Einzelhandels-Vermietungen in 1a-Lagen

Trend zu kleineren Flächen ungebrochen

Der deutsche Retail-Vermietungsmarkt in städtischen 1a-Lagen hat im ersten Quartal 2018 119.400 Quadratmeter umgesetzt − das waren 5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Mietabschlüsse stieg dagegen um 9 Prozent, so das Beratungsunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL). Damit setzt sich der Trend zur Kleinteiligkeit im Einzelhandel fort.

Insgesamt wurden im ersten Quartal 268 Mietabschlüsse getätigt, so der Einzelhandelmarktüberblick von JLL, im Vorjahresquartal waren es 245. Schon im fünften Jahr in Folge dominieren die Flächengrößen unter 100 Quadratmeter sowie die Klasse darüber bis 250 Quadratmeter. Zusammen erzielten sie im ersten Quartal 58 Prozent aller Abschlüsse. Nur jeder zehnte Abschluss hatte mehr als 1.000 Quadratmeter Fläche.

Anteil der Vermietungen nach Ladengröße (erstes Quartal; insgesamt 268 Mietabschlüsse):

  • bis 100 Quadratmeter: 29 Prozent (zum Vergleich Jahresschnitt 2017: 24 Prozent)
  • 100 bis unter 250 Quadratmeter: 29 Prozent (32 Prozent)
  • 250 bis unter 500 Quadratmeter: 18 Prozent (19 Prozent)
  • 500 bis unter 1.000 Quadratmeter: 13 Prozent (14 Prozent)
  • 1.000 bis unter 2.000 Quadratmeter: 6 Prozent (7 Prozent)
  • ab 2.000 Quadratmeter: 5 Prozent (4 Prozent)

Erholung bei den Big 10

Bei den Big 10-Städten zeigt sich jedoch eine Trendwende. Diese konnten laut JLL erstmals seit einem Jahr ihren Anteil wieder ausbauen. Mit 53.000 Quadratmetern Flächenumsatz kamen sie auf einen Anteil am Gesamtumsatz von 44 Prozent (zum Vergleich: im ersten Quartal 2017 lag der Anteil bei 18 Prozent).

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, kommentiert: "Hier pendelt sich der Markt langsam wieder ein. Nachdem die Mieten in den Spitzenlagen der Big 10 deutlich schneller gestiegen waren als die Handelsumsätze, verlagerte sich die Expansion in die B- und C-Standorte. Nun ist das Angebot auch dort zunehmend gefragt und zugleich kehrt bei den Vermietern in den Big 10 mehr Realismus bei erzielbaren Mieten ein. Entsprechend steigen auch in den Big 10 wieder die Chancen auf Neuanmietungen."

Entwicklung in den Big 10-Städten

Besonders dynamisch waren in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres die Märkte in Köln (12.500 Quadratmeter) und Leipzig (11.900 Quadratmeter) – dank Großanmietungen wie dem Kölner Concept-Store von Saturn (6.500 Quadratmeter) und der wiederaufblühenden Petersstraße in der Sachsenmetropole. Auch die meisten anderen Städte schafften einen teils deutlich besseren Start als noch vor einem Jahr – blieben langfristig gesehen aber auf niedrigem Niveau. "Berlin findet sich diesmal nur im Mittelfeld wieder. Auch in den besten Lagen der Bundeshauptstadt steht mittlerweile mehr Angebot zur Verfügung und Mieter können es sich erlauben, eine Standortentscheidung genau zu prüfen, bevor sie unterschreiben", erklärt Dirk Wichner.

Überblick: Die Big 10 im ersten Quartal 2018

Flächenumsatz in den Big 10-Städten (Quadratmeter der Neuvermietungen) im ersten Quartal (Vorjahr; Rang in der Vorjahresperiode):

  1. Köln: 12.500 (2.900; Platz 3)
  2. Leipzig: 11.900 (400; Platz 8)
  3. Berlin: 7.900 (4.200; Platz 2)
  4. Düsseldorf: 6.800 (1.600; Platz 5)
  5. Hamburg: 3.800 (8.600; Platz 1)
  6. Stuttgart: 3.300 (2.300; Platz 4)
  7. Frankfurt/Main: 2.800 (1.400; Platz 6)
  8. München: 2.300 (600; Platz 7)
  9. Nürnberg: 700 (600; Platz 7)
  10. Hannover: 600 (200; Platz 9)

Textilhandel bleibt trortz sinkendem Anteil Spitzenreiter

Der einst unangefochtene Textilhandel kommt mittlerweile nur noch auf 24 Prozent der angemieteten Gesamtfläche (Vorjahresquartal: 33 Prozent). In Spitzenzeiten waren es mehr als 40 Prozent gewesen. Dahinter folgen Gastronomie mit 21 Prozent, Gesundheit/Beauty mit 13 Prozent sowie Sport/Outdoor mit 9 Prozent. In dieser Branche zeigte sich vor allem die französische Marke Decathlon sehr expansiv.

Spitzenmieten: im Schnitt leichter Rückgang

Die Spitzenmieten in den 1a-Lagen der Big 10 verharren seit dem ersten Halbjahr 2017 auf einem gleichbleibenden Niveau und diese Tendenz wird auch für die erste und zweite Hälfte des Jahres 2018 prognostiziert, so JLL. Nur in Hannover wird für das erste Halbjahr 2018 mit einem weiteren Rückgang des Mietpreises um fünf Euro gerechnet. Insgesamt gaben die Mieten der Big-10-Städte im genannten Zeitraum um 0,2 Prozent nach. Auf Ebene aller betrachteten 185 Einzelhandelsstandorte lag der Rückgang im Durchschnitt bei rund 3 Prozent. Allerdings nicht einheitlich: So verzeichnen 105 Städte ebenfalls gleichbleibende Mieten, in 73 Fällen sind sinkende Werte zu beobachten und an sieben Standorten kann noch ein leichter Anstieg verzeichnet werden. Dazu zählen unter anderem die bayerischen Städte Würzburg und Rosenheim.

Spitzenreiter bei den Einzelhandelsmieten sind die Kaufingerstraße-Marienplatz im München, wo im Schnitt 360 Euro im Monat pro Quadratmeter bei Neuvermietungen zu berappen sind.

JLL analysiert für den "Einzelhandelsmarktüberblick" den Vermietungsmarkt in 1a-Lagen von bundesweit 185 Städten.

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