Autoren kritisieren "Warrior Cats"-Verschenkaktion

"Piraten-Mentalität und aggressives Marketing"

Kinderbuchautoren haben sich in einem offenem Brief an die Verlagsgruppe Beltz gegen die Verschenkaktion von 50.000 "Warrior Cats"-Exemplaren an Schulklassen ausgesprochen. Kirsten Boie, Jaromir Konecny, Sabine Ludwig, Maja Nielsen, Andreas Schlüter und 64 andere Schriftsteller sehen die Aktion als "aggressive Marketingmaßnahme, um andere Verlage und Autoren aus der Schullektüre zu verdrängen".

Grundsätzlich bejahten die Autoren die Idee, in Einzelfällen Klassensätze zu verschenken, damit auch weniger bemittelte Schüler zum Lesen angeregt werden könnten, oder um beispielhaft die Anschaffung von Klassensätzen moderner Kinderliteratur anzuregen. "Doch in einem solchen Ausmaß 50.000 Bücher eines internationalen Bestsellers zum Anfüttern zu verschenken, um dann anschließend mit der gesamten Reihe die Schule endgültig als Absatzgebiet für sich zu erobern, betrachten wir nicht als Maßnahme der Leseförderung für sozial Schwache, sondern als aggressive Marketingmaßnahme, um andere Verlage und Autoren aus der Schullektüre zu verdrängen", kritisierten die Unterzeichner des Offenen Briefs.

Die Schriftsteller sehen die Gefahr, dass sich künftig Verlage einen "Hochrüstungswettbewerb in Verschenkaktionen" liefern: "Morgen 70.000 'Harry Potter' von Carlsen, übermorgen 100.000 'Gregs Tagebücher' von Lübbe? Alles zu Lasten und auf Kosten des stationären Buchhandels und der Autoren?" und wenden sich gegen ein um sich greifende Gratis-Mentalität: "An allen Ecken argumentieren wir Autoren gegen die Piraten-Mentalität, dass Bücher (zunächst nur digital) gratis sein sollten. Zudem haben wir seit langem mit massiven Angriffen auf das Urheberrecht zu kämpfen. Auch für die Buchpreisbindung setzen wir uns ein. Denn nur der VERKAUF von Büchern ist die Lebensgrundlage von uns Autoren (und vom stationären Buchhändler)." Mit der Verschenkaktion von 50.000 Büchern befördere Beltz "aber leider genau diesen Irrglauben, dass Literatur nichts kosten müsse, Verlage ohnehin die Millionen übrig und Autoren Tantiemen nicht nötig hätten und locker Bücher massenweise verschenken könnten."

Deutschlandweit erläuterten die Autoren, wie Bücher entstehen, welche Arbeit dahintersteckt, wovon Verlage, Buchhändler und Autoren leben, "und wie wichtig es deshalb ist, Bücher zu kaufen, selbst wenn es technisch die Möglichkeit gibt, sie (illegal) gratis herunterzuladen". Mit der Aktion arbeite Beltz diesen Bemühungen entgegen.

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7 Kommentar/e

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  • MarkS

    MarkS

    Wenn eine Buchreihe startet, kann das Verschenken von Band 1 durchaus sinnvoll sein. In Sachen Marketing wird in Deutschland noch viel zu zögerlich und langweilig gedacht, der Schritt von Beltz ist mutig und begrüßenswert.
    Und wer sagt denn, dass die Aktion nicht mit der Autorengruppe abgesprochen ist? Ich vermute, ihnen wird die verschenkte Auflage in irgendeiner Form vergütet.
    Verschenkte Bücher zerstören den Markt nicht, im Gegenteil: Sie machen Appetit auf mehr und führen Leser/innen an Titel heran, die sie allein vielleicht nie wahrgenommen hätten.
    Der Vergleich mit der Buch-Piraterie ist völlig unangebracht.

  • skreutzer

    skreutzer

    Wenn der Autorenvertrag so eine Verschenkaktion hergibt, dann braucht man da gar nicht mit dem Urheberrecht oder der Buchpreisbindung zu argumentieren. Andere Autoren können sich höchstens über Wettbewerbsverzerrung beschweren, doch bei der Gratismentalität infolge des Überangebots ist „gratis“ nun mal außer Konkurrenz, nimmt gar nicht erst am Wettbewerb teil. Das „Anfüttern“ (zur Erzeugung einer Abhängigkeit) ist ein valides Argument. Hier sind die Schulen in der Pflicht, sich auch Alternativen schenken zu lassen oder anzuschaffen.

  • BarbaraE.

    BarbaraE.

    Außerdem finde ich WarriorCats ziemlich gewaltbetont, also nicht gerade geeignet für Schulklassen. Da hätte etwas anderes sicher besser gepasst.

  • Peter Bramböck

    Peter Bramböck

    Was leider in dem Offenen Brief überhaupt nicht angesprochen wird, ist die doch mehr als fragwürdige Rolle der Stiftung Lesen, die keine Skrupel hat, sich für derartige Marketing-Aktionen zur Verfügung zu stellen - ebenso wie seit Jahren schon in der Zusammenarbeit mit McDonald's

  • Ralf Schweikart

    Ralf Schweikart

    Mit erscheint da die Rolle der Stiftung Lesen dabei noch zu wenig ins Licht gerückt. Im Kontext mit dieser Aktion wird da doch eher eine Stiftung Beltz draus. Ja, die Stiftung Lesen kooperiert in vielen Bereichen mit den unterschiedlichsten Verlagen, aber sich in dem kleinen Feld des Lehrerclubs dermaßen vereinnahmen zu lassen, ist doch überraschend. Zumal es nicht nur um 50.000 Exemplare geht, sondern auch noch um die dazugehörigen und gelabelten Unterrichtsmaterialien, die fadenscheinig behaupten, ganz allgemein "Lesefreude mit Fantasy-Literatur zu wecken".

  • Katzenfreund

    Katzenfreund

    Die ganze Diskussion erscheint mir ziemlich scheinheilig, und zwar von allen Seiten. NATÜRLICH verfolgt Beltz mit dieser Verschenk-Aktion den Zweck, den Verkauf der Bücher bzw. der gesamten Reihe anzukurbeln. NATÜRLICH verfolgt die Stiftung Lesen neben der Leseförderung den Zweck, mit ihren Aktionen auch etwas Geld zu verdienen. Und NATÜRLICH wollen die Autoren mit dem Verkauf ihrer Bücher Geld verdienen. Das wollen ja alle Beteiligten. Warum die Autoren in dieser speziellen Aktion allerdings einen Angriff auf Urheberrecht und Buchpreisbindung sehen, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Verlage Gratis-Leseexemplare an Buchhandlungen verschicken, gibt es seitens der Autoren doch auch keinen Aufschrei. Und diese Aktion dient genauso dem Zweck, die entsprechenden Titel zu "pushen". Ich finde, die Autoren sollten mal die "Kirche im Dorf" lassen ...

  • Feuerstern

    Feuerstern

    Also aus meiner Sicht ist es nicht schlimm wenn sie den ersten Band verschenken denn Rest werden die Kinder ja dann auch kaufen wenn es ihnen gefällt

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