Ende einer Düsseldorfer Institution

Buchhaus Stern-Verlag schließt Ende März

Das Buchhaus Stern-Verlag in Düsseldorf, mit über 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eine der größten deutschen Buchhandlungen, schließt zum 31. März 2016, wie Inhaber Klaus Janssen mitteilte. Die betroffenen 113 Mitarbeiter wurden laut Medien am Freitag auf einer Betriebsversammlung über die Schließung und einen Sozialplan informiert.

Klaus Janssen, Inhaber des Stern-Verlags, beginnt seine Pressemitteilung (vom 18. Dezember) mit der Feststellung, dass überall im Buchhandel die Ladenflächen reduziert würden. Und fährt fort: "Das Buchhaus Stern-Verlag mit seinen über 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist heute nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben." Die kleinteilige Aufteilung der Geschosse in Zwischenstufen sei zwar verkaufspsychologisch reizvoll, aber in der Betriebsorganisation zu kostenaufwendig. Für die notwendige Planung und den Umbau eines so großen Areals müsse man mit circa zwei Jahren rechnen. "Deshalb wird das Buchhaus Stern-Verlag zum 31. März 2016 seine Pforten schließen", so Janssen.

Damit kommt das Aus für die 1900 gegründete traditionsreiche Buchhandlung und Antiquariat. 113 Mitarbeiter sind davon betroffen, erklärte Filialleiterin Bettina Zobel in der "Westdeutschen Zeitung". Diese sollen laut Janssen "auf Basis eines umfangreichen Sozialplan" für den Verlust ihrer Arbeitsplätze entschädigt werden. Den Sozialplan hat Janssen laut Medien auf der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag vorgestellt. Als Grund für die Schließung wird gegenüber der Presse auch die Konkurrenz durch den Online-Handel genannt. Weitere Informationen, etwa zum Sozialplan, soll es im Januar geben, teilt das Buchhaus auf Anfrage mit.

Ebenfalls geschlossen wird die seit 1977 betriebene Filiale auf dem Campus der Düsseldorfer Heine-Universität, berichtet die "Westdeutsche Zeitung". Für die Fortführung der umfangreichen Versandbereiche bestünden Konzepte, die noch ausverhandelt werden müssten, so Janssen in seiner Presseinformation. Damit sei in den ersten Monaten des kommenden Jahres zu rechnen.

Gerüchte um einen Verkauf oder die Teil-Schließung des Buchhauses Stern-Verlag hatte es bereits in den vergangenen Jahren gegeben: Im Dezember 2013 war der RWS-Spezialist VUB Printmedia als potenzieller Käufer im Gespräch, im August 2014 hatte eine Anzeige zur vermeintlichen Vermietung eines Teils der Ladenfläche bereits für Schließungsgerüchte gesorgt.

Das Buchhaus wurde 1900 durch Ferdinand Studt, den Großvater des heutigen Inhabers Klaus Janssen gegründet. Seit 1927 führten es Edmund Janssen (gestorben 1935) und Maria Janssen, geb. Studt, fort. Das Haus in der Friedrichstraße 26 (ehemals Standort der Oberpostdirektion) wurde gekauft, um den steigenden Platzbedarf zu sichern. 1961 wurden die Brüder Horst und Klaus Janssen nach dem Tod ihrer Mutter Gesellschafter der OHG Stern-Verlag Janssen & Co. Seit dem Tod von Horst Janssen (2004) ist Klaus Janssen Alleininhaber.

Für die Geschäftsnachbarn in der Friedrichstraße sei die Ankündigung eine Hiobsbotschaft, so "Antenne Düsseldorf". Das Buchhaus habe Kunden aus der weiteren Umgebung angezogen, davon hätten auch die anderen Läden profitiert. Außerdem stünde die Umgestaltung der Freidrichstraße mit zahlreichen Baustellen an. Die Händler wünschen sich einen Nachmieter mit ähnlicher Magnetwirkung, sagte Peter Achten vom Handelsverband NRW gegenüber "RP online".

