Heinrich-Mann-Preis an Christian Bommarius

"Nüchtern und mit kühlem Blick"

Der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste geht 2018 an den Berliner Autor, Journalisten und Juristen Christian Bommarius. Diese Wahl trafen die Juroren Steffen Martus, Gustav Seibt und die letzte Preisträgerin Gisela von Wysocki. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis für Essayistik wird am 27. März 2018 im Akademie-Gebäude am Pariser Platz verliehen.

Aus der Begründung der Jury: „Christian Bommarius’ essayistische Energie richtet sich gegen die Verführungskraft einfacher Diagnosen und scheinhafter Grundsatzlösungen sowie gegen jene aggressive Polemik, die den Meinungsstreit bedroht. Seine Kommentare nüchtern mit dem kühlen Blick des juristisch versierten Beobachters hysterische Debatten aus und erheben zugleich Einspruch gegen mangelndes Mitgefühl. (…) Mit seiner ‚Biographie‘ des Grundgesetzes erinnert Bommarius an die ‚kopernikanische Wende‘, die der erste Verfassungsartikel vollzog, und daran, wie viele Jahre vergingen, bis die deutsche Gesellschaft sich die Bedeutung dieses Grundsatzes zu eigen gemacht hat. Das dunkle Gegenstück zu dieser hellen Geschichte bietet die Rekonstruktion der 'Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914'. Der Fall eines ‚guten Deutschen‘, der gegenüber der Kolonialregierung auf die Einhaltung von Verträgen und Gesetzen beharrte und dafür hingerichtet wurde, führt ins finstere Herz des deutschen Kolonialismus. Als Manga Bell seine Intervention verfasste, arbeitete Heinrich Mann am 'Untertan'. Bell, so bemerkt Bommarius, ‚gehört zur deutschen Freiheitsgeschichte‘. Im Geist dieser Tradition macht Christian Bommarius mit intellektueller Urbanität bewusst, wie unwahrscheinlich und gefährdet die zivile Ordnung ist.“

Christian Bommarius wurde 1958 in Frankfurt am Main geboren, wuchs in Bonn auf und lebt in Berlin. Er ist Journalist und Jurist und arbeitete bis Ende des vergangenen Jahres als Kommentator unter anderem für die "Frankfurter Rundschau" und die "Berliner Zeitung". Seitdem schreibt er als freier Autor. 

Buchveröffentlichungen: "Wir kriminellen Deutschen" (Berlin, 2004), "Das Grundgesetz: Eine Biographie" (Berlin, 2009), "Der gute Deutsche. Die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914" (Berlin, 2015), "Der Fürstentrust. Kaiser, Adel, Spekulanten" (Berlin, 2017).

Die Preisverleihung findet am Dienstag, den 27. März, dem Geburtstag Heinrich Manns, um 19 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, statt.

Die Preisträger der letzten Jahre waren Gisela von Wysocki (2017), Gunnar Decker (2016) und Adam Zagajewski (2015). 

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