Lesetipp: Selbstbild eines Bücher-Piraten im "Tagesspiegel"

"Im Netz gibt es kein Eigentum"

Autor und Journalist Kolja Mensing hat für den "Tagesspiegel" ein Interview mit einem namenlosem Geschäftsführer von boox.to geführt. Mit wie vielen Millionen illegalen Downloads der Bücherpirat die "Wunschwelt der Autoren und Verlage niederbrennen" will, warum er sich dabei im Recht fühlt und weshalb die Verlage am Datendiebstahl selbst Schuld sein sollen, darüber gibt der Freibeuter offen Auskunft.

Die anonymen Bücherpiraten planen laut Interview im "Tagesspiegel" die Einführung einer Bücherflatrate für geraubte E-Books. Und fühlen sich damit im Recht - denn die Verlage, so die Argumentation, blockierten aus User-Sicht den Konsum von E-Books durch unattraktive Angebote, DRM und zu hohe Preise.

Auch vor dem Deutschen Buchpreis machen die E-Book-Hehler keinen Halt: Bereits vergangene Woche hatte Ansgar Warner auf e-book-news darauf aufmerksam gemacht, dass die meisten Titel der Longlist bereits als illegaler Download verfügbar seien - übrigens auf boox.to. Der Blogger Warner kritisiert allerdings ebenfalls die Preisstrategie der Verlage: "Das wirklich ärgerliche daran ist wohl: die digitalen Freibeuter haben recht. Denn mit dem völlig realitätsfernen E-Book-Pricing verbauen sich die Verlage bisher alle Chancen, von den Vorteilen der digitalen Ökonomie zu profitieren", relativiert der Blogger.

Wovon Autoren bei E-Book-Preisen im Cent-Bereich künftig leben sollen, verrieten allerdings weder der anonyme Boox.to-Betreiber noch Warner.

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33 Kommentar/e

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  • franz wanner

    franz wanner

    Qualität, Knappheit und Kosten bestimmen den Preis.
    Zwischen Autoren/Ersteller und Verlage gibt es einen die Leistungs des anderen würdigenden Vertrag (Sollte jedenfalls so sein).
    Es geht nicht um den Kohlhaas-Aufstand gegen eine willkürliche Übermacht, oder um das Allgemeingut, sondern das Gequengel von Billigheimern.
    Das ist die perfidiste Umkehrung des Leistungsgedankens, denn konsequenterweise müßte ein leistungsgerechtes Entgelt im Einzelstück der Erstveröffentlichung erwirkt werden... danach wird eh geklaut!
    Was aber sollte noch geklaut werden, wenn es das nicht mehr gibt?

  • Raubkopierer

    Raubkopierer

    Sehr gut!

  • Timo Millscha

    Timo Millscha

    Hallo,

    die Seite kannte ich noch nicht. Die ist aber Klasse, vielen Dank.

  • Regine Rompa

    Regine Rompa

    Ob ein Buch als ebook oder Print-Produkt erscheint, es macht für mich als Autor dieselbe Arbeit. Ich will nicht den Spaß verderben, aber da es ja jetzt bereits sehr knapp für die meisten Autoren ist, befürchte ich, dass Autor als Beruf irgendwann nicht mehr tragbar ist, falls nichts dagegen unternommen wird und sich Meinungen, wie die oben beschriebene durchsetzen.

  • rautenklause

    rautenklause

    Da scheint sich ja das elektronische Äquivalent zum Raubdruck zu entwickeln ... wobei ich zugeben muss, daß ich als ehemaliger Buchhändler und fast austherapierter Bibliomane, der nunmehr in einer anderen Branche arbeitet, ein gespaltenes Verhältnis zu Raubdrucken habe.Kopien aktueller Bestsellertitel lehne ich ab und dafür sollte es auch keine Entschuldigung geben - anders sehe ich das allerdings bei vergriffenen Büchern, deren Neuveröffentlichung vom Verlag oder den Erben als nicht lukrativ oder als nicht erwünscht erachtet wird (aber dennoch die Rechte nicht freigeben) oder an Veröffentlichungen von bisher noch nicht publiziertem eines Autors, das dann auch von nämlichen Bedenkenträgern verhindert wird. Da hätte ich keine Skrupel, vor Ablauf der ominösen 70 Jahre aktiv zu werden. Und da das nunmehr elektronisch weitaus einfacher ist (.pdf ist Dein Freund) wird es in diesen von mir aufgeführten Fällen sicherlich in Zukunft von Liebhabern eben elektronische Raubdrucke geben. Und das ist oftmals auch mehr als verständlich!

