Die Sonntagsfrage

"Waren Sie sehr aufgeregt, Frau Knautz?"

Der Laienchor Encantada aus Daaden im Westerwald hat den Wettbewerb gewonnen und am 1. Juli vier Stücke für das Hörbuch "Der Frauenchor von Chilbury" (Argon) aufgenommen. Und? Alles gut gegangen? Das beantwortet Chorleiterin Kristin Knautz in der Sonntagsfrage.   

Kristin Knautz, Leiterin des Frauenchors Encantada

Kristin Knautz, Leiterin des Frauenchors Encantada © privat

Als am 23. Mai um 16:40 Uhr die E-Mail mit der Nachricht ankam, dass unser Chor, das Frauenensemble Encantada, den vom Argon-Hörbuchverlag ausgeschriebenen Wettbewerb „Sing a song for chilbury“ gewonnen hat, waren wir alle überrascht und aufgeregt zugleich.

Was für eine spannende Geschichte, zumal wir als Frauenchor nicht unbedingt gewohnt sind, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Männerchöre, gemischte Kammerchöre oder Popchöre ja, aber Frauenchöre? In diesem Zusammenhang erleben wir immer wieder gewisse Ressentiments. Was ein Glück, dass die britische Autorin Jennifer Ryan, inspiriert von den Geschichten ihrer Großmutter, einen Frauenchor in den Mittelpunkt ihres Romans stellt, in dem die Protagonistinnen zur Zeit des 2. Weltkriegs durch Mut und Freundschaft ihre eigene Stimme finden.

Und nun sollten wir diesen Frauen unsere Stimmen leihen und hatten nicht einmal drei Wochen Zeit, um vier neue Stücke einzustudieren. Allein schon aufgrund dieses Umstandes war die Aufregung sehr groß, als das Aufnahmeteam vom Verlag dann in unsere Heimat kam und die katholische Kirche in ein Tonstudio verwandelte. Schuberts bekanntes „Ave Maria“ und der Gershwin-Klassiker „Summertime“ wurden a cappella aufgenommen und die zwei traditionellen englischen Kirchenlieder „Abide with me“ und „The Lord’s my shepherd“ zusammen mit Orgelbegleitung. Dabei war es den Tonmeistern wichtig, dass die Szenen im Roman gut umgesetzt werden. „Ave Maria“ zum Beispiel erklingt in der Geschichte in einer großen Kathedrale, „Summertime“ hingegen in einem Gemeindesaal – akustisch zwei völlig unterschiedliche Räume. Wir haben versucht, das umzusetzen, indem wir das eine Lied im Kirchraum gesungen haben und das andere unter der Empore mit einer niedrigen Decke.

Nach vier Stunden waren die vier Stücke für das Hörbuch im Kasten. Dabei kommt es, wie bei jeder Aufnahme auf die Kleinigkeiten an: Jedes noch so kleine Nebengeräusch muss vermieden werden, daher stört zum Beispiel schon ein zu lautes Umblättern der Noten oder ein kleines Räuspern. Ebenso mussten wir immer aufpassen, dass wir nicht in dem Moment singen, wenn ein lauter LKW an der Hauptstraße entlang fährt, an der die Kirche gelegen ist. Und dann war es immer wieder eine Herausforderung, dass die 19 Sängerinnen und ihr Organist Peter Scholl im Kopf frisch sind. Da sich aber alle gut vorbereitet hatten, wurde sich glücklicherweise kaum versungen, sodass wir unsere Konzentration auf intonatorisch sauberes Singen und lebendiges Musizieren legen konnten.

Die Hörbuchaufnahme war eine tolle Erfahrung, die uns vor allem auch dank der harmonischen Zusammenarbeit mit dem Verlag sehr viel Spaß gemacht hat. Während des Aufnahmeprozesses durfte ich bereits in einige Aufnahmen reinhören und war mit diesem Zwischenergebnis schon sehr zufrieden. Wie nachher die Kombination aus Text und Musik wirkt und für welche unserer eingesungenen Fassungen sich der Toningenieur entschieden hat, bleibt für uns eine Überraschung. Dem Frauenchor von Chilbury sind wir jedenfalls ein ganzes Stück näher gekommen und warten daher nun mehr oder weniger geduldig darauf, das fertige Produkt in der Hand zu halten und uns selbst in der Rolle des Frauenchors von Chilbury zu hören.

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