Margarete Stokowskis Reaktion auf Michael Lemling

"Es lässt sich nicht rechtfertigen, rechte Autoren im Regal stehen zu haben"

Weil die Autorin und "Spiegel"-Kolumnistin Margarete Stokowski ihre Lesung in seiner Buchhandlung abgesagt hatte, warf der Münchner Buchhändler Michael Lemling (Lehmkuhl) der Autorin vor, der Debatte über rechtes Denken auszuweichen. Lesen Sie nun Margarete Stokowskis Erwiderung. 

Margarete Stokowski sagte ihre Lesung aus ihrem Buch "Die letzten Tage des Patriarchats" in der Buchhandlung Lehmkuhl in München ab

Margarete Stokowski sagte ihre Lesung aus ihrem Buch "Die letzten Tage des Patriarchats" in der Buchhandlung Lehmkuhl in München ab © Rosanna Graf

Hier Margarete Stokowskis Stellungnahme im Wortlaut (zuerst veröffentlicht auf rowohlt.de):

"Die Stellungnahme

Michael Lemling, Geschäftsführer der Buchhandlung Lehmkuhl, hat sich dazu geäußert (auf seiner Webseite und auf Facebook), dass ich meine Lesung in seiner Buchhandlung abgesagt habe. Die Lesung sollte Ende November stattfinden. Anfang Oktober erzählte mir jemand, dass es bei Lehmkuhl auch ein Regal mit Büchern von rechten und rechtsextremen Autor*innen und aus dem Antaios-Verlag gibt. Ich las einen Kommentar von Michael Lemling im Börsenblatt vom März 2018, in dem er sich dafür aussprach, Texte von Rechten im Original zu (ver.-)kaufen und rief bei meinem Verlag, Rowohlt, an, um zu fragen, ob man dort mehr darüber wisse, und ob das noch Herrn Lemlings aktuelle Haltung sei. Daraus entstand ein Mailwechsel mit Herrn Lemling, der mir erklärte, dass es für ihn zum Engagement gegen Rechts gehört, die Texte zu kennen, die Rechte schreiben. Ich wiederum erklärte ihm, warum ich ein Problem damit habe, in einer Buchhandlung zu lesen, die Bücher von Rechten und Rechtsextremen im Regal stehen hat, also aktiv zum Verkauf anbietet. Hauptsächlich zwei Gründe: erstens die Normalisierung rechten Denkens und zweitens finanzielle Gewinne für diese Autor*innen und Verlage.

Auszug aus meiner Mail:

«Ich teile Ihre Sichtweise, dass man die Positionen von Rechten kennen sollte, um gegen sie zu argumentieren. Wo wir wohl unterschiedlicher Auffassung sind, ist die Frage, ob man deren Bücher dann auch kaufen sollte bzw. zum Kauf anbietet. Für mich gehört es sehr zentral zum Engagement gegen Rechts, dass man die Positionen von Rechten und Rechtsextremen nicht normalisiert. Mit «normalisieren» meine ich, bestimmte menschenfeindliche Aussagen als etwas hinzustellen, was eben zum vielfältigen Spektrum innerhalb einer Demokratie gehört und was man «aushalten» müsse, auch wenn dabei z.B. gegen Minderheiten gehetzt wird. (…) Man muss diese Texte dann nicht unbedingt kaufen, dafür gibt es Bibliotheken, Archive usw. Ich sehe nicht, wie man sich gegen Rechts engagiert, wenn man Autoren wie Alexander Gauland oder aus dem Antaios-Verlag durch Buchkäufe Geld zukommen lässt. (…) Ich sehe nicht, wie man als Buchhändler einerseits gegen Rechts sein will und dann gleichzeitig den Erfolg der Rechten in diesem Land unterstützt, indem man ihre Schriften aktiv anbietet und durch Verkäufe fördert.»

Herr Lemling schrieb ungefähr das, was er nun auch in seiner Stellungnahme schrieb: dass er seit der Debatte um «Finis Germania» seine Haltung zum Verkauf rechter Bücher geändert habe und dass man aber keinen Rechtsruck in seiner Buchhandlung befürchten müsse.

