Lilienfeld-Verleger Axel von Ernst über den neuen Verlagspreis NRW

"Schöner Tropfen auf den heißen Stein"

Heute wird zum ersten Mal der Verlagspreis des Landes Nordrhein-Westfalen vergeben, Preisträger ist der Düsseldorfer Lilienfeld Verlag. Ein Gespräch mit Verleger Axel von Ernst - über das, was notorisch knapp ist bei kleinen, unabhängigen Verlagen: Geld, Aufmerksamkeit, Anerkennung. INTERVIEW: SABINE SCHMIDT

Axel von Ernst

Axel von Ernst © Uwe Alexander Kirsten

Was ist wichtiger: die 20.000 Euro Preisgeld, die Sie heute erhalten, oder die Anerkennung, die mit der Auszeichnung verbunden ist?

Das kann man nicht trennen. Andere Verlagspreise sind deutlich niedriger dotiert. Dieser aber hat allein durch die vergleichsweise hohe Summe Symbolkraft, drückt Wertschätzung für unabhängige Verlage aus. Das bedeutet sehr viel.

Wissen Sie schon, wie Sie das Geld einsetzen werden?

Meine Mitverlegerin Viola Eckelt war im Sommer krank und konnte drei Monate nicht arbeiten. Bei einem kleinen Verlag wie unserem reißt das große Löcher. Für uns kommt der Preis deshalb genau zur richtigen Zeit. Wir können die Bücher des kommenden Jahres entspannter angehen. Und vielleicht gibt es auch noch nach Jahren einen neuen Wintermantel für den Verleger.

Gehört Selbstausbeutung also noch zehn Jahre nach der Gründung zur DNA des Verlags?

Das ist so, ich sehe das aber nicht als Grund zum Klagen. Wenn man ein festes Einkommen und einen garantierten Jahresurlaub will, gründet man keinen unabhängigen Verlag. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir unsere Arbeit lieben. Wir verdienen zwar wenig, bekommen aber viel: Wir schätzen die Menschen, denen wir begegnen, und die Texte, mit denen wir uns auseinandersetzen.

Ohne Geld geht es aber nicht. Wären andere, nachhaltige Maßnahmen nicht sinnvoller als ein Preis?

Den Preis finde ich großartig, nicht einfach nur, weil wir ihn jetzt bekommen, sondern weil er ein Bekenntnis des Landes Nordrhein-Westfalen zu einer unabhängigen Buchproduktion ist. Aber ja, die Gefahr ist, dass er nur ein Trostpflaster ist. Auf die Lage der kulturell wichtigen unabhängigen Verlage insgesamt gesehen ist er nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für uns jetzt erst einmal ein schöner Tropfen.

Was wünschen Sie sich?

Es müsste darum gehen, die Arbeit bestimmter unabhängiger Verlage mehr anzuerkennen und zu honorieren. Im Rahmen der Diskussionen um die VG Wort sind große Defizite deutlich geworden, was das Wissen um die Arbeit und die Bedeutung dieser Verlage angeht. Ich würde mir wünschen, dass es gelingt, hier mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, was Verlage leisten und mit welchen Opfern.

Plädieren Sie auch für eine Verlagsförderung?

Unbedingt ja. Zurzeit hängt es ja nur von den privaten finanziellen Umständen und der Opferbereitschaft von Verlegern ab, ob zum Beispiel Gedichte veröffentlicht werden, oder ob andere besondere Bücher gelesen werden können, die zwar nicht zu Bestsellern werden, aber wichtig sind für eine offene, plurale Gesellschaft. Und diese Gesellschaft muss sich überlegen, ob bestimmte Verlage wichtig genug sind, um als kulturelle Institutionen anerkannt und gefördert zu werden.

Wie stellen Sie sich eine Verlagsförderung vor?

Man könnte zum Beispiel die Idee des Buchhandlungspreises auf Verlage übertragen. Die Initiative für diesen Preis kam ja übrigens aus dem unabhängigen Verlagsbereich: Stefan Weidle hat sich über Jahre sehr dafür eingesetzt. Theater werden gefördert, Kinos, Buchhandlungen – Verlage bisher aber nicht.

Der Lilienfeld Verlag hat ein Programm abseits vom Mainstream. Was ist Ihnen vor allem wichtig?

Es geht uns um Traditionslinien und um schöne Leseerlebnisse, die natürlich nicht nur aktuelle Manuskripte liefern können. Wir entdecken besondere Texte, die lange nicht mehr verlegt wurden oder erst gar nicht nach Deutschland gekommen sind, und bringen sie in schönen Büchern heraus. Zum Beispiel Walter Bauers kleinen autobiografischen Roman "Die Stimme".

Wer war er?

Ein deutscher Autor, der nach Kanada ausgewandert ist und unter anderem von Kurt Tucholsky, Stefan Zweig und Franz Werfel geschätzt wurde. Durch uns lernen jetzt etwa 2.000 Leser eines seiner Bücher kennen. Vielleicht wird Bauer dann erneut vergessen, aber irgendwann wird ein anderer Verleger, eine Verlegerin über unser Buch wieder auf ihn aufmerksam. Darum geht es uns: Wir sehen uns als Punkte in einer Traditionslinie, wenn wir außergewöhnliche Texte ins Bewusstsein holen.

Zur Auszeichnung

  • Das nordrhein-westfälische Kulturministerium vergibt in diesem Jahr erstmals den Verlagspreis NRW. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Regionalgeschäftsstelle des Börsenvereins wird der Preis künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit einem Buchhandelspreis NRW verliehen. Er ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung für Lilienfeld wird am heutigen Freitagabend im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut von der neuen Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen überreicht. Weitere Informationen gibt es hier.

Zum Lilienfeld Verlag

  • 2006 gründeten Viola Eckelt und Axel von Ernst den Lilienfeld Verlag in Düsseldorf. Im Herbst 2007 wurde das erste Programm ausgeliefert. Bei Lilienfeld erscheinen "in schön gestalteten Büchern Texte, die faszinieren, amüsieren oder ergreifen sollen", wie es die Verleger selbst formulieren: "Junggebliebenes aus alten Zeiten, Funde aus Archiven und ab und zu auch Allerneuestes".

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