Die Konferenz #NWX18

Sinfonie für New Work

In der Elbphilharmonie machten sich einen Tag lang Personaler, Manager und Glücksminister Gedanken über die Zukunft der Arbeit. Das Xing-Event interessierte nicht nur die 1.500 Teilnehmer, sondern auch große Konzerne. MARCUS SCHUSTER

© storytile / XING

#NWX18 – keine Konferenz, die etwas auf sich hält, kommt heute ohne einen hippen, hashtagbaren Namen aus. Das Business-Netzwerk Xing setzte noch einen drauf und lud vergangene Woche zu seiner "New Work Experience" an keinen geringeren Ort als den großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie ein.

Zum zweiten Mal diskutierten Unternehmenslenker, Personalverantwortliche und Querdenker über die Transformation der Arbeitswelt. Das Thema beschäftigt Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berater sehr – bereits sechs Wochen vor Beginn war die Konferenz ausverkauft. Unter den Sponsoren finden sich namhafte Konzerne wie Daimler, SAP oder die Telekom.

Ein Blick ins Programm bestätigt, dass Xing mit der #NWX18 "den großen Bogen spannen möchte", wie Corporate Communications Manager Felix Altmann sagt. "Wo bisher Einzelkongresse für Human Resources oder andere Schwerpunkte üblich waren, versuchen wir, das Thema New Work ganzheitlich anzugehen." Heißt konkret: Neben technologischen Voraussetzungen für und Auswirkungen von New Work ging es ebenso um gesellschaftliche Fragen und schließlich um den praktischen Nutzwert der einzelnen Panels für die tägliche Arbeit.

Dass alle drei Säulen untrennbar miteinander verbunden sind, zeigte unter anderem Richard David Precht in seinem Vortrag. "Menschen mussten zu jeder Zeit blöde Arbeiten machen. Das nimmt uns die Digitalisierung zunehmend ab. Aber zwischenmenschliche Aufgaben werden nicht von Robotern ersetzt werden", ist sich Precht sicher. "Empathieberufe" seien krisensicher in Zeiten künstlicher Intelligenz. Zumindest für Frauen. Im Gegensatz zu Männern, die nur "Inselbegabungen" hätten, seien sie "universelle Problemlöser", so der Informa­tiker Jürgen ­Schmidhuber in seinem Vortrag.

Natürlich ging es auch um Arbeitszeit: 15 Stunden pro Woche – "die Zeit dafür ist reif", vi­sionierte der Historiker und Journalist Rutger Bregman, und man fragte sich, ob ihn da noch jemand unterbietet, nachdem sich einige Unternehmen bereits an der 25-Stunden-Woche versucht haben und großflächig gescheitert sind. Vielleicht liegt es nur daran, dass die meisten Menschen sich nichts Besseres vorstellen können als den Status quo, wie Bregman gern formuliert. Zum Glück gibt es dm-Gründer Götz Werner. Für den unermüdlichen Vorkämpfer für das Grundeinkommen ist die Gegenüberstellung von Freizeit und Arbeitszeit überhaupt schon grundfalsch. Aus seiner Sicht gibt es nur eine Zeit – die Lebenszeit –, und mit dieser Erkenntnis ändert sich der gesamte Blick auf das Thema Arbeit.

Womit wir beim Glücksbegriff wären: "Wenn Arbeit das halbe Leben ist, sollten wir den Job nicht vom Glück trennen", findet Gina Schöler vom "Ministerium für Glück und Wohlbefinden". Ihre Initiative ruft mit Ak­tionen, Workshops und Vorträgen dazu auf, das "Bruttonationalglück" zu steigern. Im Königreich Bhutan gibt es sogar ein eigenes "Zentrum für Brutto­nationalglück". Programmdirektor Ha Vinh Tho – sein "Grundrecht auf Glück" ist im Nymphenburger Verlag erschienen – skizzierte in Hamburg die Chancen dieser Idee anhand der inneren und äußeren Bedingungen von Glück und Wohlbefinden. ­"Arbeitszeit ist Lebenszeit – und diese kostbare Zeit sollten wir nicht verschwenden", meinte auch Mahsa Amoudadashi. Die frühere Hotelfachfrau und erste "Herzlichkeitsbeauftragte" Deutschlands ist heute eine gefragte Rednerin.

Die Zusammenstellung der Referenten und das üppige Programm – neben rund fünfzig Panels und Vorträgen gab es auch interaktive Formate wie Speed-Datings – machten die #NWX18 in der Tat einzigartig. Bis zur Konferenz im nächsten Jahr geht es mit regionalen Sessions in kleineren Städten weiter. "New Work wird Mainstream", sagt Felix Altmann. Für den "New Work Award", den Xing in Hamburg bereits zum fünften Mal vergab, bewarben sich in den Anfangsjahren eher Start-ups. Mittlerweile reichen auch große Konzerne ihre Konzepte ein. Das dürfte den Begründer des "New Work"-Begriffs freuen: Der 87-jährige Philosoph Frithjof Bergmann war selbstverständlich in der Elbphilharmonie zugegen.

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