  • Galbadon

    Galbadon

    @rautenklause:
    Super, das ist wirklich hilfreich, dass die Rechtfertigungsstrategien eines notorisch Kriminellen hier auch noch Zustimmung finden. Klar, wenn´s um die eigenen Interessen geht, dann würde man gerne mitmachen...
    Ehrlich, manchmal kann ich es einfach nicht fassen - bei solchen Kommentaren denke ich mir, die Branche ist selbst schuld, wenn sie koppheister geht.

  • rautenklause

    rautenklause

    @ Galbadon
    Habe ich mich so mißverständlich ausgedrückt? Raubdrucke an sich sind ein buchgeschichtliches Phänomen und ein eigenes Sammelgebiet für Bibliophile - sehen Sie sich nur mal Götz von Ohlenhusens Handbuch der Raubdrucke an. Und darum geht es mir: ich hätte KEINE Probleme damit, Werke nachzudrucken (oder auch zu digitalisieren), die nicht mehr greifbar sind UND bei denen dennoch von den Rechteinhabern die Rechte für einen Nachdruck nicht freigegeben werden. Und das ist - glauben Sie mir - nicht selten. Oder fragen Sie doch mal bei S. Fischer nach, ob man gedenkt, die hitlerbesoffenen Frühwerke der seligen Luise Rinser zu publizieren. Ein peinlicher Knaller erster Güte. Oder bei Hanser für die Rechte an Gerd Gaiser. Oder oder oder ... Wessen Recht wird da verletzt?

  • Autorenleistung-Anerkenner

    Autorenleistung-Anerkenner

    Mit Verlaub, Herr "Spiegelbest", Sie sind ein ...!
    Wer errät's?

  • Piratenleistung-Anerkennender

    Piratenleistung-Anerkennender

    ... HELD!!!

    Richtig? ;)

  • Galbadon

    Galbadon

    @rautenklause:
    Leider verbietet ja die Forendisziplin eine angemessene Antwort. Man kann nur virtuell den Kopf schütteln und die Augen gen Himmel drehen.
    Dass das Urheberrecht nicht mehr zeitgemäß ist mit den langen Schutzfristen, ist unbestritten. Und das rechtfertigt die Raubkopie? Die man, vor allem digital, dann so schön sammeln kann?
    Wie soll man gegenüber der Generation Gier, der ja das Unrechtsbewusstsein völlig fehlt, argumentieren, wenn selbsternannte Bibliophile die Raubkopie gutheißen, wenn es denn ins eigene Beuteschema passt?

  • rautenklause

    rautenklause

    @ Galbadon

    ich geb's auf - irgendwie scheine ich mich völlig unverständlich auszudrücken, der Strang hier nicht der richtige zu sein, oder aber ... . Nochmals zum Mitschreiben: Kein Raubdruck, keine digitalen Kopien von "normal" erhältlichen Werken (also weder "Shades of Grey" noch "Harry Potter" noch irgendwelchen anderen Schmonzenz), aber ein FRAGEZEICHEN bei VERGRIFFENEN Büchern (oder Teilen davon), bei denen der VERLAG sagt: keine Rechtabgabe UND kein geplanter Neudruck. Und ja, ich kenne Verlage und Rechteinhaber (da ich in der Branche gearbeitet habe und ihr immer noch verbunden bin), die mauern und blockieren und spöttisch sagen: nach 70 Jahren dürfen sie - sind ja nur noch X Jahre, das werden sie schon noch überleben.

    Und um nochmals Ross und Reiter zu nennen: Rowohlt bewältigt seine Vergangenheit ganz exquisit und blockiert (auch gegenüber direkten Nachkommen) die Wiederveröffentlichung früher Werke von Ernst von Salomon oder auch des herrlichen Rororo Monographienbändchen über Ernst Jünger aus der Feder von Paetel. Können Sie mir da - ganz unaufgeregt - erklären, wer wo welchen Schaden bei einer Wiederveröffentlichung hätte? Höchstens doch der Neuverleger bei Unverkäuflichkeit! Wie schon und nochmals gesagt: MIR geht es nicht um das, was man gemeinhin Bestseller nennt (wovon ich das meiste eh nur mit spitzen Fingern anfasse) sondern um Rara, bei denen es Restriktionen von Verlagen oder auch Nachkommen gibt …(beschäftigen Sie sich bitte einfach mal mit dem unglaublichen Heckmeck, der der Rainer Maria Gerhardt Werkausgabe vorausging und dessen, was erst legitimiert, dann verpönt auf dem bibliophilen Markt war - ich hab auf Herrn Pörksen eine Flasche guten Roten in Gedanken und Dankbarkeit geleert, als das Werk mir dann über den Ladentisch (!!!) gereicht wurde.

