Im Gespräch mit Adriana Popescu

Von der Selfpublisherin zur Verlagsautorin

Adriana Popescu schaffte den Sprung von der Selfpublisherin zur Verlagsautorin. Mit dem Börsenblatt hat sie darüber gesprochen, ob sie sich überhaupt noch als Selfpublisherin bezeichnet und was die Branche der Selbstverleger zukünftig noch lernen kann.

Als Selfpublisherin gestartet, haben Sie mittlerweile bereits bei Piper und cbj veröffentlicht. Im Oktober erscheint ein Titel Ihres Alias Carrie Price Bei Doemer Knaur. Trifft die Bezeichnung Selfpublisher überhaupt noch auf Sie zu?
Ich bin momentan sehr verlagslastig, habe aber auch noch meinen Titel "5 Tage Liebe" bei Amazon. Im Moment sehe ich mich mit den Planungen für die kommenden Jahre allerdings schon eher als Verlagsautorin, weil so viele tolle und spannende Projekte mit Verlagen zustande gekommen sind. Trotzdem würde ich nicht ausschließen, dass ich in Zukunft vielleicht auch noch einmal einen Titel als Selfpublisherin auf den Markt bringe.

Obwohl Sie bereits bei Verlagen unter Vertrag sind, haben Sie im vergangenen Jahr noch zwei Titel als Selfpublisherin veröffentlicht. Welche Vorteile bietet das Büchermachen in Eigenregie?
Es bietet vor allem jede Menge Raum zum Experimentieren, außerdem habe ich so als Autorin mehr Kontrolle und eine kürzere Reaktionszeit. Während die Veröffentlichung bei einem Verlag mitunter mehrere Monate dauert, kann ich als Selfpublisher sofort veröffentlichen. Ich glaube, das ist etwas, was viele Autoren daran mögen. Als Autor muss man sich an dieser Stelle einfach entscheiden, wo die eigenen Prioritäten legen. Wer im Buchhandel stattfinden möchte und will, dass die Oma in Hintertupfingen das Buch auch kaufen kann, kann momentan noch nicht auf einen Verlag verzichten. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass mein Roman, der damals als Print on Demand verfügbar war und eine ISBN besaß, von einer Buchhandlung nicht bestellt wurde, weil es laut Verkaufspersonal ein Selfpublishing-Titel sei und man daher nicht für die Qualität garantieren könne. Es ist eine Frechheit engagierten Selfpublishern mangelndes Können zu unterstellen, bei dem Aufwand, den sie betreiben, einen Lektor, Korrektor, Coverdesigner usw. zu finden.

Haben Sie sich während Ihrer Anfänge freiwillig für die Veröffentlichung in Eigenregie entschieden oder traf das Klischee des abgelehnten Autors auch auf Sie zu?
Man darf nicht vergessen, dass ich nicht erst seit gestern schreibe. Meine ersten Absagen von Verlagen kamen 2001. Mein Roman "Versehentlich verliebt" erschien 2012, bei Piper 2014. Die Geschichte ist allerdings von 2002. Witzigerweise habe ich "Versehentlich verliebt" nie bei einem Verlag eingereicht. Dann kam die Idee, den Titel kurz vor Weihnachten zu veröffentlichen und im Februar habe ich schließlich bei Piper gesessen und mich über ein potenzielles nächstes Buch unterhalten. Das war gar nicht so geplant. Ich dachte, den Roman kaufen vielleicht zehn Leute aus meinem Freundes- und Familienkreis. Ich hatte nicht einmal eine Strategie. Das ist heute anders. Die Selfpublisher haben richtig gute und vernünftige Pläne, wann sie ein Buch veröffentlichen oder wie viel früher sie das Cover präsentieren.

Wie hat die Selfpublishing-Szene die Buchbranche in den letzten Jahren beeinflusst?
Nun, es wird ganz klar deutlich, dass die Masse der Leser entscheidet, was ankommt. Früher haben die Verlage vorgegeben, was gedruckt wird. Heute kann jeder etwas veröffentlichen und gibt es durch die Selfpublisher keine absolute Verlagshoheit mehr. Die Leser entscheiden, was gefällt und was gekauft wird.