Mir schienen unsere Haltungen zum Kaufen und Verkaufen rechter Bücher nicht vereinbar, deswegen sagte ich ab, hier meine Mail:

«Lieber Herr Lemling,
danke für Ihre Erläuterungen. Ich weiß, es ist nicht leicht und oft ganz unmöglich, Grenzen zu ziehen, wer jetzt zu ‹Rechts› gehört und wer nicht. Die Nazis mögen Carl Schmitt, sie mögen Wagner und Nietzsche und so weiter, und man muss das alles dennoch nicht gleich aussortieren, nur weil es in rechten Kreisen beliebt ist. Es gibt aber trotzdem einige aktuelle rechte Autoren und Autorinnen und Verlage, die man meines Erachtens nicht anbieten sollte, wenn man sich gegen Rechts engagieren will. Ich werfe Ihnen nicht vor, dass Sie mit Ihrer Buchhandlung nach rechts rücken, aber ich halte es doch für sehr falsch, diese Titel im Angebot zu haben. Wenn eine Autorin dazu recherchieren will und die Bücher über Sie bestellt, das verstehe ich, aber das rechtfertigt es für mich nicht, rechte Autoren im Regal stehen zu haben. Ich tu das nicht gern, aber ich sage die Lesung ab und werde in München woanders lesen.
Viele Grüße
Margarete Stokowski»

Herr Lemling meldete sich daraufhin gar nicht mehr bei mir, sondern teilte Rowohlt mit, er würde die Lesung kurzfristig absagen, mit der Begründung, ich sei krank geworden. Das ging für mich aus verschiedenen Gründen nicht: zum einen lese ich am Tag nach dem ursprünglich geplanten Münchener Termin in Nürnberg und werde dort vermutlich nicht krank sein. Zum anderen finde ich eine solch kurzfristige Absage dem Publikum gegenüber nicht fair, wenn man eigentlich schon früher absagen könnte. Nach mehreren Telefonaten mit verschiedenen Zuständigen bei Rowohlt einigte man sich mit Herrn Lemling darauf, dass er in einigen Tagen die Lesung ohne Gründe absagen würde, was er dann am 30. Oktober tat.

Eine Woche später veröffentlichte Herr Lemling dann seine Stellungnahme, weil er offenbar noch nicht über die Sache hinweg ist. Ich kann zwar seinen Ärger verstehen, dass eine ausverkaufte Lesung abgesagt wird, aber nicht, warum er sich dabei so dermaßen im Ton vergreift und versucht, mich zu diskreditieren. Herr Lemling schreibt: «Wie steht es um die Debattenfähigkeit der streitbaren SPIEGEL-Kolumnistin Margarete Stokowski, die einen linksliberalen Veranstaltungsort wie Lehmkuhl zur No-go-Area erklärt, weil er nicht in ihr ‹Antifa-ist-Handarbeit›-Konzept passt?» – Nun habe ich seine Buchhandlung nicht zur No-go-Area erklärt, sondern bin ihm sogar noch darin entgegengekommen, mich darauf einzulassen, die Lesung ohne Begründung abzusagen.

Herr Lemling schreibt außerdem: «Schade, dass Margarete Stokowski es vorzieht, lieber in ihrer eigenen Echokammer zu verbleiben.» Da Herr Lemling meine Absagegründe schriftlich vorliegen hat, hätte er wissen können, dass es mir nicht darum geht, nicht mit anderen Haltungen konfrontiert zu werden – ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, mit anderen Haltungen konfrontiert zu sein –, sondern darum, nicht mit einem Veranstalter zusammenzuarbeiten, der meines Erachtens einen falschen Umgang mit rechten und rechtsextremen Werken hat. «Antifa bleibt Handarbeit» ist im Übrigen kein von mir entwickeltes Konzept, sondern eine alte Tradition.

Margarete Stokowski"