  • Autorenleistungs-Anerkenner

    Autorenleistungs-Anerkenner

    @ Piratenleistungs-Anerkenner:
    Wo ist jetzt da die Leistung? Eine illegale Webseite aufzubauen, um hart arbeitende Autoren um die gerechte Entlohnung für ihre Werke zu bringen, ist eine niederträchtige Handlung, die man noch nicht einmal mit räuberromantischer Verklärung à la Ronnie Biggs erklären kann. Wissen Sie überhaupt, wie viele Autoren es in Deutschland gibt, die vom Schreiben leben können? Die meisten Schätzungen liegen zwischen 80 und 100 Autoren. Wir reden hier nicht von Millionären wie Dan Brown, Stephen King oder Ken Follett. Der gerade verstorbene Wolfgang Herrndorf einmal gesagt, dass er sich 25 krummgeschuftet hat und den Traum hatte, irgendwann einmal eine kleine 2-Zimmer-Wohnung für sich zu haben. Von solchen Menschen soll man stehlen? Pfui Teufel!

  • Autorenleistungs-Anerkenner

    Autorenleistungs-Anerkenner

    Hoplla, das sind mir ein paar Wörter verlorengegangen, der satz muss natürlich heißen: "Der gerade verstorbene Wolfgang Herrndorf hat einmal gesagt, dass er sich 25 Jahre lang krummgeschuftet hat"
    Die fehlenden Wörter hat mir bestimmt ein buchpirat gestohlen :-)

  • Spellsurf

    Spellsurf

    Alles Quatsch - Alles Quatsch°°°
    Vom Downloaden wird insgesamt gesehen kein Vermögen verschenkt! Nur die Umverteilung wird anders. Das spielt aber gesamtgesellschaftlich überhaupt keine Rolle. Wichtig wäre nur, daß die Wohlhabenden Charakter haben und die Bücher weiterhin kaufen.
    Im Übrigen: lasst doch bitte mal die Kirche im Dorf!! E-Books haben in der BRD einen Marktanteil von 2%. Davon werden vielleicht 10% downgeladen. Davon wiederum sind vielleicht 10% verpasste Verkäufe, der Rest ist dem Sammler und Jäger-Syndrom geschuldet! Also hätte das Buch eh nie gekauft!

  • rautenklause

    rautenklause

    @ spellsurf

    Ja Quatsch - aber eher, was Sie schreiben! Verlage betreiben Quersubventionierung mit "guten Titel" oder denken sie daß - um ein Beispiel zu nennen - Kantorowicz "Zwei Körper des Königs" so der Quotenbringer bei Klett-Cotta war? Sicher nicht! Und meinenCharakter laß ich mir von Nassauern nicht vorschreiben - und hier gebe ich dann eben auch Gabaldon recht: das ist nicht in Ordnung und da etwas von "gesamtgesellschaftlich" zu faseln ist Hohn. Diese Bücher sind verfügbar - also gibt es keinen Grund, sie zu raubkopieren. Wie gesagt. anders kann man das bei vergriffenen Büchern sehen, die eben NICHT mehr aufgelegt werden.

  • Silver Raven

    Silver Raven

    Was den geschätzten Kommentatoren wohl entgangen ist, ist dieser feine, kleine Satz:

    "Die anonymen Bücherpiraten planen laut Interview im "Tagesspiegel" die Einführung einer Bücherflatrate für geraubte E-Books. "

    Sprich: die Damen und Herren von boox.to *verlangen* eine Abgabe dafür (übrigens auch schon jetzt, auch wenn diese noch als 'Spende' - 10 EUR - getarnt ist), dass sie illegal urheberrechtlich geschützte Inhalte zur Verfügung stellen.

