Buchvorstellung: Martin Schulz präsentiert seine Biografie

Ein Buchhändler für Europa

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz stellte am vergangenen Freitag im Berliner Büro des Börsenvereins seine Biografie "Martin Schulz – vom Buchhändler zum Mann für Europa" vor. Das Buch hat die österreichische Journalistin Margaretha Kopeinig geschrieben. "Viel zu nett" sei er darin weggekommen, findet der Politiker, der früher eine Buchhandlung geführt hat.

Martin Schulz mit seiner Biografie, im Hintergrund Czernin-Verlagsleiterin Eva Steffen

Martin Schulz mit seiner Biografie, im Hintergrund Czernin-Verlagsleiterin Eva Steffen © Cordula Giese

Wohl selten erfährt eine Buchvorstellung so viel Aufmerksamkeit. Kein Stuhl blieb frei in den Altbauräumen im Berliner Büro des Börsenvereins. Knapp 50 Journalisten von allen großen Zeitungen und Online-Medien waren gekommen, Kameras von ARD, ZDF und RTL zeichneten auf, was Martin Schulz zu sagen hatte. Oder vielmehr nicht sagte. Denn um es vorweg zu nehmen: Auf die zahlreichen, mehr oder minder verklausulierten Fragen nach einer möglichen Kanzlerkandidatur für die SPD gab er erwartungsgemäß keine befriedigende Antwort.

Dafür aber überraschende Einblicke in sein Leben. Rund ein Dutzend Mal hat sich die Journalistin mit dem EU-Parlamentspräsidenten getroffen, auch mit seinen Weggefährten gesprochen. Margaretha Kopeinig beobachtet Martin Schulz seit vielen Jahren. Sie arbeitet seit Langem als EU-Ressortleiterin und Korrespondentin für die österreichische Tageszeitung Kurier. Ebenfalls im Czernin Verlag hat sie bereits eine Biografie über Jean-Claude Juncker und den früheren österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky veröffentlicht. Die frisch ernannte Verlagsleiterin Eva Steffen, die die Pressekonferenz eröffnete, ist glücklich über die langjährige Zusammenarbeit, denn "Frau Kopeinig kann Biografien".

Kopeinig musste Schulz nicht lange bitten, seine Biografie schreiben zu dürfen. Der sagte sofort zu. Ziemlich genau vor einem Jahr war sie mit dem Vorschlag an ihn herangetreten. Eva Steffen plaudert etwas aus dem Nähkästchen: Schon einmal hätten Journalisten Schulz angefragt, ohne jedoch einen Verlag im Rücken zu haben – Schulz lehnte ab. Andersherum hatte auch Margaretha Kopeinig Angebote von anderen Verlagen. Doch die seien mehr auf Skandalgeschichten aus Brüssel aus gewesen. Nicht ihr Ding: "Für mich ist Martin Schulz der Inbegriff eines überzeugten Europäers in unsicheren Zeiten".

Lesen ist für ihn bis heute ein Lebenselexier

Abgebrochene Schule, Alkoholsucht, verhinderter Profifußballer – die Vita von Martin Schulz ist alles andere als gradlinig. Durch Vermittlung seines Schuldirektors beginnt er 1975, mit 19 Jahren, eine Ausbildung zum Buchhändler. Dem Lehrling wird ein "Studium Generale" abverlangt, er muss sich durch die europäische und deutschsprachige Literatur und Literaturgeschichte lesen. Doch das Lesen ist für ihn Lebenselixier und auch heute noch Teil seines Alltags. Parallel ist er in der Lokalpolitik aktiv.

Dank der Unterstützung seines Ausbilders schließt Schulz, schon stark dem Alkohol zugetan, die Lehre ab. Den eigenen Abgrund vor Augen, schafft er es schließlich, von einem Tag auf den anderen mit dem Trinken aufzuhören. Er arbeitet fünf Jahre als Buchhändler für verschiedene Verlage und Buchhandlungen. Dann baut ein Freund ein Wohn- und Geschäftshaus in seiner Heimatstadt Würselen um. Martin Schulz mietet sich ein und eröffnet mitten im Weihnachtsgeschäft 1982 eine Buchhandlung mit vorwiegend politischer Literatur. Der Laden läuft.

Seine Kinder vermissen die Buchhandlung am meisten

1994 bereitet sich der Politiker – längst ist er Bürgermeister von Würselen – auf die Kandidatur für die Wahlen zum Europäischen Parlament vor. Er verkauft die Buchhandlung an seine Mitarbeiterin Martina Schillings, die sie heute noch führt. Das ursprüngliche Logo "MS" konnte sie praktischerweise weiterbenutzen, und auch heute noch fragen manchmal Kunden nach Herrn Schulz. Gelegentlich schaue "der Präsident", wie ihn manche in Würselen nennen, auch in seinem alten Laden vorbei, wie die Biografin weiß.

Ob er seine Buchhandlung vermisst? "Ja", sagt er ohne Zögern und fast ein bisschen wehmütig, "sehr sogar". Am meisten würden sie aber seine Kinder vermissen – denn die durften immer nach 18.30 Uhr in der Buchhandlung spielen, seien quasi dort aufgewachsen. "Sowohl mein Sohn als auch meine Tochter sagen mir, dass, wenn sie in eine Buchhandlung kommen und diesen typischen Papiergeruch wahrnehmen, es für sie ein ganz emotionaler Moment ist. Doch, das vermisse ich schon."

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1 Kommentar/e

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  • Veithen-op het Veldt, Marielouise

    Veithen-op het Veldt, Marielouise

    Hallo,
    seit 50 Jahren bin ich Mitglied der SPD. Ich habe während meines Berufslebens in unserem "Laden" die Betriebsgruppe der SPD gegründet ( war in den Medien tätig). So einem kämpferischen,mutigen mit allen guten Atributen gesegneten Politiker bin ich kaum begegnet. Ich unterstütze Martin Schulz
    aus vollem Herzen.


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