Die Sonntagsfrage

"Wer soll Ihre gigantische Großstadtsaga lesen, Herr Klugmann?"

Am 15. September ist das erste E-Book der „Innenstadt Stories“ erschienen – zwei Jahre lang soll es ab sofort immer donnerstags ein weiteres 150.000 Zeichen umfassendes E-Book geben. Worum es in den 104 schon vorliegenden E-Books geht und wer das alles lesen soll, erklärt der Autor und Initiator Norbert Klugmann.

Als erste hat meine Lektorin den Stoff gelesen. Sie hatte keine Vorstellung vom Umfang 12 Millionen Zeichen = 2 Millionen Worte = 7000 Manuskriptseiten. Mittlerweile kann sie wieder lachen, aber ob sie ihre alte Herzlichkeit jemals erreichen wird? Alle anderen Zielgruppen sind die bekannten Verdächtigen: die, die Fernsehserien mögen, weil sie wissen wollen, wie es weitergeht; die, die dabei sein müssen, wenn eine Romansaga erscheint, die auf dem deutschen Markt nichts Vergleichbares hat; diejenigen, die einen Rhythmus von 80 Seiten alle sieben Tage schätzen – die Texte laufen ja nicht weg, sie sind auf 30 Portalen zu haben.

Die wöchentlichen Portionen sind eine Mischung aus Fortsetzung und in sich abgeschlossenen Stücken. Die INNENSTADT besteht aus zehn Romanen von jeweils ca. 400 Seiten Umfang. Es gibt die doppelte Zahl an Kurzromanen, mehrere hundert Stories sehr unterschiedlicher Umfänge und mehrere hundert Szenen aus purem Dialog.

Diese Umfänge erscheinen in dem schnellen Wechsel, wie sie der Rythmus einer Innenstadt vorgibt: kurze Blicke, versonnenes Hinterherschauen, flüchtige Eindrücke im Augenwinkel, Gesichter, Körper, Gruppen. Mehrere dutzend Hauptfiguren, mehrere hundert Nebenfiguren sowie Personen, die ein einziges Mal auftauchen.

Wer einige Minuten in der Innenstadt verweilt, begegnet ihnen: Kaufleute, Angestellte, Kunden, Besucher von Arztpraxen, Schüler, Touristen, Flanierer, Obdachlose, die Popeline-Partei, Paradiesvögel, Verrückte, Redenschwinger. Ich picke sie aus der Menge und gebe ihnen den Raum einer Szene, Begegnung, Erfahrung. Sie verlieben sich, werden bestohlen, machen Karriere, bereiten ihren Tod vor und kaufen das hundertste überflüssige Kleidungsstück.

Ich habe die INNENSTADT ab 2013 geschrieben, sieben Tage in der Woche, kein Tag Pause. Als Papierformat entstand der Umfang von ca. 25 Romanen. Alles Originaltext, exklusiv von vorne bis hinten. Mein Schreibmotiv war: nicht nach dem siebzigsten Roman mit dem einundsiebzigsten beginnen. Es wird Zeit, das noch nie Gewagte auszuprobieren. Ich weiß, dass die INNENSTADT nicht auf Papier funktioniert, weil kein Verlag den nötigen Schneid besitzt und weil Verlage quälend langatmig sind. Also E-Book. Ein, zwei halbherzige Versuche der Geldbeschaffung scheiterten durch Geiz hanseatischer Kaufleute und die Praxis alternativer Subventionierung (geh mir weg mit Crowdfunding).

Finanziert wurde die INNENSTADT letztlich durch Selbstausbeutung. Ich habe einen Job als freier Journalist, fülle die Module von Programmzeitschriften mit dem Inhalt von TV-Sendungen und finanziere mit dem Honorar eine Lektorin, eine Gestalterin und die Bilderrechte der Umschläge. Alle Mitarbeiter beschämen mich durch ihre Bescheidenheit, was nichts daran ändert, dass ich der einzige bin, der bisher nicht nur keinen Pfennig verdient, sondern draufzahlt.

Jedes wöchentliche E-Book kostet 99 Cent, jedes Schnapszahl-E-Book (11, 22, 33) ist ein Best of der vorigen zehn Bände, den Verdienst mit diesen Bänden geben wir komplett für einen guten Zweck weiter. Geld für Werbemaßnahmen ist nicht vorhanden, wir informieren die Öffentlichkeit auf den üblichen Kanälen, nutzen Bekanntschaften und erleben, wie sich die Sache herumspricht. Alle Experten warten darauf, ob wir aus den Startblöcken kommen. Wenn ja, werden es alle vorher gewusst haben. Wenn nicht, auch. Die INNENSTADT hat nichts Vergleichbares, wir sind zu groß und zu mutig.

Unsere Backlist wird jede Woche wachsen. Mittelfristig ist nicht ausgeschlossen, dass wir Handlungsstränge und beliebte Figuren zu neuen Ausgaben bündeln. Die organisatorische Vorbereitung der E-Books frisst Zeit, dennoch schreibe ich bereits weiter. Der Plan ist, eine Woche nach Band 104 mit Nr. 105 in die neue Ära einzusteigen. Es liegen heute mehr Ideen vor als zu Beginn.

1 Kommentar/e

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  • Jörg Moser-Metius

    Jörg Moser-Metius

    Lieber Norbert,
    nach Jahren der Stille bin ich zufällig auf Deine e-Book Projekt gestossen. Vom Umfang wirst Du Karl May schlagen, wahnsinnig und hervorragend. Gratulation!
    Jörg

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