Novitäten: Sachbuch

Politisch motiviert

Migration und Populismus, Pflegereform und Arbeitsrecht: Die globale Großwetterlage, aber auch der deutsche Gesetzgeber liefern den Verlagen jede Menge Stoff für Neuerscheinungen und Aktualisierungen.  VON SUSANNE BROOS

»Wir sind uns sicher, dass die Themen Flucht, Migration und Zuwanderung die Verlagsbranche weiter intensiv beschäftigen werden«: Das hat Martin Reichinger, Programmleiter ­Sozial- und Geisteswissenschaften bei ­Nomos, zum Start von »Z’Flucht« deutlich gemacht. Die »Zeitschrift für Flüchtlingsforschung« (www.zflucht.nomos.de) ist interdisziplinär ausgerichtet und soll künftig zweimal jährlich im Nomos Verlag erscheinen, die erste Ausgabe ist für Mai angekündigt. 

Wie viele gesellschaftliche Bereiche diese Themen berühren, zeigt auch ein Blick in die aktuellen Buchprogramme der Verlage. So versammelt der Band »Ethik der Migration« Schlüsseltexte der Philosophie, etwa von Joseph Carens und Peter Singer (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, August, 250 S., ca. 18 Euro). Ziel ist es, einen Überblick über die wichtigsten Positionen zu geben, die im Streit um eine ethisch gerechtfertigte Migra­tionspolitik vertreten werden. 

Der »Atlas der Umweltmigration«, herausgegeben von Dina Ionesco, Daria Mokhnacheva und François Gemenne (­oekom, 176 S. 22 Euro), erweitert das gängige binäre Verständnis vom Migration – wer aus politischen Gründen kommt, ist ein Flüchtling, wer aus wirtschaftlichen Gründen kommt, ein freiwilliger Migrant – um einen weiteren Aspekt: die Umweltmigration. Damit soll keine neue Kategorie etabliert werden, sondern vor allem die Aufmerksamkeit auf einen nicht neuen, aber lange vernachläs­sigten Faktor gelenkt werden, der in Zukunft wohl eine noch größere Rolle spielen wird. 

Der oft überhitzen, hochemotionalen Migrationsdebatte etwas mehr Gelassenheit entgegensetzen: Das ist das Ziel des Buchs »Zum Umgang mit Migration. Zwischen Empörungsmodus und ­Lösungsorientiertheit«, herausgegeben von Ursula Gross-Dinter, Florian Feuser und Carmen Ramos Méndez-Sahlender (transcript, Juli, ca. 250 S., 32,99 Euro). Ausgelotet werden sollen, sowohl in der theoretischen Diskussion als auch in der praktischen Anwendung, der Status quo, aber auch die Bedingung für erfolgversprechende Wege in die Zukunft.

»Neuen Aufgaben in Psychiatrie und Psychotherapie« widmet sich laut Untertitel der Band »Migration und Transkulturaliät« von Graef-Calliess /  Schouler-Ocak (Schattauer, 400 S., 69,99 Euro). Eine Standortbestimmung, die eine interkulturelle Öffnung des psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgungssystems zum Kernthema macht und eine neue Haltung der Transkulturalität jenseits kultureller Zuschreibungen fordert. 

Praxiswissen für Betreuer  Als »Leitfaden für die Betreuungspraxis« versteht sich das Buch »Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund«, herausgegeben von Ali Türk und Ramazan Salman (Bundesanzeiger Verlag, Juni, ca. 300 S., 39 Euro). Denn auch das Betreuungswesen muss sich neuen kulturellen, sprachlichen und rechtlichen Herausforderungen stellen. Erläutert werden unter anderem bewährte Praxiskonzepte in der Betreuung von Menschen aus anderen Herkunftsländern, abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Arbeitshilfen, Check­listen und Muster für den alltäglichen Gebrauch. 

Die juristische Perspektive bestimmt das erstmals aufgelegte »Handbuch Migration« von Kurt und Martin Schelter (Hermann Luchterhand Verlag, November, ca. 400 S., ca. 58 Euro). Es führt ein in das Flüchtlings-, Asyl- und Ausländerrecht sowie in weitere einschlägige Vorschriften – und will so in kompakter Darstellung das Wissen abdecken, das die von Migrationsfragen betroffenen Institutionen und ihre Mitarbeiter benötigen.

Migranten jeder Couleur sind den Rechtspopulisten ein Dorn im Auge, sie wollen »das christliche Abendland« retten und agitieren gegen den Islam und die Europäische Union. Ihr Erstarken ist europaweit zu be­obachten. Die Geschichte dieses Phänomens beleuchtet der Band »Rechtspopulismus« von Frank Decker, Hans-Georg Wehling und Reinhold Weber (Kohlhammer, 4. Quartal, 140 S., ca. 24 Euro). Aufgezeigt wird zudem, welche Konsequenzen und welches Handeln der Rechtspopulismus in Europa aus politikwissenschaftlicher Sicht erfordert. 