    Auf der einen Seite prangern die Betreiber von boox.to an, dass Verlage für ihre Arbeit (=eBook) Geld verlangen, tun dies aber auf der anderen Seite selber. Denn immerhin müssen ja wohl die Server auch bezahlt werden.

    Ja sowas... gibt's die nicht umsonst? Oder kann man die leider noch nicht klauen...?

  • Bestohlene

    Bestohlene

    Silver Raven: Im Buchreport war vor einiger Zeit ein Artikel
    über die "Nutzung" von Hotelseiten und leider auch meiner
    Seite im Internet durch die Buchpiraten. Danke, ich mußte
    meine Internetseite vom Netz nehmen. Wieso sollte ich
    sonst als winzige Buchhandlung Anfragen aus der Ukraine,
    aus den Niederlanden und den USA erhalten haben, ohne
    daß auch nur eine tatsächliche Bestellung oder ähnliches
    aufgetaucht ist. Nochmals besten Dank an die Piraten,
    ihr leistet ganze Arbeit und nehmt es den Armen, das
    ist euch doch alles völlig egal. Vonwegen umverteilen
    an die, die sich kein Buch leisten können. Viele Betriebe
    ahnen nicht einmal, wie ihre Seiten zum verschicken
    der e-books mißbraucht wurden.

  • Michael F.Simon

    Michael F.Simon

    Das Thema E-Book sorgt bei mir immer für Verwunderung. Leserinnen und Leser sollen für ein blosses und stark eingeschränkte Nutzung fast oder genau so viel bezahlen, wie bei einem physischen Buch für den Besitz, speissen diese Dateien in ein Gerät ein, dass locker mal soviel kostet wie 8-10 Taschenbücher, wobei die Gefahr besteht, dass die nächste oder übernächste Generation dieser Lesegeräte nichts mehr anfangen kann, mit den Dateien für die man ein teueres Nutzungsrecht bezahlt hat. Die von Spiegelbest betriebene Plattform sich in erster Linie sicherlich nicht an normale E-Buchleserinnen und -käuferinnen. Lustigerweise beschränkt ja die Piratenplattform den täglichen Download auf 150 eBooks. Wer glaubt das Leute, die sich in solchen Mengen Dateien runterladen diese auch nur annähernd nutzen, ja dass diese Leute wenn es die Piratenplattform nicht gäbe, Ebooks käuflich erwerben würden, glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Ich bin mir ziemlich sicher das spätestens, wenn der Download bezahlt werden muss, spiegelbest im günstigen Fall mit stagnierenden wahrscheinlich aber mit stark zurückgehenden Downloadzahlen zu tun haben wird. Und dann gibt es dort dort ja auch Ebooks von Büchern aus Papier, die Verlage selber nicht produzieren wollen oder können.
    Auf der anderen Seite scheinen ja die Onlineshops von Weltbild und Hugendubel zumindest, deutlich von den Tolinoverkäufen zu profitieren. Angeblich werden dort pro verkauftem Reader ein ebook-Umsatz von 150 bis 200 Euro generiert, zumindest erreicht man schon einen nennenswerten Umsatzanteil im Onlinehandel mit E-Books. Auf die Dauer gehe ich aber sowieso davon aus, dass man sich Ebooks leiht und nicht kauft, den welchen Vorteil soll ein Kauf eigentlich haben?

  • Galbadon

    Galbadon

    @Michael F. Simon:
    Falls Sie sich auf den Verkauf reiner Lizenzen beziehen, die letztlich nur auf eine Leihe der Bücher hinauslaufen, haben Sie sicher recht. Dafür ist es zu teuer im Vergleich zum Buch.

    Falls nicht: Einmal abgesehen davon, dass man bei Büchern ja nicht nur das Material bezahlt, sondern eben die Leistungen der Autoren und Bearbeiter, der Wert eines Buches also nicht nur von der Darreichungsform abhängt:
    E-Bücher lassen sich besser und platzsparender archivieren und transportieren, sie können leichter durchsucht werden und man kann sie innerhalb der Familie, Freunde etc. gleichzeitig lesen - das sind schon Vorteile, die auch den Kauf von Lesegeräten sinnvoll machen können. Inkompatibiltäten zwischen den Readern durch technische Entwicklung sind mir bisher nicht bekannt, dass betrifft überwiegend das leidige DRM.

