Lesetipp von Litprom-Chefin Anita Djafari

Satirische marokkanische Wurzelsuche

Literarische Schätze aus aller Welt: Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari empfiehlt auf boersenblatt.net jeweils am letzten Sonntag im Monat ein Buch einer Autorin, eines Autors aus Afrika, Asien oder Lateinamerika. Diesmal: Fouad Laroui mit "Die Leiden des letzten Sijilmassi".

Wer bin ich und wenn ja, wie viele. Das könnte auch das Motto dieses Romans von Fouad Laroui aus Marokko sein. Herr S. , ein erfolgreicher Manager sitzt auf einer seiner zahlreichen Geschäftsreisen im ‎ Flugzeug und hat plötzlich eine Eingebung. Eine Epiphanie, wie er sagt und erzählt davon zuhause in Casablanca gleich seiner Frau. Was für eine Stephanie schreit diese herum, sie, die den Mann vor allem wegen seines Status und des bequemen Leben‎s, das er ihr ermöglicht, geheiratet hat, muss erfahren, dass er all das aufgeben will zu Gunsten eines total entschleunigten Lebens, zurück zu den Wurzeln in seine Heimat aufs Land will er, ab sofort und bedingungslos.

Klar, dass er Unverständnis erntet, sich alle von ihm trennen, er nimmt es in Kauf. Wie sich die grotesk überspitzte Geschichte entwickelt ist höchst amuesant zu lesen. Der Autor spielt mit sämtlichen Klischees zum Thema Entfremdung, Entwurzelung, Islam und seine Spielarten, modernes Leben gegen archaisches, er macht vor nichts Halt, überzieht den Text mit haufenweise Zitaten aus der arabischen wie westlichen Literatur gleichermassen. Eine vergnügliche Lektüre zu einem bitterernsten Thema. Empfehlung!

Bibliografie

Fouad Laroui
Die Leiden des letzten Sijilmassi
Aus dem Französischen von Christiane Kayser
Merlin Verlag, 2016
288 S., 24 Euro
ISBN 978-3-87536-322-7

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