Die Sonntagsfrage

"Fuck-up – was haben Sie aus Ihrem Scheitern gelernt, Herr Jochmann?"

Mit Pixelcraftbooks wollte Jakob Jochmann das Prinzip Buch 2015 radikal auseinandernehmen. Das hat nicht geklappt. Woran er gescheitert ist und wie es jetzt mit Pixelcraft Innovation weitergeht, teilt der Kommunikations- und Digital-Profi bei der Fuck-up-Night zur Leipziger Buchmesse mit dem Publikum – und mit den Lesern der Sonntagsfrage.

Jakob Jochmann

Jakob Jochmann © privat

Mit der Gründung von Pixelcraft 2015 wollte ich vor allen Dingen Abstand vom Beratungsgeschäft gewinnen, wo ich vorher Lebensqualität gegen Geld getauscht hatte. Ich wollte meinem Bedürfnis zu Experimenten einen institutionellen Rahmen geben. Und schließlich, inspiriert von meinem Vater, der ja Kinderbuchautor ist, wollte ich Technologie für einen schöneren Standard zu digitalen Büchern entwickeln.

Woran ist das Projekt gescheitert ist? Wir hatten nie ein Geschäftsmodell. Der Sog, für die Entwicklung anderweitig Geld zu verdienen, wurde größer. Projekte mit finanziellem Anreiz beanspruchten immer mehr Zeit zu Lasten der ursprünglichen Idee. Ein Geschäftsmodell für unsere Vorstellung von digitalen Büchern zu suchen, dafür blieb wenig Raum.

Die Essenz des Buches im digitalen Raum neu zu finden, bedeutet sich von all den funktionierenden Marktgepflogenheiten und Geldströmen zu isolieren. Ich kann die Verlage als Geschäftsmann gut verstehen, die für so viel Avant-Garde keine Zeit haben. Natürlich sind digitale Bücher ein Geschäftsmodell. Sogar mehrere, die schon länger funktionieren. Das ist ja das Problem für mögliche Alternativen.
Es gibt E-Books, die wie unscharfe, digitale Faksimiles ihrer Printvorbilder den gleichen Wertschöpfungsketten von Verknappung und Distribution folgen. Mit diversen E-Pub-Formaten, PDFs und Kopierschutz für Dateien lassen sich digitale Bücher als Ware verkaufen. Datenbanken mit Fachinformationen sind ein Beispiel dafür, wie die Form der digitalen Inhalte sich weiter vom Prototyp des Buches entfernt. Zugang lässt sich monetarisieren. Um Content herum gibt es unglaublich viele Geschäftsmodelle.
Aus Pixelcraftbooks ist nun Pixelcraft Innovation geworden. Die Projekte, wo unser Know-How und das Thema Geld verdienen zusammen passen, kamen dort zustande, wo es nicht um Bücher ging. Mit Content, mit Kommunikationstechnologie und mit strategischen Konzepten Innovation zu begleiten oder für andere zu ermöglichen, das funktioniert ganz gut.

Ich wusste ja aus Erfahrung, dass ich mit spezialisierter Beratung gute Arbeit liefern und Geld verdienen kann. Es ergaben sich glückliche Umstände, das in familienfreundlicher Konstellation in einem bestehenden Rahmen zu ermöglichen: Wir erwarben 2017 eine Beteiligung an der Ideentransfer GmbH für die wir die Bereiche Innovation, Design und Strategie mit unseren Erfahrungen und Ressourcen entwickeln.
Dank unserer Neuausrichtung haben wir jetzt mehr Ressourcen für parallele Entwicklung. Es ist ein wenig schizophren, aber wir treiben die Entwicklung an unseren digitalen Büchern nun zielstrebiger voran, ohne uns selbst mit der unbedingten Kopplung von Geldverdienen an Avant-Garde-Bücher im digitalen Raum unter Druck zu setzen.

Gerade haben wir sogar einen Preis bekommen. Vom DigiVis-Wettbewerb für unsere Technologie, E-Books im WLAN aufs Handy zu streamen. Da schaue ich, ob sich doch noch Partner finden, das weiter zu verfolgen.
Ansonsten konzentriere ich mich gerade auf die Konzeption und Umsetzung von Workshops und Seminaren bei Ideentransfer. Wir wollen mit gestalterischer Zuarbeit mehr für unsere Kunden machen als nur beraten. Dafür baue ich Strukturen auf, die unsere Standards skalierbar und erschwinglich machen. Auch für die Buchbranche.
Mein Rat für Gründer? Es gibt krasse Achterbahnfahrten mit Start-Ups zu erleben. Und es gibt Lebensentwürfe jenseits der Hatz nach Wachstum. Beides hat seine Berechtigung und sein Publikum. Und manchmal geht sogar beides zusammen. Meldet euch, wenn Ihr Kaffee trinken wollt!
Die Fuck-up-Night zur Leipziger Buchmesse mit Jakob Jochmann und anderen findet am Freitag, 16. März, um 20 Uhr im Kupfersaal statt.

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