    Es ist auch wirklich nicht harmloser, 150 Zahnbürsten zu klauen als eine, bloß weil man die nicht alle nutzen kann und natürlich niemals 150 Zahnbürsten auf einmal kaufen würde. Es ist doch immer die gleiche Leier: natürlich würden die Nutzer niemals alle Bücher kaufen, die sie herunterladen, nicht mal alle lesen, aber das eine oder andere eben schon. Und natürlich hat ein Autor auch das Recht, zu entscheiden, wie und bei wem er seine Bücher vertreiben will. Und dagegen wird bei jedem Download verstoßen, logisch. Abgesehen davon ist es ja absurd, zu klauen oder auf Diebesgut zuzugreifen, wenn man es nicht nutzen will oder möchte.
    Der Punkt ist, das notorisch Kriminelle wie spiegelbest unbedarfte User instrumentalisiert, um ihre Handlungen zu decken bzw. zu rechtfertigen. Und diese sich auch ausnutzen lassen. Das vorliegende Interview war jedenfalls Rechtfertigungs- bzw. Negationsstrategie wie aus dem kriminologischen Lehrbuch. Und auch die Medien lassen sich einspannen, wie gelesen - und die Herorisierung des Diebstahls führt durchaus dazu, dass User durchaus bereit sind, für geklaute Bücher zahlen.
    Das Verlage durchaus noch Umsätze mit E-Bücher machen können, ist ja unbenommen und kein Gegenargument. Wäre es nicht so, so wäre die kaum erblühte Pflanze E-Buch schon längst wieder verdorrt - den die Piraten schaffen ja keine Fortenwicklung, im Gegenteil, sie bremsen den Fortschritt mit ihren rückständigen Ansichten.

  • einleser

    einleser

    Der Umgang der deutschen Verleger mit dem Thema eBook ist leider derart restriktiv, dass solche Blüten geradezu provoziert werden.
    Man bedenke: Billiganbieter haben bei identischem Produkt nur dort eine Chance, wo die Margen der etablierten so hoch sind, dass man trotz Unterbieten noch leicht Geld verdient.
    Das eBook ist in Deutschland ist vor allem deswegen weniger verbreitet als anderswo, weil die Verlage hierzulande sich unter dem Schutz der Buchpreisbindung gegen einen nicht aufzuhaltenden Trend stemmen.
    Wenn eBooks in Deutschland teilweise mehr kosten als das Paperback des gleichen Titels und die englische Übersetzung eines schwedischen Krimis dramatisch weniger als die deutsche, zeigt das unübersehbarer, dass die Verlage die Kostenvorteile dieses Vertriebswegs (und der deutlich kostengünstigeren "Produktion") nicht an die Leser weitergeben. Das ist nur mit dem Missbrauch der aus ganz anderen Gründen bestehenden Preisbindung bei Büchern zu erklären. Das wird auf die Dauer nicht gutgehen. Genau dieser Missbrauch einer Marktmacht kann dazu führen, dass die Buchpreisbindung fällt.

  • Ansgar Warner

    Ansgar Warner

    Kleine Korrektur: Im erwähnten Artikel auf E-Book-News wurde sehr wohl verraten, wie Autoren mit E-Books Geld verdienen können - tatsächlich nicht mit höheren, sondern mit niedrigeren Preisen. Freilich nicht im Cent-, sondern im niedrigen einstelligen Euro-Bereich. Dass man mit Pricing nahe am "Sweet Spot" nicht nur weitaus mehr Leser erreichen, sondern insgesamt mehr Gewinn erzielen kann, belegen u.a. Verkaufsstatistiken der Self-Publishing-Plattform Smashwords.

    Umgekehrt funktioniert es natürlich genauso: Die Longlist-Titel kosten als E-Book im Durchschnitt 16 Euro - damit ist garantiert, dass man nur wenige Leser erreicht und den Autoren am Ende sogar noch finanziellen Schaden zufügt.

  • rautenklause

    rautenklause

    @ Galbadon

    ich würde wirklich noch gerne Ihre Ansicht zu den von mir geschilderten Fällen der Verweigerung von Seiten einiger Verlage (ich hatte konkret den Rowohltverlag angesprochen), Lizenzen vergriffener Titel freizugeben, bei denen man sich weigert, die Bücher selbst jemals wieder zu verlegen.

