Neue Waren und Retouren in der Müllpresse

Droht Amazon ein neuer Skandal?

Der Onlinehändler Amazon würde massenhaft Retouren und neuwertige Produkte vernichten, berichtet das ZDF-Magazin "Frontal 21" und die "WirtschaftsWoche". Interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern sollen belegen, dass in großem Umfang Güter aller Art in den deutschen Logistiklagern entsorgt werden. Am Dienstagabend widmet "Frontal 21" dem Thema einen Beitrag.

Tatort Müllpresse: im Amazon Versandzentrum landen nicht nur Retouren, sondern auch neue Produkte hier

Tatort Müllpresse: im Amazon Versandzentrum landen nicht nur Retouren, sondern auch neue Produkte hier © Frontal 21

Neben Kühlschränken, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel landen nach Erkenntnis der „Frontal 21“-Redaktion auch Bücher in der Müllpresse, wie eine "Frontal 21"-Redakteurin gegenüber boersenblatt.net bestätigt.

Im Beitrag, der am Dienstag, 12. Juni um 21.00 Uhr ausgestrahlt werden soll, berichtet eine Amazon-Mitarbeiterin, dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe. Mehrere Beschäftigte kritisieren übereinstimmend, Amazon entsorge nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern zerstöre auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte.


"Versandmethode Destroy" oft genutzt

Deutschlands größter Onlinehändler biete auch externen Anbietern, die den Logistikservice "Versand durch Amazon" nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte Lagerbestände zu entsorgen. Interne Dokumente zeigen laut „Frontal 21“, dass der Service offenbar rege genutzt wird. Auf Produktlisten, die "Frontal 21" und der "WirtschaftsWoche" vorliegen, tauchen zum Beispiel Kinderturnschuhe, Kopfhörer sowie Hunderte weitere Artikel auf – für einen einzigen Tag, in einem einzigen Lager.

Amazon bestreitet laut „Frontal 21“ die Vernichtung von Waren nicht, teilte aber mit, das Unternehmen arbeite jeden Tag an der Verbesserung von Prozessen, um "so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen".

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, hat Amazon aufgefordert, die Vorwürfe aufzuklären. "Das ist ein riesengroßer Skandal, denn wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit." Und weiter: "Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden", so Flasbarth.

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8 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Matthias Scholz

    Matthias Scholz

    Wieder ein Grund mehr nicht bei Amazon einzukaufen.

  • H. Rehse

    H. Rehse

    Einkäufe bei amazon meide ich und werde es auch künftig tun. Selbst vor amazon hatte ich in der Großstadt immer genügend Angebote für alle Produkte, speziell für Bücher!

  • A. Jahn

    A. Jahn

    Welch Überraschung, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und plötzlich ist das Wegwerfen ein Skandal? Ich weiß nicht, was trauriger ist: Dass das Wegwerfen Normalität ist oder dass das Umweltministerium dies jetzt erst für einen Skandal hält. Auch die Buchbranche ist davon leider nicht ausgenommen. Die Ressourcenverschwendung auf einen einzelnen Händler abzuwälzen, selbst wenn es amazon ist, ist blauäugig.

  • Joachim Herbert

    Joachim Herbert

    Was macht der Buchhandel mit unverkäuflicher Ware?

  • Kilian Kissling

    Kilian Kissling

    @Joachim Herbert: Der Buchhandel retourniert unverkäufliche Bücher an den Verlag. Dieser kann die Retouren dann je nach Zustand zum vollen oder zum ermäßigten Preis (Mängelexemplar) erneut zum Verkauf anbieten.

  • Neo

    Neo

    Willkommen in der Wegwerfgesellschaft... Was Amazon da macht, ist kein Skandal, sondern Normalität. Und diese Normalität ist der Skandal, weil überall vermeintlich überflüssige Produkte weggeworfen werden. Ich möchte den Blick da insbesondere auf die Lebensmittelindustrie lenken. Das Problem ist nicht Amazon. Das Problem ist die Gesellschaft. Aber es tut wahrscheinlich gut, sich hin und wieder einen Sündenbock rauszupicken. Mit Amazon kann man es ja machen... Das ist so peinlich, dass es fast lustig ist, wenn der ganze Ausmaß nicht so traurig wäre.

  • Reisender

    Reisender

    Das ist überhaupt kein Skandal, Amazon hat hier nur das in der Buchbranche weithin bekannte Prinzip der "körperlosen Remission" (=wir werfen's für Euch weg, Ihr storniert die Rechnung) auch auf Non-Books ausgedehnt...

  • Stefan

    Stefan

    @Kilian Kissling
    Und was machen die Verlage, wenn sie Ihre Bücher trotz Rabatt nicht verkaufen?!
    In den anderen Märkten heißt es "vernichten". Der Buchhandel nennt es "makulieren"...

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