Beltz und Stiftung Lesen antworten auf Autorenkritik

"Ohne solche Angebote keine zeitgemäße Leseförderung"

Die "Warrior Cats"-Aktion der Verlagsgruppe Beltz sorgt weiterhin für Aufregung: Nach dem offenen Brief der Kinderbuchautoren nehmen jetzt die Verlagsgruppe Beltz und der Projektpartner Stiftung Lesen Stellung. Die Aktion ist Beltz zufolge auch das Ergebnis einer Lehrerbefragung gewesen.

Wie berichtet, hatten sich 65 Kinderbuchautoren in einem offenem Brief an die Verlagsgruppe Beltz gegen die Verschenkaktion von 50.000 "Warrior Cats"-Exemplaren an Schulklassen ausgesprochen. Die Aktion sei eine "aggressive Marketingmaßnahme, um andere Verlage und Autoren aus der Schullektüre zu verdrängen", so ihr Schreiben.

Stellungnahme von Beltz
Die Verlagsgruppe Beltz teilte mit, sie habe im Vorfeld mit den Autorinnen der "Warrior Cats", dem Lizenzpartner, Buchhandelsvertretern und Kunden gesprochen: "Alle waren von der Aktion überzeugt." Händler seien der Meinung gewesen, dass dadurch Anreize geschaffen würden, weitere Bücher zu kaufen und das Lesen zu entdecken.

Ein Verlag lebe vom Verkaufen, und mit ihm Autoren, Illustratoren und Buchhandlungen. "Wir leben vom Aufbau starker Autoren, Reihen und Verlagsmarken. ... Verkaufsförderung ist somit auch immer eine Form der Leseförderung", so die Verlagsgruppe.  Zur Leseförderung gehöre auch der Aufbau von Schullektüren und die Begleitung von Lehrern bei ihrer Arbeit,

  • mit jährlich einem umfangreichen Verzeichnis mit Büchern für die Schule, in dem der Verlag den Lehrenden Lektüreempfehlungen abseits der herkömmlichen Pfade mache
  • mit der Übernahme des Autorenhonorars, um Lesereisen in Schulen zu finanzieren
  • mit dem Verteilen neuer Bücher an Lehrer des Premium-Clubs, mit der Bitte um ihre Rückmeldung und Einschätzung
  • mit der kostenlosen Abgabe explizit erarbeiteter Unterrichtsmaterialien zu den Büchern an Lehrer.   

Die Idee, den ersten Band der Warrior Cats-Reihe als Schullektüre anzubieten, sei unter anderem das Ergebnis einer Befragung von Lehrern gewesen: "Sie haben sich dazu Unterrichtsmaterial gewünscht, weil die Schülerinnen und Schüler die Bücher lesen und im Unterricht durchnehmen möchten." Die erarbeiteten Materialien für Fantasy-Literatur im Unterricht blieben auch nach der Aktion für  Lehrer als Inspiration zugänglich: "So öffnen wir neue Türen für andere Bücher dieses Genres. Übrigens, die Kosten der Aktion liegen im Rahmen des für die Reihe festgelegten Budgets."

Stellungnahme der Stiftung Lesen
Jörg F. Maas
, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, weist in seiner Entgegnung an die Kinderbuchautoren darauf hin, dass es sich bei der "Warrior Cats"-Aktion nicht um eine reine Buchschenk-Aktion gehandelt habe, sondern die Stiftung "eigens entwickeltes kostenloses Impulsmaterial für die Lesemotivation mit Fantasy-Literatur im Unterricht" zur Verfügung gestellt habe.

Das große Interesse an der Bestellmöglichkeit der "Warrior Cats"-Bücher zeige, dass ein hoher Bedarf an zeitgemäßer Lektüre für den Schulunterricht bestehe. "Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Anschaffung von aktuellen Titeln in Klassensatzstärke ein Problem für viele Schulen darstellt: Ohne Angebote wie das aktuelle ist oftmals keine zeitgemäße Leseförderung mit beliebten Titeln im Schulunterricht möglich", so Maas. Auch weitere Leseförder-Initiativen, die die Stiftung Lesen mit unterschiedlichen Partnern umsetzt, würden "auf dieser Realität" beruhen und die Bereitstellung kostenloser Schullektüre beinhalten. 

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5 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Ulrich Maske

    Ulrich Maske

    Die Argumente der Autorinnen und Autoren sind damit nicht widerlegt.

  • Andreas Schlüter

    Andreas Schlüter

    Allein schon das Zitat der Überschrift ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die seit Jahren und Jahrzehnten Leseförderung aktiv betreiben. Einfach nur unverschämt!

  • Frauke Scheunemann

    Frauke Scheunemann

    Genau. Es geht hier natürlich nur ganz allgemein und uneigennützig um Leseförderung. Dann werde ich meinen Verlag mal bitten, 50.000 Leseproben von Kater "Winston" an die Kollegen von Beltz zu liefern, auf dass sie diese in die Warrior Cats einlegen und sich die Kinder so einen Überblick über die Vielfalt in der "Katzenliteratur" verschaffen können. Im Sinne von "zeitgemäßer Leseförderung"...

  • Rainer M Schröder

    Rainer M Schröder

    Dieser Ausschließlichkeit-Anspruch "Ohne solche Angebote keine zeitgemäße Leseförderung" ist wirklich bestechend und vielsagend in seiner Arroganz und Unverschämtheit. Schlage vor, dass Autoren fortan zu Hause bleiben. mannomann, diese Funktionäre in ihrem Allmachtswahn!

  • Alice Gabathuler

    Alice Gabathuler

    Oha! Ich wusste gar nicht, dass ich unzeitgemäss und somit wohl etwas antiquiert und angerostet unterwegs auf Lesetour bin. Zum Glück wissen das auch die Jugendlichen nicht, bei denen ich lese. Denen scheinen meine Bücher und ich recht zeitgemäss und spannend.

    Zur Leseförderung gehören nicht zuletzt (auch wenn dieser Eindruck ab und an entsteht) auch die Autoren, die über ihren Beruf erzählen und aus ihren Geschichten vorlesen. Nun haben dann wohl unzählige Schulen Klassensätze von "Warrior Cats", aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit längst nicht alle die dazugehörigen Autorinnen an der Lesung. Wenn ich mir diese Aktion in allen Konsequenzen überlege, sollte ich vielleicht einfach dankbar sein, dass ich überhaupt Lesungen machen darf - und noch dankbarer, wenn man dann von mir nicht verlangt, über die gelesene (kostenlose) Klassenlektüre Auskunft zu geben und aus "Warrior Cats" vorzulesen (denn weshalb sollte man meine Bücher kaufen, wenn man seinen Klassensatz gratis bekommt?).

    PS: Andreas Schlüter trifft mit seinem Kommentar den Nagel punktgenau auf den Kopf.

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