  • Galbadon

    Galbadon

    Gerne, wenn ich mich auch in der von Ihnen geschilderten Problematik nicht auskenne (scheint ja eher parallel zu WikiLeaks zu sein).
    Irgendwann sind die Bücher gemeinfrei. Nur dauert das meiner Meinung nach für die heutige Zeit viel zu lang. Das geschriebene Texte auch noch die Enkel des Autors versorgen, mag vor 100 Jahren seinen Sinn gehabt haben, aber im Zeitalter der Globalisierung (auch von Literatur) und des Wohlstands besteht diese Notwendigkeit nicht mehr.
    Andererseits: Wenn der Verlag die Rechte besitzt, für die er wohl auch mal gezahlt hat, so würde es einer Enteignung gleichkommen, gegen seinen Willen die Texte zu veröffentlichen. Und in einem Rechtsstaat sollten die Hürden für eine Enteignung sehr hoch liegen. So leid es mir für die Wissenschaft, die Kultur oder auch nur die Sammlerleidenschaft tut - mir ist es lieber, wenn das Eigentum bzw. das Nutzungsrecht einen höheren Stellenwert hat. Ich halte den Weg, dass bei einer guten Flasche Wein (oder einem Fäßchen) Wein unter zivilisierten Menschen zu klären für richtig.
    Nicht akzeptieren würde ich allerdings, eine Raubkopie zu machen, der entstehende Schaden liegt in der Verletzung der Rechte des Rechteinhabers. Und wo will man dann die Grenze ziehen.
    Die von den piratoiden Klauern angewendete Prinzipien: Ich will es aber haben, und wenn ich es nicht von euch kriege, dann ist es gemein von euch und dann nehme ich es mir eben, ist Kindergartenethik 3.0 und eines zivilisierten Menschen nicht würdig.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das Ihr Begehren war, aber es würde mich freuen, wenn ich helfen konnte.

  • Galbadon

    Galbadon

    Es ist irgendwie seltsam: wenn z. B. Apple durch Produktion in Billigländern seine Kosten senkt, dann geht doch auch nicht ein Schrei durch die Republik, man müsse jetzt die gesparten Kosten an die Kunden weitergeben. Unabhängig davon, ob die Behauptungen haltbar sind oder nicht: wieso müssen Verlage Kostenersparnisse an den Kunden weitergeben? Warum nur beim E-Buch? Herrscht jetzt Bücher-Notstand im Land?

  • rautenklause

    rautenklause

    @ Galbadon

    vielen Dank für Ihre wohlbegründete Meinung - wir gehen da (fast) konform - auch ich betrachte, schätze und ehre das Eigentum als hohen Wert, nicht nur für die Rechtssicherheit einer Gesellschaft und ich gebe zu, daß meine Beispiele SEHR speziell sind und die Masse der Ebookleser nicht mal am Rande tangiert. Dennoch sollte es ein Thema sein - und ich erinnere mich an meinen Unterricht "Urheberrecht" in der Buchhändlerklasse, daß es neben den Rechten des Verlages auch die PFLICHT gibt, das ihm anvertraute Werk zu pflegen und zu veröffentlichen. Eben auch weil es den Erben Geld bringt. Etliche Verlage und Rechtsinhaber handhaben das bei Anfragen sehr generös und wollen nur, daß darüber nicht allzusehr Aufhebens gemacht wird (eben weil es manchmal für den heutigen auf Korrektheit getrimmten Geist etwas ähm anrüchigeres haben könnte) - was dann auch kein Problem für irgendwen darstellt. Und in vielen Fällen hilft auch einfach die 70 Jahre Regelung: je aktueller das Werk, umso uninteressanter meist dessen Aussage (von literarischen Inhalten ganz zu schweigen). Sehen Sie, ich digitalisiere mal wieder für den Hausgebrauch und für wenige Freunde GRATIS Kleinstzeitschriften der Weimarer Republik, von denen z. T. nur noch ein Exemplar in Berlin existiert (das man dort aber vor Jahrzehnten noch kopieren konnte und durfte). Der dadurch angerichtete materielle Schaden dürfte überschaubar sein. Und nur kurz zur causa Rowohlt:das ist eine sehr unschöne und auch mit Weinfässern kann da die neue Verlagsleitung nicht umgestimmt werden - was umso skuriler ist, als derjenige, der Nachdruckrechte einfordert, ein Nachkomme des Schriftstellers ist, dessen Bücher Rowohlt eben nicht mehr verlegen will. Das muß man auch nicht verstehen - daß dann aber jemand zu nicht ganz sauberen Mitteln (aber in bibliophiler Form ;-) ) greift, verstehe ich zumindest ...
    Herzlichst

