E-Books im US-Publikumsmarkt

Bei 30 Prozent ist die Flughöhe erreicht

Das rasante Wachstum von E-Books im amerikanischen Publikumsmarkt hat sich nicht weiter beschleunigt: Seit dem vierten Quartal 2012 liegt der Anteil verkaufter E-Books nach einer aktuellen Untersuchung der Book Industry Study Group (BISG) bei knapp 30 Prozent aller verkauften Bücher. Laut "Publishers Weekly" entspricht dies einem Umsatzanteil von ungefähr 14 Prozent. VON ROE

Die Studie, die im Auftrag der BISG von Nielsen Book Research durchgeführt wurde, kommt zu dem Schluss, dass der E-Book-Markt inzwischen einen gewissen Reifegrad erreicht, und dass sich das digitale Buch neben den anderen Buchformaten (Print, Audio) etabliert habe. Das E-Book sei inzwischen ein "normales Mittel für die Rezeption von Inhalten geworden und biete den Nutzern ein breites Spektrum an Leseoptionen", heißt es in einer Mitteilung der BISG.

Jo Henry, Direktor von Nielsen Book Research, sagte "Publishers Weekly", E-Books seien nun in einem späteren Stadium der Innovationskurve angekommen, in dem sich vernünftig vorhersehbare Verbrauchsmuster herausgebildet hätten. Künftiges Wachstum werde davon abhängen, wie sich die Wertschätzung von E-Books bei weniger überzeugten Verbrauchern verbessern werde.

Zu den Befunden der Studie ("Report Two of Consumer Attitudes Toward E-Book Reading, Volume 4") gehören unter anderen, dass

  • die Käufer sehr an der Bündlung gedruckter und digitaler Versionen eines Buchs interessiert sind; 48 Prozent der Befragten seien bereit, mehr für Buch-"Bundles" zu bezahlen;
  • mehr als die Hälfte der Befragten mehr für ein E-Book ausgeben würden, wenn es weitergegeben oder wiederverkauft werden könnte;
  • Buchkäufer ihre Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen, ob ein E-Book in einem traditionellen Verlag oder unabhängig publiziert wird;
  • die Zahl der Käufer steigt, die abwechselnd gedruckte und digitale Bücher kaufen, während die Zahl der Kunden, die nur E-Books kaufen, abnimmt.

 

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9 Kommentar/e

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  • franz wanner

    franz wanner

    Mag sein, mancher ist jetzt überrascht.
    Wichtiger aber, Trendprognosen zu überdenken. Denn, was heißt das nun? Ist es ein Noch-Nicht? EinDoch-Nicht? Oder kennzeichnet dieser Lagebefund etwa ein anders-als-gedacht?
    Je nach Antwort wäre die Justierung von Geschäftsmodellen ganz unterschiedlich.

  • Veit Hoffmann

    Veit Hoffmann

    Gerade unter dem Aspekt, dass 30% aller verkauften Bücher nur 14% des Gesamtumsatzes entspricht. D.h. 86% des Umsatzes im Vorreiterland des ebooks wird nach wie vor mit Printprodukten erziehlt!

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    Können wir dann nun endlich damit aufhören, vom "digitalen Wandel" zu sprechen, der sich entgegen aller "Experten"-Prognosen schon seit Jahren nicht eingestellt hat?
    Können wir endlich aufhören, auf Tagungen und Konferenzen und auch sonst mit dem Thema "Digitaler Wandel in der Buchbranche" Zeit, Geld und Energie zu verschwenden?

    Hören wir endlich damit auf, blind allen Prognosen zu vertrauen. Alles, was von "Experten" vor Jahren prognostiziert wurde, all' die vermeintlichen Umsatzverschiebungen ins Internet oder zum E-Book haben so nicht stattgefunden. Ein Blick ins Web-Archiv von vor 5 und 10 Jahren kann wahre Lachanfälle auslösen.

    Das sollten wir für die Zukunft im Hinterkopf behalten und nicht auf jeden "Experten" reinfallen. Von wegen digitaler "Wandel"...nicht einmal 5% Umsatz bei E-Books, aber Erwähnung in über 90% aller Artikel über die Buchbranche - was für ein Unfug!

    Es handelt sich allenfalls um eine "digitale Ergänzung" - bislang jedenfalls. Eine Ergänzung, die wirklich klasse und wunderbar ist - die Aufregung über und Gewichtung des Themas ist jedoch viel zu groß. Ein Hype, mehr nicht.

  • Jayden-Herbert

    Jayden-Herbert

    @Patrick Musical

    Am Anfang wurde auch über die CD gelacht und Deutschland dachte, die Schallplatte bleibt ewig. Und heute!?

  • Matthias Lätzsch

    Matthias Lätzsch

    @Patrick Musial
    Sie sprechen vielen aus dem Herzen.

    besonders zitierenswert ist Ihre Formulierung:
    " sollten wir für die Zukunft im Hinterkopf behalten und nicht auf jeden "Experten" reinfallen. Von wegen digitaler "Wandel"...nicht einmal 5% Umsatz bei E-Books, aber Erwähnung in über 90% aller Artikel über die Buchbranche - was für ein Unfug"

    Vielen Dank.