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16 Kommentar/e

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  • Phil

    Phil

    Mir kommt die ganze Sache ein wenig aufgebauscht vor. Auf der einen Seite der Buchhändler, der sich in seiner (unternehmerischen) Ehre verletzt fühlt und ganz "Unternehmer-like" ohne Rücksicht auf Verluste mal auf den Tisch haut, auf der anderen Seite eine Autorin, die sich irgendwie zickig und von oben herab belehrend verhält - so meine Wahrnehmung.
    Wie so oft heutzutage, hätte man die Angelegenheit wohl klären können, wenn man mal direkt miteinander gesprochen und nicht nur über Mails kommuniziert hätte.
    Ich habe vor mehr als 16 Jahren meine Ausbildung bei der Buchhandlung Lehmkuhl in München (noch unter dem damaligen Eigentümer Herrn Schumacher) absolviert und bin glücklich darüber, nicht nur eine einfache kaufmännische Ausbildung erhalten sondern eben auch wichtige Werte vermittelt bekommen zu haben. Wie oft haben wir im Kollegenkreis entsetzt über weltpolitische Dinge gesprochen oder sind auch zusammen aktiv auf Demonstrationen gegen rechts gegangen? Auch wird man bei Lehmkuhl einen Thilo Sarrazin sicherlich nicht stapelweise direkt am POS finden, wie es in vielen anderen Buchhandlungen hierzulande ist. Dass diese Buchhandlung nun öffentlich als "Nazi-Laden" beschimpft wird, lässt mich fassungslos zurück. Ich finde die Äußerungen von Frau Stokowski daher arrogant.
    Auch bei einem Disput mit dem Veranstalter hätte man sich eben als gebildete Person (die ja Frau Stokowski offensichtlich sein will) mehr über diese Buchhandlung (die nicht nur in München als wichtige kulturelle Einrichtung geschätzt wird) informieren bzw. das persönliche Gespräch suchen sollen. Ich verstehe zudem dann auch nicht, warum Frau Stokowski bspw an der Buchmesse Frankfurt teilgenommen hat, wo eben auch rechte Verlage vor Ort waren und eine deutlich höhere Wahrnehmung erhalten? Dann hätte man eben auch hier eine Teilnahme absagen müssen - konsequent ist anders....

  • Buchhändler

    Buchhändler

    Ich finde es großartig von Frau Stokowski, den Mut zu haben, in einer Buchhandlung, in der rechte Literatur zum Kauf angeboten wird, ihre Lesung abzusagen.
    Ich, als Buchhändler, teile die Meinung der Autorin, dass rechte Literatur nicht aktiv angeboten werden muss um Diskussion und Informationsmöglichkeit zu ermöglichen um somit quasi Neutralität zu wahren. Mir genügt auch nicht ein Schild 'Neue Rechte - Altes Denken' am Regal, welches fast museal wirkt, als wäre die Sache vorbei.
    Ich kenne aus vielen Streitgesprächen mit Kunden, die verärgert reagieren, dass in meinem Sortiment keine Titel vom Kopp Verlag zu finden sind oder aber der Titel 'Finis Germania' fehlte. Ihre Argumentation lautete, wie die von Herrn Lemling, 'dass man sich ein Urteil bilden müsse' - für mich fadenscheinige Begründungen.

    Titel wie diese, werden von mir, weder bestellt noch im Laden verkauft, dazu stehe ich und finde die Haltung von Frau Stokowski vorbildlich.

  • fia

    fia

    Liebe(r) Herr (Frau) Phil,
    etwas mehr sprachliche Sorgfalt ist auch hier angebracht: Frau Stokowski hat an keiner Stelle die Buchhandlung als (von Ihnen als Zitat gesetzt) "Nazi-Laden" beschimpft, sondern ist lediglich der Ansicht, dass man diese rechten Autoren nicht auch noch finanziell durch Buchverkäufe unterstützen muss. Als freier Mensch darf sie darüber entscheiden, wo sie ihre Lesungen halten möchte.
    (Und mit der Sache an die Öffentlichkeit zu gehen, war Herrn Lemlings Entscheidung.)

  • Gödecke

    Gödecke

    Da wird mir doch etwas mulmig, denn wer wird auf mittlere bis längere Sicht oder überhaupt die Definitionsmacht darüber haben, was "rechts" ist???

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Wenn man sich aktiv für Meinungsfreiheit einsetzt, auch weil man überzeugt ist, dass das Gespräch und die Auseinandersetzung mit Worten und Argumenten zentrale Bausteine für eine besserer Welt sind, dann steht man vor einem Dilemma. Kämpft man dafür, dass auch Meinungen publiziert werden dürfen, die man selbst ablehnt? Oder kämpft man nur für die Meinungen, die man selbst teilt? Im Sinne des schönen Zitats von Rosa Luxemburg "Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden" ist das der Unterschied zwischen Parteinahme und dem Kampf für Meinungsfreiheit. Jeder Buchhändler hat das Recht, sein Sortiment nach seinen Ideen, politischen Zielen, seiner Religion oder seinen Überzeugungen auszurichten und damit auch anderes wegzulassen. Das ist die eine Position. Man hat aber auch die Möglichkeit, sich der Aufklärung verpflichtet zu sehen und damit nicht als Parteigänger am Wettstreit der Ideen teilzunehmen, sondern den Wettstreit überhaupt möglich zu machen. Beide Positionen sind legitim. Schließlich brauchen wir den Streit der Ideen und gleichzeitig auch die Bedingungen für den Streit der Ideen. Es ist leider immer so, dass derjenige, der dafür kämpft, dass auch andere Meinungen ein Podium bekommen können dafür beschimpft wird und man ihn dann als Parteigänger verunglimpft. Das ist dumm, aber es läuft halt seit hunderten von Jahren so. Da werden die Menschen auch nicht klüger.