  • einleser

    einleser

    @ Galbadon
    Im Wettbewerb "muss" niemand Kostenersparnisse weitergeben.
    Wenn man Kostenersparnisse zugunsten des Gewinns einsackt, darf man sich nicht wundern, wenn andere dann die Lücke nutzen und preiswerter anbieten. Das sieht man sehr schön daran, wie drastisch das iPhone an Marktanteil verloren hat. Jetzt scheint apple zu lernen und kündigt preiswertere Modelle an. Spät, aber immerhin ...

    Auf dem deutschen Buchmarkt gibt es die Preisbindung, also de facto keinen (Preis-)Wettbewerb.
    In anderen Monopolfällen (z.B. Stromnetz) gibt es eine Aufsichtsbehörde und die zwingt den Monopolisten, die von ihm erzielten Kostenvorteile weiterzugeben. Wenn - wie beim eBook in Deutschland - die Preisbindung von den Verlagen genutzt wird, Zusatzprofite zu erzielen, dann wird, so ist zu hoffen, der Gesetzgeber bald tätig werden.
    Deshalb ist diese Preispolitik einfach nur töricht und es ist zu hoffen, dass in der Branche sich sehr bald die Vernunft durchsetzt. Mit Strafanzeigen gegen Zeitungen zu agieren - wie in diesem Fall -, wird nicht helfen. Ganz im Gegenteil.

  • Galbadon

    Galbadon

    Was ist das jetzt wieder für ein Argument? Wer klaut, was andere geschaffen haben, kann es billiger anbieten. Ja, das ist so und gilt für Kühlschränke, Autor, Waffen. Bei Dingen nennt man das Hehlerei. Paratsitimus als Alternative anzubieten und anzunehmen, setzt schon kuriose Werte voraus. Da meine man dann wohl auch schon, weil man ein Buch konvertiert, ist es gleich eine Eigenproduktion.
    Und wieso schafft die Preisbindung keinen Preiswettbewerb? Verschiedene Verlag können doch verschiedene Preisstrategien fahren. Und wo ist das Monopol? Da geht anscheinend einiges durcheinander. Nebenbei - keine Aufsichtsbehörde kommt und sagt, o.k. wie leiten euren Strom um und verschenken ihn an alle.
    So, das mal zu dieser Ablenktaktik, mit bizarren Rechtfertigungen vom Thema abzulenken.
    Fakt ist doch, das Preis, DRM und was auch immer nicht, aber auch gar nichts mit der erstellen von Raubkopien zu tun hat, das Gejammer soll doch nur verhindern, dass man über den krminellen Akt hinwegsieht. Auf den nämliche Servern finden sich sehr wohl Titel, die immer schon DRM frei angeboten wurden, genauso wie 99 Cent Bücher. Es ist völlig egal, was Verlag tun oder lassen, es wird immer Leute geben, die wegen der leichten kopierbarkeit schnelles Geld mit Raubkopien machen wollen und dazu die Unbedarftheit, Naivität und teilweise auch kriminelle Energie ihrer Kunden brauchen.
    Es ist auf jeden Fall richtig, gegen Betreiber und Mitarbeiter solcher Plattformen vorzugehen - ob man das nun gegen eine Zeitung macht, die Verbrechen als sozial hochstilisiert, bleibt zweifelhaft, wir haben Pressefreiheit.
    Wenn Kunden nicht mehr die Preise zahlen wollen, die wir haben, dann betrifft das mit Sicherheit den gesamten Buchmarkt und nicht nur das E-Buch und die Verlage werden darauf reagieren, allerdings kann man das kaum verlangen, bloß weil ein Haufen Raubkopierer lautschreiend behauptet, die Kunden würden das wollen. Ich bin Leser und ich werde mich nicht mit diesen Leuten in einen Topf werfen und für diese finsteren Ziele vereinnahmen lassen.

