagentur Weniger) betreut, die mit Ulrike Düwert (Filmlizenzen bei Oetinger) auf dem Festival schon konkret über eine Umsetzung des aktuellen Stoffes nachgedacht hat. "Hier geht vieles sehr schnell. Und es besteht kein Zweifel, dass die jetzt preisgekrönte Geschichte bald als Buch veröffentlicht wird", freut sich Legath.

Aufrichtiges Feedback
"Die Akademie ist die beste Kreativschmiede in Deutschland für junge Leute, die Inhalte für Kinder entwickeln", sagt der langjährige Akademie-Mentor Mario Giordano. "Wenn ich Kreative suche, dann schaue ich zuerst immer in den großen Akademie-Pool. Die Leute hier sind sehr talentiert, lernen viel und können jeweils mit besonderen Fähigkeiten aufwarten", so Giordano. Zu diesem Pool gehört jetzt auch Martin Riemann, der diesjährige Gewinner des mit 15.000 Euro dotierten Förderpreises der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) für das Projekt "Doktor Huhn", worin das Blesshuhn Elke und der Wombat Hubertus ein exzentrisches Rettungsteam bilden. Charlotte Larat, Mentorin für die Gruppe Kinderbuch, setzt in ihrem Workshop die Prioritäten auf die Entwicklung überzeugender Hauptfiguren. "Daraus ergeben sich dann Fragen nach der Schreibhaltung, dem Stil und den Zielgruppen. Viele Autoren entdecken erst hier, welche Erzählweise ihnen besonders liegt und für den Stoff adäquat ist. Oft vernachlässigen Autoren auch die Frage nach der Vermarktbarkeit. In unseren Seminaren bekommen sie aufrichtiges Feedback", so Larat. 

Brasilianisch-deutsche Koproduktion
Über zwanzig Gastdozenten gaben begleitend zum Kernprogramm der Akademie vielfältige Impulse: Autor Finn-Ole Heinrich gab Einblicke in seine Arbeitsweise, die Juristin beim Börsenverein für den Deutschen Buchhandel Susanne Barwick hielt einen speziell auf Autoren zugeschnittenen Fachvortrag zu digitalen Nebenrechten und Autor Reza Memari berichtete von seiner Geschichte "Richard der Storch", der eigentlich ein Spatz ist, aber vielleicht doch ein wahrer Storch: Mit seiner abenteuerlichen Reise nach Afrika zeigt er seiner Ziehfamilie, wer und was in ihm steckt. Dieses 3D-Animationsprojekt wurde in der Akademie bereits 2009/10 entwickelt und kommt im Herbst 2016 in die Kinos. "Ohne die Akademie gäbe es 'Richard' nicht. Es dauert halt lang, bis so ein großes Projekt durchfinanziert ist", sagt Memari. Rund drei Millionen Euro Fördergelder kommen aus Deutschland, rund sechs Millionen von Kooperationspartnern aus dem Ausland, auch aus dem außereuropäischen. Über Buchrechte wird noch verhandelt. Es sollen gleich mehrere begleitende Buchformate werden. "Ich stehe als Autor gerne zur Verfügung. Es wäre toll, wenn ich nach dem Drehbuch auch die Geschichten schreiben könnte", sagt Memari. Die Akademie hat viele erfolgreiche Alumni vorzuweisen, unter ihnen auch Torsten Gauger, dessen Filmprojekt "Gringo" als brasilianisch-deutsche Koproduktion 2016 realisiert und auch als Kinderbuch für Aufsehen sorgen wird. "Der Verlag steht noch nicht fest, aber spätestens bei Drehbeginn müsste es so weit sein."

Plot in wenigen Sätzen
Die Stoffbörse Meet & Read fand im Rahmen des Festivals bereits zum sechsten Mal statt. Trotzdem sind es insgesamt noch wenige Vertreter von Kinderbuchverlagen, die die Gelegenheit nutzen, Neuerscheinungen und attraktive Bücher aus der Backlist den sehr zahlreich anwesenden Produzenten, Producern, Redakteuren und Förderern zu präsentieren. Beate Fichtner, Gründerin der witchworx Film- und Medienproduktion und zugleich im Kuratorium des Festivals hat selbst als Produzentin an der Stoffbörse teilgenommen. "Das war ein Speed-Dating. Ich habe vielen Interessenten eine Idee von Uwe Petzold vorgestellt. Der Arbeitstitel lautet 'Cyber Falcon 4 oder ein Adler im Kinderzimmer'. Es ist schon hilfreich, wenn sich der Plot mit wenigen Sätzen erklären lässt."