  • Manfred Keiper

    Manfred Keiper

    Ich habe auf der Leipziger Buchmesse 2018 mit Michael Lemling in Podium einer entsprechenden Diskussionsveranstaltung gesessen, wir sind gefragt worden genau danach, wie wir es mit "rechter" Literatur in unseren Buchhandlungen halten. Im Gegensatz zu Michael Lemling verweigere ich mich der Präsenz rechtsradikaler Literatur in meiner Sortimentsbuchhandlung. "Sortiment" heißt Auswahl, und es meine Aufgabe, diese zu treffen. Es macht die Vielfalt des Buchhandels aus, dass viele unterschiedliche KollegInnen für unterschiedliche Sortimente=Auswahlen sorgen, sofern sie nicht von Filialketten geschluckt oder verdrängt werden. Das macht das jeweilige Profil einer Sortimentsbuchhandlung aus. Ich habe mich dagegen verwahrt, dass hierbei von irgendeiner Art Zensur geredet werden kann. Und für dieses Profil ist die jeweilige Buchhandlung verantwortlich, wirbt damit um KundInnen und Erfolg. Aus denselben Motiven, die Frau Stokowski genannt hat, lehne ich es ab, entsprechende Literatur für mein Sortiment auszuwählen, aber auf Wunsch kann ich all dies besorgen und tue dies auch, denn ich bin Dienstleister, im Dienste von Meinungs- und Informationsfreiheit, im Dienst einer offenen Gesellschaft. Ich befürworte ihn zwar nicht, aber ich akzeptiere den andersartigen Anspruch von Michael Lemling. Jeder von uns hat dies gegenüber seinen KundInnen, seinen Gästen aller Art (und auch seinem Unternehmen mit den MitarbeiterInnen) zu verantworten. Da muss man akzeptieren, wenn KundInnen wegbleiben - oder auch AutorInnen, auch den Applaus, egal, aus welcher Richtung er kommt. Der gegenseitige Respekt voreinander und die unterschiedlichen Motive verbieten es m.E., diese deshalb in irgendeiner Form anzuklagen. Die Gründe für meine Einstellung zu den Dingen hatte ich im März in Leipzig dargelegt - ich habe in meiner Buchhändlerlaufbahn zwei neonazistische Brandanschläge erleben müssen -, ich erwarte aber von niemand anderen, dass er sich erklären muss für seine Einstellung und seine Entscheidung. Das alles sagt erst einmal nichts darüber aus, ob und wie ich mich mit dem Gedankengut Andersdenkender auseinandersetze, aber wer meint, darüber aus der Distanz urteilen zu müssen, muss u.U. mit Gegenwind rechnen.

  • ReBe

    ReBe

    Wir waren lange Zeit Buchhändler und für uns galt: Wir führen ein Sortiment. D.h. wir kaufen nicht wahllos ein sondern präsentieren den Kunden die Bücher, hinter denen wir (zumindest einigermaßen) stehen können. Das waren möglichst solche Titel, die zur Selbst-Reflexion, zur Nachdenklichkeit, zur Weitung des Horizonts, zur Offenheit und Lust des Denkens anregten egal ob Sachbuch oder Belletristik. Bücher, die dagegen mit Angstmache und Demagogie den Blick einengen und die Gedanken stumpf machen, haben wir soweit möglich nicht ins Sortiment aufgenommen. Das geht nicht lupenrein - aber Kopp und Antaios sind schon relativ einfach zu identifizieren.