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4 Kommentar/e

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  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Diese jetzt angekündigte Schließung vom Stern-Verlag in Düsseldorf wird die gesamte Buchhandelslandschaft in Deutschland erschüttern.
    Es ist geradezu schlimm, dass der Online-Handel dem Buchhandel so zusetzt und sich dann in dieser Art bemerkbar macht.
    Es sollten alle Anstrengungen, auch der Börserverein ist da jetzt auch gefragt, unternommen werden, dass die Leser/innen wieder in die stationären Buchhandlungen zurückfinden.
    Es gibt sehr gute (auch kleinere Buchhandlungen), wo man als Kunde sehr gut beraten wird. Und auch dort ist eine gut sortierte Auswahl von Büchern vorhanden.
    Man muss da an alle Beteiligten appellieren, sich wieder neu auf die Buchhandlungen (in stationärer Weise) zu orientieren.
    Noch ist die Preisbindung für Bücher da und dies sollte auch angenommen werden.
    Es stimmt traurig, wenn alteingesessene gute Buchhandlungen dann auf einmal nicht mehr da sind und gerade in Düsseldorf wird dies ein schmerzlicher Verlust werden.
    Der Börsenverein sollte sich daher mehr auch im Verbund mit den Buchhandlungen für das Buch werben und auch hinweisen.
    Vor allem jüngere Leser müssten das Buch in haptischer Form (in den Händen halten) und gedruckt wieder mehr annehmen und auch schätzen lernen.
    Auch der Umgang mit Büchern und das wieder Lesen wollen muss erneut praktiziert und auch getan werden.
    Es genügt eben nicht nur immer Texte aus Büchern zu kopieren usw., sondern die Beziehung zu Bücjhern sollte auch bei der jüngeren Generation wieder mehr eingeübt werden.
    Nur bald Texte digital zur Verfügung zu stellen und zu kopieren u. a. ist doch auf die Dauer gesehen, ein zu einseitiges Verhalten.
    Es gibt erneut viele Bücher zu entdecken und dafür muss man umdenken können und bereit dazu sein.
    Der Satz: ,Man hat keine Zeit zum Lesen`, sollte nicht gelten.
    Zeit hat jeder Mensch, nur fehlt oft die richtige Nutzung und Einteilung dafür.
    Elternhäuser und Schulen stehen heute der Jugend gegenüber in einer großen
    Verantwortung.
    Und leider sind auch in den Großstädten die Mieten für die Buchhandlungen effektiv zu hoch.
    Auch dies ist ein noch weiterer Aspekt, der manche Buchhandlung zur Schließung zwingt.
    Doch Patentrezpete gibt es leider zu diesen Fragen und Problemen nicht.
    Es müsste aber eine andere Orientierung (also wieder zu den Büchern hin)
    von den Lesern möglich sein.
    Aber auch die Buchhandlungen und der Börsenverein sollten mehr zu einem Miteinander in ihren Aktionen ,Gemeinsam für das Buch..` sich finden und auch einsetzen.

  • Frieder Kraus

    Frieder Kraus

    Sehr traurig. Denn die klass. Stern-Kunden werden auch irgendwann bei Anbietern im Internet landen, da keine andere Buchhandlung ein so tiefes und gutes Sortiment hat. Der große Reiz auch unbekannte und eigenwillige Bücher zu finden, wird ansonsten fast nur noch in der Buchhandlung im Heine-Haus (Literatur) gepflegt. Eine gigantische Lücke entsteht. Ich wünsche allen Mitarbeitern des Stern-Verlags, das sie gute berufliche Alternativen finden. Sehe zwar die wirtschaftlichen Probleme, finde es jedoch bedauerlich, das nicht schon vor Jahren Umstrukturierungen stattfanden. Schon im Interesse der hochqualifizierten Mitarbeiter. Düsseldorf wird sehr viel ärmer und die Friedrichstraße öde.

  • B.B.

    B.B.

    Für mich ist die Schließung des Stern Verlages wohl der größte kultrelle Verlust meiner Heimatstadt. Dieses Unternehmen ist nicht nur eine Buchhandlung, es ist eine Institution des Wissens. Ein Museum, eine Bildungseinrichtung, ein kultureller Treffpunkt, ein Manifest an das gedruckte Wort und sollte unseren Kindern und Enkelkindern noch zur Verfügung stehen. Nirgendwo sonst wird eine solche Auswahl an Literatur angeboten wie in diesem Haus. Es ist so überaus traurig, dass Klaus Janssen offenbar keine geignete Nachfolge und somit auch kein wirttschaftlich tragbares Konzept für dieses Gesamtwerk finden konnte. Dramatisch!!!!

  • Martin Strautz

    Martin Strautz

    Mein Tipp: Auch meine eBooks bestelle ich bei meiner Buchhändlerin.

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