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Ob sich die hier versammelte Generation 50+ noch an napster erinnern kann? Ihr wisst schon, die Raubmordvergewaltigertauschbörse für mp3, die nicht nur der mp3 zum breiten Durchbruch verhalf, sondern auch so manchen Hit generierte - weil Leute, die sich ein bestimmtes Lied runterluden und denen es gefiel, dann aufmachten um die CDs zu kaufen (zB auf die Art kamen zB die Bahamen wochenlang auf Platz 1).
    Bei napster hieß es immer, dass sei der Untergang der Musikbranche (der vorherige Untergang der Branche war raubmordvergewaltigungskopierten Kassetten geschuldet). Wie man sieht, ist das ja auch eingetreten.

    P.s.: Auch wenn ich ein großer Fan von Verallgemeinerungen und Schuldabwälzung bin, aber von wem hat denn die " Generation Gier, der ja das Unrechtsbewusstsein völlig fehlt" dieses Verhalten erlernt?

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    @17
    Man kann natürlich auch auf jede Art von Sicherheit verzichten und sich auf Schmuddelseiten rumtreiben bzw von dubiosen Seiten runterladen, und sich anschliessend über ungebetene Gäste beschweren.

    Wirft zwar kein gutes Licht auf einen selbst, aber machen kann mans.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ 21 Ansgar Warner Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, aber wissen Sie, warum das zumindest im Moment noch nicht funktioniert? Weil es ein ehrliches, direktes Geschäft ist. Und die ganzen Handaufhalter außen vorlässt. Wenn ich ein Buch in der heutigen Form in den heutigen Vertriebsstrukuren produzieren lassen und verkaufe, verdienen die meisten daran Beteiligten pro Buch mehr als die Kreativen (Autoren etc.) und der Verlag - man denke nur an die Handelsrabatte.

    Und ich finde es auch unerhört, dass hohe Preise immer dem Verlag zugerechnet werden. Verkaufe ich ein Buch direkt (egal ob Print oder digital), kann es mehr als 50 Prozenz weniger kosten, E-Books wegen geringerer Herstellungskosten sogar noch weniger.
    Aber da haben natürlich die ganzen, teilweise vollkommen leistungslosen Profiteure des derzeitigen Systems, die ja auch hier immer groß aufjaulen, etwas dagegen..

    .Das Aufjaulen wird aber die Entwicklung und so genannte "Piraterie" nicht aufhalten. Entscheidend ist der Inhalt. Der muss werthaltig sein. Die Menschen sind mnicht mehr bereit, für Massenschrott, Manipulation und Verdummung zur Kasse gebeten zu werden.

    @28 Thorben Finn Yep, Napster. Habe zig Beiträge als Journalist darüber geschrieben. Komisch, dass man heute, 15 Jahre später, immer noch nicht verstanden hat und dieselben verlogenen Bullshit-Argumente gegen Downloads (Raubmordvergewaltigungs- kinderpornorechtsradikalnazipöserschnorrerurheber rechtsverletzerautorenbetrueger) anführt. Wenn ich mich an diese Milchmädchenrechnungen erinnere: Jeder "illegale" Download wurde als ein entgangener CD-Kauf bewertet.

    Der Download, der einen Kauf auslöst, wird dagegen bis heute geflissentlich ignoriert. Palmström eben: Was nicht sein kann, was nicht sein darf.

  • Galbadon

    Galbadon

    @Thorben Finn, Michael Nardelli
    Ich frage mich manchmal, ob es in der Piratenpartei eine Kaderschmiede gibt, in der Sie diese Palette von Scheinargumenten auswendig lernen.
    Jetzt bitte nicht auch noch die Leier, das Musik-MP3 E-Bücher sind. Und die negative Ersatzrate, klar.

    Aber es ist ein schönes Beispiel, wie Kundenverarsche funtioniert - die kaufen qualitätsreduzierte Musikfiles für völlig überzogene Preise. Und sind glücklich damit.

  • Manuel Bonik

    Manuel Bonik

    Hier ein Beitrag, um die Kirche zurück ins Dorf zu holen:
    http://www.buchreport.de/blog.htm?p=3321

  • Magnus

    Magnus

    Das alles scheint mir teilweise ein typisch deutsches Problem zu sein. Wenn ein Land seine Bürger im Medienbereich unter der Prämisse groß zieht, "Du zahlst, egal ob Du nutzt oder nicht", der darf sich dann nicht wundern, wenn nach Jahrzehnten der Umkehrschluß ebenso Gültigkeit im Alltag erhält: "egal ob ich zahle, lese / schaue / höre ich". Freundliche Grüße Ihrer GEZ.

    • ...

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