  • Rolf Mueller

    Rolf Mueller

    Rechtes Gedankengut wird in Politik und Gesellschaft bereits viel zu sehr toleriert und normalisiert. Da kann ich Frau Stokowski nur zustimmen. Man muss, um Rechte bekämpfen zu können, nicht ihre Werke kennen, sondern unsere Verfassung. Ich bin dafür, das Grundgesetz noch viel nachdrücklicher durchzusetzen. Und das heißt für Rechte nicht Diskurs, sondern Verbot. Bei der Holocaust-Leugnung geht es doch auch.

  • Lesesaal Buchhandlung

    Lesesaal Buchhandlung

    Als unabhängige Buchhandlung mit Betonung auf unabhängig empfinden wir es als eine unserer wichtigsten Aufgaben und geradezu eine Pflicht zu entscheiden, welche Bücher wir verkaufen bzw. einkaufen und welche nicht. Wir verkaufen nicht um jeden Preis. Margarete Stokowski hat vollkommen Recht mit ihrer Meinung, diesen Verlagen und Meinungen kein Forum bieten zu müssen. Wer sich informieren möchte, kann man das wunderbar im Netz tun. Aufgrund dieser Möglichkeit der freien Entscheidung bei der Bücherwahl können wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das freie Wort zu schützen in seiner Vielfalt und ohne Ausgrenzung.

  • Andreas Séché

    Andreas Séché

    Wenn zwei Meinungen sich widersprechen, schließen wir daraus immer, dass dann wohl die eine richtig und die andere falsch sein müsse. Doch die Idee, dass man rechtsradikale Gedanken kennen muss, um sie hinterfragen zu können, ist genauso legitim wie die Überzeugung, dass man rechtsextremes Gedankengut schwerlich bekämpfen kann, indem man zu seiner Verbreitung beiträgt.
    Margarete Stokowski hat sich um einen Meinungsaustausch mit der Buchhandlung bemüht – aber Austausch bedeutet ja nicht, dass man am Ende seine eigene bisherige Meinung gegen die des anderen austauscht. So wie die Buchhandlung weiterhin rechte Bücher präsentieren darf, darf die Autorin weiterhin selbst entscheiden, ob dies das richtige Podium für sie selbst ist.

    Ich persönlich finde, dass unverblümtes fremdenfeindliches Originalgedankengut in Internetzeiten auch ohne Präsentation in einer Buchhandlung nicht gerade Mangelware ist. Auf Facebook haben die ersten AfD-Seiten die Sache übrigens schon aufgegriffen und rühren bereits die Werbetrommel für die Buchhandlung. Ich gehe nicht davon aus, dass sie damit auf die im Laden ausliegenden rechtskritischen Bücher abzielen.

  • Voltaire

    Voltaire

    Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber ich werde mich dafür totschlagen lassen, dass sie sie sagen dürfen.

  • Jörg Robbert

    Jörg Robbert

    Ich stimme meinem Kollegen Manfred Keiper zu!
    Ich finde es konsequent und gut dass Frau Stokowski die Lesung abgesagt hat. Menschenfeindliche, antisemitische und rassistische Ideologie haben in einer offenen demokratischen Gesellschaft keinen Platz, dürfen nicht zur Normalität werden. Rassismus ist eben keine Meinung wie jede andere. Von daher verbietet es sich Rosa Luxemburg in dem Zusammenhang anzuführen denn Meinungsfreiheit hört z.B. da auf, wo Rassismus, Hass, und Gewalt gegenüber Minderheiten propagiert werden. Auch darauf macht die Lesungsabsage von Frau Stokowski aufmerksam.

  • Bernd Zabel

    Bernd Zabel

    Als Kunde der Buchhandlung Lehmkuhl bin ich dem Haus dankbar, dass es die Möglichkeit zur Information auch zu rechten Titeln bietet. Gekauft hätte ich die Bücher niemals, aber die Möglichkeit, Einblick zu erhalten, und sei es nur, um die schlimmsten Erwartungen bestätigt zu bekommen, ist begrüßenswert. Ungern lasse ich mich bevormunden, egal von welcher Seite. Viel zu wenig wird auf offene Auseinandersetzung, differenzierte Urteilsbildung und Aufklärung gesetzt. Mit Verboten und Absagen betreibt man nur unfreiwillig das Geschäft der Rechten. Wer auf die Stärke und Richtigkeit seiner Argumente setzt, hat ein solches Vorgehen nicht nötig. Frau Stokowski hätte ihre Sicht am Abend der Lesung vortragen und sich der Diskussion stellen sollen.