Was kann die Branche noch lernen?
Viele Selfpublisher machen das, was sie tun, tatsächlich bereits sehr gut. Bei den ersten Veröffentlichungen tendieren einige Autoren aber dazu, ihre Bücher besonders günstig anzubieten. Ich nehme mich da nicht aus und habe meine Bücher bereits selbst in Aktionen für 99 Cent angeboten. Auf Dauer muss ich mich allerdings entscheiden, ob ich viele Bücher zum geringen Preis veröffentlichen möchte oder mir mehr Zeit für meinen Titel nehme und dafür aber zum Beispiel 3,99 Euro verlange. Grundsätzlich sollte die Arbeit eines Autors – egal ob beim Verlag oder als Selfpublisher – mehr wert sein als ein Grande Choco Latte mit Sahne und einem falsch geschriebenen Namen auf dem Becher.

Interview: Katharina Gröger

4 Kommentar/e

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  • Klaus Becker

    Klaus Becker

    Zitat: "Adriana Popescu schaffte den Sprung von der Selfpublisherin zur Verlagsautorin."
    Der Satz aus dem Vorspann spiegelt sehr schön die Einstellung vieler Buchverleger wieder: "Selfpublisher sind verhinderte Verlagsautoren."
    Um mal übers Geld zu sprechen, über das, wenn es ums professionelle Schreiben geht, merkwürdigerweise fast nie!! gesprochen wird: Wer um die Konditionen der Verlage weiß und weiß was der durchschnittliche Verlagsautor im Jahr so durchschnittlich verdient (wenn er nicht gerade Fitzek oder Neuhaus heißt) kann eigentlich nur den Kopf schütteln. Warum soll sich ein leidlich erfolgreicher Autor mit Verlagen herumplagen und sich zum Spielball von verlagsinternen Entscheidungen machen lassen, bei denen das Wohl des Verlages im Mittelpunkt steht und nicht das des Schreibers? Wer als Autor im Jahr 20.000 / 30.000 Euro vor Steuern verdient, gehört schon zu den Großverdienern. Armut als Lebensstil, als Quell der Inspiration? Das sind die Beträge, die mittelprächtige Selfpublisher in drei, vier Monaten aufs Konto überwiesen bekommen. Ruhm und Ehre müssen ausreichen, das scheint immer noch das Credo der Buchverleger zu sein. Diese Währung wird mit Sicherheit von Jahr zu Jahr an Wert verlieren. Muss man das bedauern?

  • Michael Kühnapfel

    Michael Kühnapfel

    In der That: die modernen Technologien ermöglichen es Autoren erstmals, mit vertretbarem Aufwand ihre Werke selbst zu vermarkten und damit auch die Kontrolle über die Qualität, das Werk und die Einnahmen zu haben. Eine große Chance für alle Autoren
    Für den Kunden allerdings anspruchsvoller, unter anderem auch, weil die Qualität wesentlich stärker schwankt als bei Verlagsprodukten. Daher würde ich die Aussage des Buchhandels, man könne für die Qualität der Werke nicht garantieren, nicht als "Frechheit" werten. Es mag einigen Autoren gegenüber ungerecht sein - ich selbst befinde mich im Besitz von Selfpublisherwerken, deren Qualität nur als unterirdisch zu bezeichnen ist und so von keinem Verlag veröffentlicht würde. Woher also soll der Buchi wissen, wie die Qualität der Bücher ist? Sicher, künftig wird der Buchhandel aufgeschlossener gegenüber SP-Werken sein - und für Autoren wird sich vielleicht ein Multichannel-Strategie als richtig erweisen. Verlage werden sicher dazulernen müssen, um zu überleben. Und so kommt wieder einmal alles zu einem guten Ende...

  • T. Bethke

    T. Bethke

    @ Klaus Becker:
    Lieber Klaus Becker, folgender Teil Ihres Beitrages ist mir nicht ganz klar: "Das sind die Beträge, die mittelprächtige Selfpublisher in drei, vier Monaten aufs Konto überwiesen bekommen." Worauf bezieht sich das "Das"? Auf 20.000 / 30.000 Euro? Auf Armut? Beides macht für mich keinen Sinn. Und ich kenne mich mit den Einkommensgrößen "mittelprächtiger" Selfpublisher nicht genug aus, um zu beurteilen, was Sie meinen.
    Herzliche Grüße aus einer Buchhandlung, die die professionelle und engagierte Arbeit von Verlagen sehr schätzt.

  • Einar

    Einar

    Werter Herr Becker,

    was Ihre Anmerkungen bzgl. Konditionen der Verlagsautoren anbelangt, bin ich bei Ihnen. Nur von wo Sie die Umsätze von "mittelprächtigen Selfpublishern" hernehmen, würde mich schon interessieren.

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