Interview mit Egmont-Graphic-Novel-Verlegerin Alexandra Germann

Erwartungen wurden unterschritten

Einen "Haltepunkt" zur Planung weiterer Schritte bei ihrem Label Egmont Graphic Novel haben sich die Egmont Verlagsgesellschaften verordnet. Die Hintergründe erläuterte gegenüber boersenblatt.net Egmont-Graphic-Novel-Verlegerin Alexandra Germann, die zur Zeit geschäftlich in Japan unterwegs ist.

Egmont will weniger Graphic Novels herausbringen. Warum?
Nach drei Jahren und mittlerweile 35 Graphic-Novel-Veröffentlichungen müssen wir konstatieren, dass viele der Titel sich nicht in einer Stückzahl verkaufen, die sich wirtschaftlich sinnvoll gestalten lässt.

Haben sie nicht von Anfang an mit unterschiedlichen Verkaufszahlen gerechnet?
Ja. Uns war bewusst, dass das Graphic-Novel-Programm sich über eine Mischkalkulation tragen muss und dass es nicht nur Erfolgstitel mit hervorragenden Absätzen geben wird. Unsere Erwartungen wurden aber leider bei zu vielen Titeln weit unterschritten. Es hätten sich mehr Titel deutlich über 5.000 Mal verkaufen müssen. Für alle, die unser Graphic-Novel-Programm gestaltet haben, ist es enttäuschend, dass im deutschsprachigen Raum nur so wenige Leser den Weg zu dieser Erzählweise finden – trotz der großartigen Berichterstattung über dieses feine Imprint und dessen wunderbare Inhalte. In den vergangenen Monaten hört man im Übrigen auch von anderen Graphic-Novel-Verlagen hierzulande ähnliche Klagen.

Wie sehen ihre Planungen aus?
Wir werden uns in den nächsten Monaten mit der Zukunft des Imprints befassen. Momentan haben wir allerdings noch ein paar andere Themen in unserem Hause, die uns beschäftigen. Wir werden natürlich weiterhin die Backlisttitel bewerben und hoffen sehr, dass wir einen Weg zu begeisterten Lesern finden.

Welche Auswirkungen gibt es für die Mitarbeiter? 
Durch die Reduzierung des Graphic-Novel-Programms fallen in einzelnen Abteilungen weniger Aufgaben an. Da das Programm eine überschaubare Größe hatte und in die bestehende Programmarbeit anderer Bereiche integriert war, hat dies aber keine weitreichenden Auswirkungen auf das Team.

Es soll weniger neue Titel geben: Können Sie hierzu schon Details nennen?
Im Januar 2017 erscheint die Adaption des Klassikers "Der Krieg der Welten" von Thilo Krapp. Danach wird es sicherlich eine größere Pause geben, da wir uns, wie gesagt, mit der Zukunft des Imprints beschäftigen wollen.

Wäre es auch denkbar, dass Egmont Graphic Novel eingestellt wird?
Wie die Zukunft des Imprints aussieht, kann ich heute noch nicht beantworten. Das würde das Ergebnis unserer noch bevorstehenden Analyse vorwegnehmen.  

Egmont hat auch das Egmont-Comic-Stipendium beendet: Was hat hier den Ausschlag gegeben?
Das Comic Stipendium wurde bereits vor der Entscheidung über eine Programmreduzierung ausgesetzt. Wir mussten auch hier schweren Herzens eine Entscheidung aus wirtschaftlichen Aspekten treffen. Die Ressourcen, die für das Comic-Stipendium freigesetzt wurden, kommen nun an anderen Stellen zum Einsatz.

Egmont will seine Verlagsaktivitäten in Berlin zusammenführen. Was bedeutet das für die Comics und Manga?
Das bedeutet für die Bereiche Comic und Manga − sowie Kinderbuch − weiteres Wachstum und neuen Schwung durch Synergien mit unserem Schwesterverlag Egmont Ehapa. Es wird sich also hier sicherlich einiges tun − ganz im positiven Sinne.

Sie sind gerade in Tokio − auf der Suche nach neuen Manga-Künstlern?
Wir besuchen regelmäßig unsere japanischen Lizenzgeber und halten dabei natürlich auch die Augen offen nach neuen frischen Manga-Themen aus Japan. Der Koffer ist entsprechend mit Prüfexemplaren gefüllt.

Interview: Matthias Glatthor

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