Interview mit Buchhändlerin Juliane Kaiser

Die allerbeste Auszubildende

Die Berliner Buchhandlung Born kann sich dieses Jahr über eine besondere Auszeichnung freuen: Mit Silvia Warnke hat sie die „Bundesbeste Auszubildende“ im Berufsbild Buchhändler. Im Interview erläutert Born-Inhaberin Juliane Kaiser, auf was sie als Ausbilderin Wert legt. INTERVIEW: LAURA HERTH

Buchhändlerin Juliane Kaiser

Buchhändlerin Juliane Kaiser © Buchhandlung Born

Wie oft stellen Sie Auszubildende ein?
Bis jetzt habe ich in meinem eigenen Buchladen hier in Berlin drei Auszubildende gehabt. Gerne hätte ich auch alle Azubis übernommen, aber das hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Vor zwei Jahren hatte ich eine Auszubildende, die als Landesbeste der IHK Berlin ausgezeichnet worden ist, und die ist leider in ihre Heimat Stralsund zurückgekehrt; die dritte ist in Elternzeit gegangen. Frau Warnke, die jetzt als Bundesbeste ausgezeichnet wird, bleibt mir aber zum Glück als Vollzeitkraft erhalten.

Auf welche Kriterien und Eigenschaften achten Sie bei der Auswahl Ihrer Auszubildenden?
Vor allem anderen achte ich sehr genau auf Allgemeinbildung: Meine Azubis sollen sich mit Literatur, Kunst, Epochen und den dazugehörigen Namen auskennen. Und nicht zurückschrecken, wenn sie zum Beispiel den Namen Schlegel hören! Sehr wichtig sind außerdem Kenntnisse in Geografie. Da die Bücher bei uns im Laden nach Ländern geordnet sind, ist es natürlich von immensem Vorteil, wenn man sich in der Welt auskennt. Ich achte darauf, dass meine Azubis gut im Kopfrechnen sind, eine eloquente Sprache haben und sich so Kunden gegenüber angemessen verhalten können. Generell sollten sie einfach ein "kluges Köpfchen" sein. Ich lasse mir auch eine Leseliste geben, mit den Büchern, die sie lesen und erkenne daran natürlich auch, ob sich jemand für mehr als nur Tolkien interessiert.

Warum ist Ihnen die Allgemeinbildung so wichtig?
Meine Kunden gehören einem bildungsbürgerlichen Milieu an, viele sind Ärzte, Anwälte oder Ähnliches von Beruf. Deswegen haben sie bestimmte Ansprüche an uns als Buchhändler und erwarten, dass man ihnen auch in "schwierigeren" Fällen helfen kann.

Wie ist Silvia Warnke zu Ihnen gekommen?
Das war ein ganz besonderer Fall. Sie ist Ende der 60er Jahre geboren und hat auch schon zwei Kinder. Sie wollte eigentlich schon immer in den Buchhandel, hat aber in ihrer Jugend leider keine Lehrstelle bekommen und dann eben zunächst studiert und sich anderen beruflichen Wegen gewidmet.

Sie war eine meiner besten Stammkundinnen und fragte mich irgendwann, ob sie denn probeweise für einen Tag bei mir im Buchladen arbeiten könne, um festzustellen, ob der Buchhandel überhaupt immer noch etwas für sie sei. Daraus hat sich dann zunächst ein Praktikum entwickelt und als ich merkte, wie toll Frau Warnke sich entwickelte und mit wie viel Freude sie bei der Sache war, bot ich ihr schließlich an, eine Ausbildung zur Buchhändlerin bei mir zu machen. Nach anfänglichem Zögern sagte sie zu und hat 2016 ihre Ausbildung begonnen. Da sie nun als Bundesbeste geehrte wird, hat es sich wohl gelohnt.

Am 3. Dezember wird Bundespräsident Steinmeier die Auszubildenden in Berlin auszeichnen: Werden Sie dabei sein?
Selbstverständlich werde ich auch anwesend sein, wenn meine Auszubildende ausgezeichnet wird – und freue mich schon sehr.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Ausbildungsleitung aus?
Zum einen schauen wir regelmäßig, kurz vor Ladenbeginn, zusammen die RBB-Literaturtipps an. Wir haben "Die Zeit" und den "Spiegel" abonniert und stellen den Auszubildenden so Kultur zur Verfügung. Es ist auch wichtig, dass man gegenüber den Kunden authentisch ist, sich nicht verstellt. Und auch, dass man nicht zu überheblich gegenüber ihnen ist – wenn jemand nur Nora Roberts liest, dann ist das halt so. Wir haben viele Stammkunden und hier sollte man auch darauf achten, mit diesen einen guten Kontakt zu pflegen – auch mal nach etwas Privatem fragen bzw. sich merken.

Eine wichtige Aufgabe ist natürlich auch Kompetenz zu zeigen. Merkt man, dass der Azubi im Verkaufsgespräch Hilfe braucht, dann sollte man auch einspringen und helfen. Zu guter Letzt sollte man für den Azubi bei Problemen da sein und immer vermitteln: Lieber einmal zu viel fragen!

Haben Sie ein "Geheimrezept" für solch gute Azubis?
Nein, ich habe kein Geheimrezept, es liegt einfach an den Azubis selbst. Die sind schon im Vorhinein intelligent, können gut lernen, sich selbst organisieren - was ja für jede Prüfung mit am wichtigsten ist. Eine gute Vorauswahl der Azubis sorgt also eigentlich automatisch für ein gutes Bestehen.

Zur Person
Juliane Kaiser selbst hat in den 60er Jahren ihre Buchhändlerprüfung abgeschlossen, anschließend studiert und ist nach langer Selbstständigkeit 2006 in ihre Heimatstadt Berlin zurückgekehrt. Dort kaufte sie dann auch ihre heutige Buchhandlung, die in einer bekannten Ladenstraße (Onkel Toms Hütte) liegt. Kaiser beschäftigt eine Vollzeit- sowie zwei Teilzeitkräfte.

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