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    @Jayden-Herbert:

    Da ist meine Wahrnehmung eine andere, kann mich nicht entsinnen, dass über die CD gelacht wurde, damals in den 1980ern. Die (vermeintlichen) Vorteile lagen auf der Hand und das neue Medium wurde, soweit ich mich entsinne, sehr gut aufgenommen und verbreitete sich rasant. Ich habe noch ein paar alte Musikmagazine aus den 1980ern hier, auch da galt die CD als das kommende Medium und die Schallplatte als "von gestern".

    Momentan sind Vinylplatten das am stärksten wachsende Segement auf dem Tonträgermarkt, wenn auch bei sehr kleinem Marktanteil.

    Wie auch immer, gegen einen Wandel der Medien wäre gar nichts einzuwenden, auch wenn das für einige bedeutet, sich neu orientieren zu müssen. Solche Entwicklungen kann man eh nicht aufhalten, also muss man sich anpassen.

    Allerdings schaut unsere Branche seit Jahren nicht auf die tatsächliche Entwicklung und reale Zahlen, sondern handelt und argumentiert auf der Basis von Prognosen, Vermutungen und Befürchtungen - sei es beim Thema digitaler Wandel oder hinsichtlich der vermeintlichen "Krise im Buchhandel", die eben nicht die Mehrzahl der Buchhandlungen betrifft, sondern in erster Linie die großen Ketten, die Ramschbuden und einige wenige kleinere Buchhandlungen, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

    Das Krisen-Image" haben wir aber alle, egal wie gut unsere Zahlen sind und wie absurd dementsprechend dieses Krisen-Image ist.

  • Galbadon

    Galbadon

    Mittlerweile scheinen die Prognosen und Analysen realistischer zu werden. Abgesehen davon, dass man die E-Buch Markt der USA und Europas nicht unbedingt vergleichen kann, holt die Realität den Überschwang ein, das E-Buch wird sich als eines von mehreren Formaten etablieren. Wobei das E-Buch, wenn man den Forderungen nach geringen Preisen nachkommt, auch weniger Umsatzrelevant ist.
    Es ist etwas, was in den "Zukunftsforen" auffällt: Informatiker 80 %, Verlagsleute 10 %, Marketing 10%. Und damit ist der Blick auf den Markt wohl eher von den Blütenträumen der Technokraten bestimmt als von dem der Leser und Büchermenschen.
    Ein schönes Beispiel ist in der That die CD - die Schallplatte, die totgesagt wurde, ist heute lebendig wie nie zuvor - was Qualitiät und Angebot angeht. Kaum ein Bereich, kaum eine Produktion außerhalb der MP3 Welt, die nicht auch Vinyl anbietet. Einst Massenprodukt, ist sie heute Spitzenprodukt mit höheren Preisen und Status. Und die " Verpackungsindustrie" macht heute noch dreiviertel ihrer Umsätze mit CDs und Schallplatten, nicht mit den, als die Zukunft propagierten Downloads reduzierter Musik.
    E-Bücher werden sicher neben den gedruckten Büchern bestehen können und haben auch ihren Sinn und Nutzen, ich möchte sie nicht missen wollen. Aber der Hype ist langsam vorbei.

  • Onduliertes Haar

    Onduliertes Haar

    Amerika ist D i.d.R. immer 10 Jahre voraus. Deutschland zieht irgendwann nach. In diesem Zeitrahmen sollte man denken. Ich sehe den großen "Bruch" in Deutschland, wenn sich die jüngste Generation etabliert hat. Ich sehe das im Freundeskreis. Die Kinder heute sind mit Internet, Smartphone, Facebook, Twitter & Co. aufgewachsen und nutzen diese Medien wie selbstverständlich. Sie sind es gewohnt, am Bildschirm zu lesen, nicht im Buch. Auch in der Schule nimmt dieses immer mehr zu. Das "gegensteuern" der Eltern à la "Ich lese meinen Kindern fleißig aus Büchern vor" kann man vergessen. Für die Kids läuft heute das wirklich wichtige über Smartphone und Facebook. Also wieder eine Hinwendung zum "Monitorlesen". Und je mehr diese Generation das Ruder übernimmt, destso mehr wird elektronisches lesen etabliert. Aber wie gesagt, das wird sich in den nächsten 10-15 Jahren in D abspielen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Es ist schön, wenn diese Zahlen jetzt den einen oder anderen beruhigen können. Jeder kann nur für sich interpretieren, auf der Basis seiner Situation. Die 30% entsprechen ja auch den Schätzungen, die für den deutschen Markt immer angestellt wurden.
    Aus der Innensicht eines Verlages bin ich nicht beruhigt. Es ist ja nicht so, dass die übrigen 70% renditestark und ohne Veränderungen so weiterlaufen, wie früher. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Und ich fürchte, das wird auch beim Sortiment nicht anders sein.
    Vielleicht kann man die Perspektive drehen: seien Sie froh, dass sie bei den 30% immerhin schon eine Vorstellung davon haben, wie das Geschäft läuft, wie die Konditionen sind und was man tun kann, um darin einen Platz (oder auch keinen) zu finden. Bei den übrigen 70% wissen Sie eben heute noch nicht, ob das Geschäft weiter über das Sortiment läuft, ob die Margen und Preisniveaus vergleichbar bleiben, wie Warenbezug, Informationswesen, Kundenbeziehung eingerichtet sein werden. Das beunruhigt mich aktuell mehr.

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