Interview mit Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe

Suhrkamp geht ins Kinderbuch

Der Suhrkamp Verlag startet im Frühjahr 2019 mit Kinderbüchern bei Insel: Little People, Big Dreams heißt die Reihe mit zunächst sechs Titeln zu den Lebensgeschichten besonderer Frauen. NICOLA BARDOLA

Teil des Faltblatts "Little People, Big Dreams"

Teil des Faltblatts "Little People, Big Dreams" © Suhrkamp

Die Autorinnen María Isabel Sánchez Vergara und Lisbeth Kaiser zeigen in der Reihe Little People, Big Dreams, dass die Leistungen berühmter Frauen schon begannen, als sie noch klein waren, nämlich mit großen Träumen. Porträtiert werden für Kinder ab drei Jahren in der ersten Staffel Anne Frank, Amelia Earhart, Coco Chanel, Frida Kahlo, Marie Curie und Rosa Parks. Alle Bücher wurden von verschiedenen Illustratorinnen bebildert und doch wirken sie, als wären sie von nur einer Künstlerin gestaltet. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man die stilistische, dem jeweiligen Sujet entsprechende Vielfalt. Die Reihe startete 2016 in Spanien bei Alba Editorial in Barcelona, wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt und wird bis heute mit vielen weiteren Porträts, inzwischen auch prominenter Männer, fortgeführt. boersenblatt.net hat mit Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe über den Einstieg ins Kinderbuch gesprochen.

Jonathan Landgrebe

Jonathan Landgrebe © Jürgen Bauer/Suhrkamp Verlag

Warum haben Sie sich dafür entschieden, im Frühjahr 2019 Kinderbücher zu veröffentlichen?

Landgrebe: Der Insel Verlag hat eine lange Tradition in der Veröffentlichung von Kinderbüchern und Bilderbüchern; dies war insbesondere bis Ende der 80er Jahre der Fall. Veröffentlichen wir heute Kinderbücher, so knüpfen wir damit also an eine alte Tradition an. Immer wieder werden Kinderbücher zur Publikation an uns herangetragen. Uns haben diese nun geplanten Bücher letztlich inhaltlich so überzeugt, dass wir sie unbedingt veröffentlichen wollten. Dass das Kinderbuch ein sehr wichtiges Segment im Buchmarkt ist, dass das Lesen im frühen Alter beginnt und das Kinderbuch aus unserer Sicht auch ein potentiell großes Publikum hat, kommt hinzu.

Sind die Sorgen der deutschen Kinderbuchverlage auch ein Grund, jetzt in diesem Segment aktiv zu werden?

Landgrebe: Nein. Generell ist das Kinderbuch ein großes Segment im Buchmarkt. Wenn wir hier aktiv sind, dann werden wir immer nur einen minimalen Anteil dieses Marktes ausmachen und sehen unsere Aktivitäten insofern auch fast vollständig losgekoppelt von der Frage, ob das Segment nun gerade wächst oder nicht.

Welche Altersgruppen wollen Sie ansprechen?

Landgrebe: Die Buchreihe Little People, Big Dreams, mit Biografien für Kinder spricht sicherlich eher eine jüngere Gruppe von vielleicht frühestens drei bis maximal zehn Jahren an. Die Buchreihe von Christelle Dabos* hingegen sind im Bereich Young Adult anzusiedeln.

 

Das erste Programm enthält ausschließlich Lizenzen. Sind künftig auch Bücher von deutschsprachigen Autoren geplant?

Landgrebe: Wir sehen die Bücher im Moment als integralen Bestandteil des Insel-Programms, in dem in den letzten Jahren immer wieder einmal Texte auch für ein junges Publikum erschienen sind. Wir sind dabei generell offen für Bücher, von denen wir überzeugt sind, unabhängig davon, ob sie nun im Original fremdsprachig sind oder von deutschen Autorinnen und Autoren stammen. Es gibt also auch keine feste Planung für eine bestimmte Anzahl Bücher oder ähnliches.

Warum haben Sie sich zunächst für Porträts berühmter Frauen entschieden?

Landgrebe: Es beschäftigt uns alle im Moment, wie Kinder auch weibliche Vorbilder finden und wie die Position von Frauen in der Gesellschaft gesehen wird. Zu dieser Diskussion leisten die Bücher einen kleinen Beitrag für junge Menschen. Als ich sie zum ersten Mal sah, war ich gleich davon überzeugt, dass sie in Deutschland gut aufgenommen werden müssten, natürlich insbesondere auch, weil die Illustrationen sehr stark sind. Meine eigenen Kinder mögen Sie schon jetzt sehr gern, in der englischen Fassung. Sie entsprechen aber auch dem Profil des Insel Verlags, der schon immer biografische Titel, gerade auch über Frauen veröffentlicht hat, und wie gesagt, ja auch in Bezug zum Kinderbuch nicht ohne Hintergrund ist.

*Im März erscheint "Die Verlobten des Winters" als erster Band der Spiegelreisenden-Saga (ab 10 Jahren) bei Insel. Es handelt sich um das Fantasy-Debüt der 1980 an der Côte d’Azur geborenen und in Cannes aufgewachsenen Buchhändlerin und Autorin Christelle Dabos, das im Original 2013 bei Gallimard Jeunesse erschien. Gemeinsam mit den beiden im Zweijahresrhythmus veröffentlichten Nachfolgebänden wurde die Saga zu einem Bestseller in Frankreich. Sie ist als Tetralogie angelegt. Dabos lebt inzwischen in Belgien, wo sie sich der Fortsetzung widmet.

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