Wenn ein Meerschweinchen Kriminalkommissar wird
Uwe Petzold, Verfasser von Drehbüchern und u.a. Chefautor der KiKA-Serie "Pengo Steinzeit", hat eine Mutter von computerbegeisterten Kindern erdacht, die Biologin von Beruf ist. Zu Forschungszwecken fährt sie mit den Kindern nach Tschechien. Im Tatra-Gebirge gibt es meist kein Handy-Empfang. Um das PC-Game 'Cyber Falcon 4' weiterspielen zu können, befestigen die Kinder ein Handy an Mutters Drohne, um in der Höhe vielleicht doch noch Netzempfang zu bekommen. Doch die Drohne stürzt in ein Adlernest ab. Fortan verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen Cyber-Adler und echtem Vogel. Der Stoff ist bewusst so angelegt, dass sich mehrere Verwertungsformen anbieten: Buch, Game und Film. "Beim Meet & Reed hat Anja Kemmerzell von Chicken House besonderes Interesse gezeigt. Sie hat auch schon Barry Cunningham, den Entdecker Joanne K. Rowlings ins Spiel gebracht", freut sich Fichtner. Ihr selbst ist beim Meet & Read ein Projekt von Brigitte Endres, vertreten durch die Agentur Graf & Graf aufgefallen: "Der Tag, an dem unser Meerschweinchen Kriminalkommissar wurde". Jeannette Hammerschmidt (Loewe) bot als Filmprojekt "Quentin Qualle" an.

Das andere Ende des Erzählens
Mario Giordano leitete mit den Alumni Workshops zur Entwicklung neuer Stoffe und zur Zukunft der Akademie. Bei einem „Speedfeedbacking“ kommentierten die Autoren gegenseitig ihre Projekte. „Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist in Deutschland einmalig. Aber in der Verlagsbranche hat die Akademie ein Sichtbarkeitsproblem“, sagt Giordano. Angedacht werden deshalb Veranstaltungen der Akademie im Rahmen von „Leipzig liest“ oder die Präsenz mit einem Stand auf der Kinderbuchmesse in Bologna. „Ich habe nur durch Zufall von der Akademie erfahren“, sagt die Geschichtenerzählerin Katharina Ritter, Gewinnerin des MDM-Förderpreises im vergangenen Jahr. „Einen Spielfilmstoff zu entwickeln, tut auch meiner Arbeit als Geschichtenerzählerin gut. Anstelle der Improvisation steht die Suche nach einer bestmöglichen und zuletzt unveränderbaren Form“, sagt Ritter. „1000 x 1000 Schritte“ heißt ihr Projekt, für das sie vor kurzem zusätzlich 30.000 Euro Drehbuchförderung vom Kuratorium Junger deutscher Film erhalten hat. „Der Film ist das andere Ende des Erzählens“, so Ritter, die auf den bevorstehenden langen Finanzierungsgang gefasst ist. Aber vielleicht erscheint ja auch in diesem Fall schon davor das Kinderbuch.

Bis zum 28. August 2015 können sich Autoren bei der Akademie für Kindermedien in den Bereichen Buch, Serie und Spielfilm mit neuen Projekten bewerben. Die Akademie für Kindermedien richtet sich in der Sparte Buch an professionelle Autoren, die sich entweder zum ersten Mal mit dem Schreiben eines Kinderbuchs auseinandersetzen oder ihre bereits gemachten Erfahrungen auf diesem Gebiet intensivieren möchten. Jedes Projekt sollte für eine Zielgruppe von Kindern im Alter zwischen 6 und 11 Jahren ausgerichtet sein. Die Bewerbungsformulare befinden sich auf der Akademie-Website.

www.akademie-kindermedien.de
www.goldenerspatz.de

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