Mit starken Komplizen Krimi-Kaufimpulse schaffen

Heiße Ware

Krimis verkaufen sich nicht von selbst. Persönliche Tipps, fantasievolle Präsentation und originelle Events können helfen. CORNELIA BIRR

 Direktlieferung aus der JVA: Produkte aus dem "Projekt Santa-Fu"

Direktlieferung aus der JVA: Produkte aus dem "Projekt Santa-Fu" © Taraxacum

Peter Gerdes von der Krimibuchhandlung Tatort Taraxacum im ostfriesischen Leer hat 20 Jahre Erfahrung als Veranstalter, und das kommt auch seinen Kunden zugute. Fast jede Woche findet in dem Laden, den er gemeinsam mit Ehefrau Heike Gerdes betreibt, eine Veranstaltung statt: eine bunte Mischung aus Autorenlesungen ("neuerdings trauen wir uns auch an große Namen wie Simon Beckett oder Arne Dahl"), Konzerten ("Blues, Folk, Liedermacher") und Krimidinners. "Wir schaffen Anlässe, von denen sich die Leute einen Mehrwert versprechen, damit wir nicht nur als Laden wahrgenommen werden, sondern als Erlebnis", erklärt Gerdes.

Zudem bietet der studierte Germanist, der selbst schon etliche Krimis und Anthologien veröffent­licht hat, seit Jahren "kriminelle" Hafenrundfahrten und Bustouren an, auf denen er aus regionalen Krimis liest und mit Anekdoten zu Land und Leuten aufwartet. Während der samstäglichen Rundfahrten bleibt die Buchhandlung, die nur etwa 200 Meter von der Anlegestelle entfernt ist, bis abends geöffnet: "Wer Lust hat, kann im Anschluss gleich mitkommen. Das belebt das Geschäft natürlich."

Im Laden selbst gibt es viel zu sehen. Was mit ein paar Polizeiuniformen und Mützen als Deko begann, ist inzwischen zu einer stattlichen Sammlung einschlägiger Artikel angewachsen, von Handschellen in verschiedenen Ausführungen bis hin zu Helmen aus der Kaiserzeit. Passend dazu verkauft das Ehepaar krimiaffine Produkte aus dem Non-Book-Bereich, wie etwa die Tatort-Reihe von Moses, aber auch echt "Kriminelles": Aus der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel kommt beispielsweise das Spiel "Knast, Land, Fluss" ("wie Stadt, Land, Fluss, nur mit Kategorien wie Fluchtfahrzeug und Alibi"). In der Auslage dominieren Longseller. Bestseller könne man am Bahnhof oder in der Einkaufszone kaufen, sagt Gerdes: "Dafür braucht man keinen Krimiladen. Wir setzen auf Beratung und die gesamte Backlist. Wenn jemand sich in einen Autoren eingelesen hat, kriegt er bei uns noch mehr."

Und dann gibt es da noch das angeschlossene Café und ­Restaurant. Beide greifen das Krimithema auf – mit Filmplakaten und Gerichten, die "Verfahrenseröffnung" oder "Mord im Grünen" heißen. Buchhandlung und Gastronomie sollen sich gegenseitig beflügeln, und der Plan geht auf: "Im idealen Fall gehen die Leute, die zu unseren Veranstaltungen kommen, vorher was essen, besuchen die Lesung und nehmen anschließend noch ein Buch mit", so Gerdes.

So oder so: Gefragt sind Strategien, wie man Kunden in die Buchhandlung bekommt, resümiert Peter Gerdes. "Wir brauchen ein Stammpublikum und wir brauchen Touristen. Also müssen wir in den großen Ferien so lange wie möglich offen haben, samstags mindestens bis 18 Uhr, sonntags am besten nachmittags auch noch mal. Da wir Tourismusartikel anbieten, können wir unsere Öffnungszeiten anpassen." Für Stammkunden geht man auch mal neue Wege. Ein Kunde durfte seiner bücherbegeisterten Ehefrau eine halbe Stunde allein im Buchladen mit Shoppen nach Belieben schenken, gefolgt von einem Candlelight-Dinner, ebenfalls im Laden: "Das Ganze hat sich aus einer vorsichtigen Anfrage dieses Kunden zu einer guten Idee entwickelt. Mal schauen, ob wir dafür noch mehr Interessenten finden!"

Kontakt zum Ideengeber

Tatort Taraxacum

Peter Gerdes

buchhandlung@tatort-taraxacum.de

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