Antiquariat

Was bedeutet der starke Franken für Antiquare in der Schweiz?

Von Rekordhoch zu Rekordhoch: Die Antiquare Daniel Thierstein (Biel) und Ben Harteveld (Fribourg) antworten auf die Frage, wie sich der immer stärkere Franken auf den Antiquariatsbuchhandel in der Schweiz auswirkt.

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Daniel Thierstein (Biel) sieht die Schwäche des deutschen Marktes als das gegenüber der ungünstigen Währungsentwicklung gravierende Problem an: "Der deutsche Markt hat sich, selbst als der Euro noch bei 1,50 Franken stand, kaum entwickelt. Viele traditionelle Kunden sind weggestorben, ganze Sammelgebiete, einst von deutschen Käufern regelrecht belagert (Literatur des 20. Jahrhunderts, Exil), sind, mit wenigen Ausnahmen, für uns unverkäuflich geworden. Diese Entwicklung hat aber nichts mit der Frankstärke zu tun. Über die Veränderungen der Marktsituation wurde in letzter Zeit genug geschrieben. Ich glaube kaum, dass die Euroschwäche einen wesentlichen Einfluss auf das Kaufverhalten hat. Entweder bietet Antiquar das Material an, das gesucht wird, bringt den Service und vermittelt eben nicht nur den das Schnäppchen. So gesehen verkaufen wir nicht weniger als früher, nur eben anderes: Hochpreisiges, Exklusives, Seltenes. Das, was wir eigentlich immer zu tun wünschten."

Für das Antiquariat in der Schweiz sieht Thierstein eine besondere Rolle: "Die Antiquariate in der Schweiz haben immer schon auch die Funktion eines europäischen Warenverteilers wahrgenommen. Der Handel aus Frankreich, Italien und eben auch der deutsche Handel haben sich hier getroffen. Bücher in Deutschland in Euro zu kaufen und nach Frankreich in Euro zu verkaufen ist für uns währungsneutral, und da die meisten Schweizer Kollegen zu einem großen Prozentsatz ins Ausland verkaufen, ohne Konsequenzen. Unsere Kunden in der Schweiz können mit uns, dank tiefen Einkaufspreisen zum Beispiel auf deutschen Auktionen oder auf dem amerikanischen Markt, mitprofitieren. Der hohe Franken ist sicherlich ein Ärgernis, aber auch eine Motivation, nicht in die falsche Richtung zu schauen."

Pessimistischer stellt sich die Lage aus Sicht von Ben Harteveld (Fribourg) dar: "Wir haben einen wahren Einbruch der Bestellungen aus den Europaländern. Daher mussten wir circa 30.000 Bücher im Preis halbieren, bei vielen sogar haben wir zwei Drittel vom Preis abgeschlagen. Wir kämpfen gegen den Euro nur noch 1,15 Franken pro Euro bringt (vor einiger Zeit war es noch 1,50 Franken). Auch der Dollar macht uns Sorgen und private Bestellungen aus den USA sind selten."

Auch für Harteveld ist die Frankenstärke nicht die einzige Herausforderung, der sich der Handel – nicht nur in der Schweiz – ausgesetzt sieht: "Kommt noch dazu, dass viele Buchverkäufer auf Amazon, ZVAB oder Ebay überhaupt keine offiziellen Händler sind, sondern Private, welche ohne Geschäftsmieten, Steuerabgaben, Personalkosten usw. die Bücher verhökern können, ja sogar damit ein Zusatzeinkommen zu ihrem offiziellen Beruf haben. Eine Kontrolle gibt es da nicht! Man kann ja verkaufen wie und wo man will im Netz. Fragt man sich schlussendlich, ob man seine wertvollen schönen Bücher noch gegen wertloses Papier (wie Euro oder Dollar) eintauschen will."

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