  • Horst

    Horst

    Was soll man davon halten. Da gibt es tatsächlich noch Buchhändler, die den wenigen Kunden, die noch in ihren Laden finden, inquisitorisch kommen. Belehrend, erziehend. So etwas führen wir nicht. Früher nannte man das Zensur, heute heisst es Haltung zeigen. Da muss man sich eine Geschichte ausdenken, wenn man Bücher kaufen möchte "ich brauche das für eine Analyse der Afd...", weil man antizipiert, dass man ansonsten als Kunde gilt, der nach Schmuddel-Lektüre fragt.

    All denen, die sich auf ihr Sortiment, ihre Auswahl berufen, sei ins Stammbuch geschrieben: Wenn ihr die Spiegel-Bestsellerliste an sich präsentiert, zweiundfünfzig Mal im Jahr, aber Sieferle und Sarrazin davon ausnehmt, dann ist das nichts anderes als Zensur.

    Das Land ist gespalten. Ein Teil des Meinungsspektrums wird in den klassischen Medien kaum noch abgebildet. Vor kurzem hat die taz die Probleme einiger Kleinverlage beleuchtet. Dass es prosperierende junge, allerdings politisch konservative Verlage gibt, hat sie mit keiner Silbe erwähnt. Warum auch. Man will nicht, dass sie stattfinden. Tatsächlich finden sie jedoch statt. Buchkäufer wissen das und haben ein feines Gespür für Bevormundung.

    Lehmkuhl macht alles richtig. Politische Willensbildung findet zwischen Links, der Mitte und Rechts statt. Stokowski stampft wie ein unartiges Kind mit dem Fuß auf und will das Rechts lieber ignorieren, als zur Kenntnis zu nehmen und zu argumentieren. Apropos aufstampfen: Es würde mich nicht wundern, wenn Lehmkuhl demnächst mal Besuch von der Antifa bekommt. Die mögen solche Aktionen. Bestrafe einen, erziehe hunderte.

    Die Kernbotschaft der unsäglichen Frau Stokowski lautet: Ich lese nicht bei Lehmkuhl. Der Subtext an ihre Leser und Zuhörer: Kauft nicht bei... (hier bitte Selbstgedachtes einfügen). Wehret den Anfängen.

  • Hans

    Hans

    Mal kurz zur Begriffsklärung: Zensur bezieht sich auf staatliches bzw. behördliches Handeln, politische Verbote. Ein Blick in den Duden genügt dafür. Der Nachweis, wo das in der aktuellen Diskussion zutrifft, dürfte schwerlich zu führen sein.

    Wer sich hier über Zensur beschwert, zeigt damit höchstens seine Anfälligkeit für Verschwörungstheorien, und Horst beweist die eigene Gesinnung mit Verweis auf Antifa und den geschichtsrelativierenden Vergleich zwischen Rechten heute und systematischer Verfolgung und Entrechtung von Juden.

    Die Verbreitung und Akzeptanz solcher geschichtsrelativierenden Positionen kommt übrigens auch von einem "normalisierenden" Umgang mit rechten Positionen.

  • Jörg Robbert

    Jörg Robbert

    Horst
    1. "Die wenigen Kunden" Wir hab viele und es werden mehr. dem inhabergeführten Buchhandel geht es gut https://www.boersenblatt.net/artikel-umsatzentwick lung_im_buchhandel.1543596.html
    2. "Wer Spiegel Bestsellerliste...." Machen wir nicht, wir suchen uns sehr genau aus welche Bücher wir für unsere Kunden einkaufen. Deshalb siehe 1. und deshalb 2. sind wir so vielfältig originell und in der Gesellschaft verankert! https://www.deutscher-buchhandlungspreis.de
    3. "Das Land ist gespalten" Sie möchten unterstellen es gäbe 2 (gleich große) Lager, dem ist nicht so. Es gibt aber in der Tat einen rechten Rand. Die Mehrheit hat in Berlin und München und Hamburg und Hambach und überall in der Republik für Weltoffenheit Menschlichkeit und eine offene Gesellschaft Flagge gezeigt. Von Rechtsaußen wird keine der Zukunftsfragen unserer Gesellschaft beantwortet. Ich empfehle zur Lektüre "Jäger Hirten Kritiker" von Richard David Precht.

    Hätten Sie die Ausführungen von Frau Stokowski aufmerksam gelesen, hätten Sie selbst gemerkt wie sehr Sie mit den letzten beiden Absätzen daneben liegen.

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