Lesetipp: Deutschlandradio zur Krise des Lesens

"Nicht das übliche auf- und abschwellende Gejammer"

"Alle starren nur noch aufs Handy - ist das Buch dem Untergang geweiht?" Die Journalisten Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer befragen für Deutschlandfunk Kultur Verleger und andere Branchenspezialisten nach der Zukunft des Lesens.

Susanne Schüssler:  "Ich lese nirgends, dass wir die Lesekompetenzen ausbauen müssen"

Susanne Schüssler: "Ich lese nirgends, dass wir die Lesekompetenzen ausbauen müssen" © Susanne Schleyer

"Der Markt befand sich ja immer schon im Umbruch, seit 20 Jahren, aber wir wissen ja mittlerweile, dass die Leser wegbrechen, und das gibt einem dann doch zu denken. Ich weiß nicht, ob es einen Verlag wie den Liebeskind Verlag in zehn Jahren noch geben kann", wird u.a. Christian Kill vom Liebeskind Verlag zitiert.

Für Susanne Schüssler vom Wagenbach Verlag sind die Schulen die Hauptverursacher des Problems: "Ich finde es katastrophal, weil in diesen Parteiprogrammen, also, in dieser Kulturpolitik kommt die ganze Zeit vor, dass wir digitalisieren, digitalisieren und uns gut aufstellen müssen. Ich sehe nicht, dass bei den Kids irgendeiner nicht digital an erster Front ist, die sind alle super fit und schnell und können alles und wissen alles, wie sie es finden, und so weiter. […] Wenn ich aber die Lesekompetenzen ansehe, und davon lese ich nirgends irgendetwas, dass wir die Lesekompetenzen ausbauen müssen."

Anke Vogel, Lehrende am buchwissenwissenschaftlichen Institut der Universität Mainz, hält dagegen: "Man kann ja auch an ganz vielen anderen Stellen lesen. Jede Textnachricht, die ich mir über das übers Handy schicke ist, ist eine Nachricht, die gelesen werden muss."

Das Fazit von Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer: "Sicher ist nur, dass es sich wohl nicht um das auf- und abschwellende Gejammer handelt, das seit seinen Anfängen zum Verlagswesen dazu gehört."

Hier geht es zum Beitrag im Deutschlandfunk Kultur!

Und hier die Studie des Börsenvereins zum Buchmarkt 2016.

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2 Kommentar/e

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  • Chris Helway

    Chris Helway

    Wir jammern nicht üblich. Wir jammern neu!

  • Monika Osberghaus

    Monika Osberghaus

    Das war eine interessante und wichtige Sendung, in der viel Bedenkenswertes gesagt wird. Ich vermisse aber etwas Wesentliches bei diesem Thema: das Ernstnehmen (oder überhaupt Erwähnen) der Kinderliteratur. Einmal heißt es, dass die Kohorte der 25-50-Jährigen nicht mehr beim echten, tiefen Lesen anzutreffen ist und dass dies „die Leser von morgen“ seien. Hä? Die Leser von morgen sind heute drei und kriegen im Kindergarten allzu oft irgendwas Nettes und Banales von vor zwanzig Jahren vorgelesen, falls überhaupt.

    Um diese Leser geht es aber vor allem. Und damit darum, die Literatur für sie ernst zu nehmen, über diese Literatur ernsthaft und kritisch zu sprechen, ihr Raum zu geben im Gespräch über Bücher, ihr Platz einzuräumen in Bibliotheken, in Kindergärten und Klassenzimmern.

    Liebe Verleger und Vermittler von Erwachsenenliteratur, die ihr in dieser Sendung zum Teil recht alarmiert sprecht: Eure Leser im Alter von 25+ Jahren fallen nicht vom Himmel. Sie kommen, wenn sie das „tiefe Lesen“ von Kindheit an gewöhnt sind und seine Beglückungen und Vorteile zu schätzen gelernt haben. Und dies können sie nur, wenn sie auf gute Bücher gestoßen sind. Wenn man sie mit den verschiedensten Büchern jahrelang massiv von überall her beworfen hat. Das ist der Schlüssel. Hier sind alle, denen Bildung wichtig ist, herausgefordert zu viel größeren Aktionen als wie wir sie bislang sehen. Warum wurde darüber in dieser Sendung so gut wie gar nicht gesprochen?

    Wann wird die Kinderliteratur kritisch ernst genommen und das Gespräch über sie aus seinen diversen netten Feigenblatt-Empfehlungseckchen rausgeholt, hinein in das normale Gespräch über Literatur? Das liest sich jetzt vielleicht so, als läge mir besonders viel am Rezensionswesen. Aber ich bin sicher: Dies würde vieles nach sich ziehen. Wenn alle mitreden, nicht nur gelegentlich eine Kinderbuchtante zwischendurch mal drei Minuten oder 15 Zeilen lang ein nettes neues Kinderbuch empfiehlt, sondern wenn es Verrisse gäbe, Aufreger, Themen, über die sich zu Streiten lohnt. Wann, endlich?

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