Die Sonntagsfrage

"Local First – versteht man das in Duisburg, Frau Evertz?"

Die Buchhandlung Scheuermann in Duisburg hat die Kampagne "Make your bookstore great again. Local first" ins Leben gerufen. Das Layout der Kampagne stellt sie Kollegen und anderen Interessierten zur Verfügung. Welche Reaktionen es gab und wie sich ihre Kampagne von Buy Local unterscheidet, erklärt die Buchhändlerin Elisabeth Evertz in der Sonntagsfrage.  

Bei den Verlegertagen auf Kloster Haydau im Frühjahr habe ich so viel geballtes buchhändlerisches Selbstbewusstsein erlebt, dass mich die Frage beschlich, warum diese kreative Energie in der Wahrnehmung unserer Branche nicht auftaucht? Als wir von unserer 4. Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis erfuhren, wuchs in mir die Einsicht, dass dies auch ein Auftrag ist, die Fahne der Kultur hoch zu halten und erhoben zu zeigen. Im Hinblick darauf, dass wir natürlich auch neue Kunden auf uns aufmerksam machen und gewinnen möchten, entstand die Kampagnen-Idee.

Auf der Suche nach einem herzlichen Motto, das zum Innehalten einlädt, half uns die Idee der Lebensgefährtin meines Mitarbeiters auf die Sprünge. Mit dem Zusatz "LOCAL FIRST" gelang die ironische Brechung und Rückeroberung des populistischen Sprachgebrauchs, so dass wir mit dem aufgeblätterten Herz als Logo und dem Motto "Make Your Bookstore Great Again" den Wunsch der Menschen nach Verbundenheit ansprechen. Die Umsetzung erfolgte mit dem Duisburger Graphikdesigner Michael Ulle.

"Buchhandel ist die Branche der Stunde"

Ziel der Kampagne ist zum einen, Selbstbewusstsein, Kreativität und Engagement der Branche zu transportieren und zum anderen, Gelegenheiten zu schaffen, darüber zu informieren, dass wir als Buchhandel die Branche der Stunde sind. Wir bieten alles, was der Mensch nötig braucht und wünscht: Orientierung, Bildung, Sinnhaftigkeit, Ästhetik, Entspannung und Beruhigung in unserem Zusammenleben.

Kunden beklagen, dass sie keine Zeit mehr zum Lesen in Muße haben. Das ist aus meiner Sicht, ein Henne-Ei-Problem. Denn viele entdecken in der BurnOut-Reha-Klinik die wohltuende Wirkung von konzentriertem Lesen wieder. Wir begreifen unsere Buchhandlung mit seinem breiten Sachbuch-Angebot als BurnIn-Anlaufstelle. Diesen Gedanken wüssten wir auch gerne durch ein Branchenmarketing transportiert. Wie kann es sein, dass Amazon Millionen von Menschen mit seinem Kindle-Marketing erreicht, was nichts anderes beinhaltet als Werbung fürs Lesen und wir als buchvertreibende Branche uns die Haare raufen?

Elisabeth Evertz

Elisabeth Evertz © privat

Also wir Tätigen bei Scheuermann (Alter 27−52) finden alle Lesen cool, sexy, aufregend und bereichernd – das würden wir gerne vermitteln, dazu brauchen wir interessierte Menschen, die in unseren Laden kommen. Obwohl wir Buy-Local-Mitglied der ersten Stunde sind, reichte uns diese Aussagkraft nicht mehr – vor allem, das Herzliche und Einladende vermissten wir.

"Neue, sich umschauende Kunden"

Bisher stellen wir Interesse der Medien fest und dadurch auch von neuen sich umschauenden Kunden. Nach vier Jahren an diesem Standort und im 108. Jahr unseres Bestehens kommen wieder Leute in den Laden, die nichts von unserer Existenz wussten. Allein dafür hat es sich schon gelohnt – die Diskussionen mit dem ein oder anderen Stammkunden, der zunächst über die "Trump-Assoziation" stolpert, nehmen wir dafür gerne in Kauf. Denn dass wir uns Gedanken über unsere Existenz machen und nicht tatenlos zusehen, wie alles Kulturelle schwindet, honorieren sie natürlich sehr – handeln wir damit ja in ihrem eigenen Interesse.

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3 Kommentar/e

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  • Arno Loeb

    Arno Loeb

    Also, auf den ersten Blick ganz witzige Werbung für Buchhandlungen in der Region, aber auf den zweiten ist es doch nur ein Slogan, der vom US-Trumpel stammt, der wohl nicht gerade als Symbolfigur für Literatur gilt, oder? Bitte, macht bessere Werbesprüche für Eure Buchhandlungen, Eure Kunden habens verdient ...

  • Buchhandlung am Markt, Alexandra Messerschmidt

    Buchhandlung am Markt, Alexandra Messerschmidt

    Natürlich mache auch ich mir Gedanken zu meiner Buchhandlung und wie ich sie ins Bewußtsein der Kunden bringen kann, aber muss man sich solcher Sprüche bedienen, die natürlich mit Trump in Verbindung gebracht werden. Ich möchte für meine Buchhandlung nicht das sie sich im Schatten, eines Sprücheklopfers hervortut. Ich denke das geht auch anders!

  • Wolfgang Günther

    Wolfgang Günther

    Ob das in Duisburg verstanden wird, kann ich nicht beurteilen, doch in Münster wird es. Was für eine erfrischende Aktion statt der Agonie andernorts, wo mit angststarrem Blick aufs große A der Niedergang droht.

    • ...

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