Laura Maire im Interview über das Sprechen von Hörbüchern

"Njom, njom!"

Laura Maire macht jede Geschichte zu einem Hörerlebnis. Die 38-Jährige wurde schon mehrfach mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den Beo für „Die Mühle“ (Der Hörverlag). Wie sie an neue Hörbuchprojekte rangeht, verrät sie hier. INTERVIEW: VERENA HOENIG

Laura Maire

Laura Maire © ARD / WDR

Die Intensität, mit der Sie lesen, ist frappierend. Ebenso die Bandbreite an Tonlagen und Stimmungen und wie beiläufig Sie diese wechseln.  Wie gelingt Ihnen das?
Ich liebe es einfach, in Geschichten einzutauchen.

Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran?
Ich lese mir das Buch vorher zwei- bis dreimal durch und recherchiere über Autor, mir unbekannte Sachverhalte oder auch die Aussprache von Namen. Es ist spannend, mich in neue Bereiche einzuarbeiten. Bei der Aufnahme lese ich vom iPad, weil der Text dann schön groß und hell ist.  

Wie merken Sie sich, wer welche Stimme hat? Gerade bei der Abenteuer-Fantasy „Die drei Opale“ (Silberfisch) ist das Personal ja sehr umfangreich.
Bisher musste ich mir keine schriftlichen Notizen machen, ich merke mir die Charaktere einfach.

Wie sind Sie auf die passende Stimme für das Schaf Charlotte (Igel Records) gekommen?
Ich liebe Schafe und beobachte beim Wandern liebend gern Schafherden.Die Herausforderung war, Charlotte trotzdem menschlich zu machen, obwohl sie ja ein Tier ist.

Machen Sie vor einer Aufnahme Stimmübungen?
Ja, oft auf dem Fahrrad auf dem Weg ins Studio: „Njom njom“, „Brrrrr“ und „Ha Ho“.Eine tolle Sache zur Stimmbänderauflockerung  ist auch ein spezieller Silicon-Schlauch, der in eine Flasche mit Wasser getunkt wird. Sodann nimmt man den Schlauch in den Mund und blubbert und summt los.  Dieser wirkungsvolle Schlauch wird auch bei Notfällen an der Oper eingesetzt: Hilft bei Schleimbefall, Heiserkeit und Rauheit. Danach können die Stimmlippen wieder gut schließen. 

Wie lange schaffen Sie es, im Studio zu lesen?
Meistens bin ich von 10 bis 16 Uhr im Studio inklusive einer großen Mittagspause, in der ich mit der Regisseurin auch schon mal eine Runde Tischkicker spiele. Dazwischen gibt’s auch Fünf-Minuten-Pausen, in denen ich heißes Wasser trinke.  

Hören Sie sich die fertige Produktion am Ende selbst noch einmal an?
Ich hör nur kurz rein, wenn das fertige Hörbuch da ist.

Lehnen Sie Angebote auch manchmal ab?
Nur, wenn es bei der Produktion keinen Regisseur gibt. Ich bin gerne im Dialog mit Regisseur und Tontechniker und mag es, unterstützt zu werden. Meiner Meinung nach ist ein Hörbuch immer ein Gemeinschaftsprojekt!

Was tun Sie, damit Ihre Stimme geschmeidig bleibt? Helfen Ihnen Honig, Kräuterbonbons oder Ähnliches?
Honig ist sehr gut, Gurgeln mit Kamillentee hilft auch.Bonbons aber verkleben den Speichel.

Hören Sie selbst gerne Hörbücher?
Ich höre sehr gern Gerd Heidenreich zu. Meistens höre ich aber Musik oder lese, ich bin eine große Leserin – in letzter Zeit begeistert haben mich „Leises Schlängeln“ von A.L. Kennedy und „Das Jahrhundert meines Vaters“ von Geert Mak. Fernsehen schaue ich nicht, ich besitze nicht mal mehr ein Gerät. Mein 12-jähriger Sohn Leo hört ab und zu Hörbücher.

Wie wichtig sind Körperhaltung, Mimik, Gestik für den Sprecher?
Für die Körperspannung wichtig. Mit dem Körper kann man sehr gut Emotionen unterstützten. Bewegungen mache ich jedoch immer unbewusst, während der Aufnahme kann man übrigens auch nur den Oberkörper einsetzen.

Lesen Sie lieber Hörbücher für Kinder oder für Jugendliche?
Ich liebe beides. Ich habe zwar eine junge Stimme, kann aber auch ältere Stimmen sprechen.

Bereiten Sie sich auf das Lesen von Hörbüchern für Kinder und Jugendliche anders vor, als wenn Sie für Erwachsene lesen?
Für Kinder bereite ich mich mehr vor, aber nicht nur deshalb, weil ich meinen eigenen Sohn im Kopf habe. Ich möchte es für Kinder einfach besonders gut machen, weil ich sie sonst womöglich verprelle, wenn ich mich nicht richtig anstrenge.

„ Ich über mich“

Ein guter Arbeitstag beginnt mit .... entspannten Menschen, die sich freuen, wenn sie mit mir zusammen eine Geschichte lebendig werden lassen.

Die Zeit vergesse ich .... beim Zeichnen

Wer es in meinem Beruf zu etwas bringen will, der ... sollte nicht daran denken, es zu etwas zu bringen. Sondern stattdessen mit Liebe und Fleiß an die Sache gehen.

Mit 18 wollte ich ... endlich mit der Schule fertig und selbständig sein.

Wenn ich erkältet bin ... sage ich alle Termine ab und ruhe mich drei Tage aus. Zum Glück bin ich nicht oft erkältet.

In meiner Freizeit begeisterte ich mich für ... Capoeira, brasilianischen Kampfkunst-Tanz

Im März erscheinen gleich vier von Laura Maire gelesene Hörbücher für Kinder und Jugendliche:  Bei Silberfisch („Die drei Opale, Folge 1: Über das tiefe Meer“), Igel Records („Ich bin hier bloß das Schaf“), DAV („Emily Windsnap“, Folge 6: Die Bestimmung) und im Hörverlag („Zartbittertod“).

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