Warum antidemokratischer Fundamentalismus, Terrorismus und Gewaltmilieus zunmehmen: Darum geht es auch in dem Buch »Populismus und Extremismus in Europa. Gesellschaftswissenschaftliche und sozialpsychologische Perspektiven«, das von Winfried Brömmel, Helmut König und Manfred Sicking herausgegeben wird (transcript, Juli, ca. 200 S., ca. 19,99 Euro). 

Konstant nationalkonservativ sind auch die Ansichten Wladimir Putins; der Kreml pflegt Verbindungen zu nationalistischen Parteien Europas und in die postsowjetische Gesellschaft ist die Angst zurückgekehrt. »Russian Angst« hat der Journalist Thomas Franke sein Buch genannt, das »Einblicke in die postsowjetische Seele« gibt (Edition Körber Stiftung, 256 S., 18 Euro). 

Die Strukturen des autokratischen Systems kritisch unter die Lupe nimmt der Russlandexperte Manfred Quiring. In seinem Buch »Putins russische Welt« (Christoph Links Verlag, 264 S., 18 Euro) analysiert er, wie der Kreml versucht, Europa zu spalten und dabei auch vor hybrider Kriegsführung und Cyberattacken nicht zurückscheut. 

Wissenschaftliche Impulse für die sicherheitspolitische Debatte liefern will die neue, interdisziplinär aufgestellte Zeitschrift »Sirius, Zeitschrift für strategische Analysen«. Publiziert wird sie von De Gruyter und der Stiftung Wissenschaft und Demokratie; die erste Ausgabe bereitet unter anderem den momentanen Forschungsstand zum Thema Radikalisierung auf.

Nicht nur die weltpolitische Lage, sondern auch der deutsche Gesetzgeber ist Taktgeber für Neuerscheinungen und Aktualisierungen – allen voran die Pflegereform. »PSG II, PSG III. Pflegereform 2017: Das neue SGB XI« (Walhalla Fachredaktion, 2. Aufl., 512 S., 29,95 Euro) ist eine vergleichende Gegenüberstellung, damit etwa Sozialrichter und Berater von Pflegeeinrichtungen den Übergang vom alten zum neuen Recht gut bewältigen können. 

Das Handbuch »Pflegereform 2017 in der juristischen Praxis« von Weber / Brünner / Philipp (C. H. Beck, 152 S., 59 Euro) liefert alle Fakten zu den neuen Pflegegraden und dem neuen Begutachtungssystem. Auf der Höhe der Zeit ist auch das Buch »Pflegerecht« von Prof. Dr. Peter Baumeister und Prof. Dr. Constanze Janda (Nomos, Juni, ca. 250 S., 22 Euro). Es widmet sich den wesentlichen Aspekten der sozialen Pflegeversicherung und angrenzender Rechtsgebiete und richtet sich an Studenten, die darin auch Musterklausuren finden – und an Praktiker, die sich einen aktuellen Überblick verschaffen wollen. 

Viele Menschen haben mittlerweile eine Patientenverfügung oder erteilen Angehörigen oder Freunden eine Vorsorgevollmacht. Solche Dokumente müssen jedoch rechtssicher erstellt werden. Was dabei zu beachten ist, erläutert das »Praxishandbuch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Rechtsgrundlagen, Gestaltung, Einsatz« von Sonja Hecker und Bernd ­Kieser (Bundesanzeiger Verlag, Juni, ca. 300 S., 49 Euro). Mit kommentierten Mustern, Checklisten und Expertentipps hilft es dabei, den eigenen Willen festzuschreiben.

Für Unternehmen und Betriebsräte ist es unabdingbar, arbeitsrechtlich auf dem neuesten Stand zu sein. Komplett überarbeitet, neu strukturiert und entschlackt wurde das »Handbuch Arbeitsrecht« von Michael Kittner, Bertram Zwanziger und Olaf Deinert (Bund-Verlag, Juni, 9. Aufl., ca. 3 000 S., ca. 169 Euro). Es hat stets die Arbeitnehmerposition im Blick, berücksichtigt werden neue Entwicklungen wie Crowdworking und Industrie 4.0, zudem bietet das Standardwerk Zugang zu einer Online­datenbank mit zahlreichen digitalen Arbeitshilfen.

Das aktualisierte Nachschlagewerk »Praxiswissen Arbeitsrecht« von Thomas Muschiol (Haufe-Lexware, Sommer, 3. Aufl., 700 S., 49,95 Euro) umfasst ebenfalls nützliche Online-­Arbeitshilfen und will seine Leser in die Lage versetzen, stets korrekte Entscheidungen treffen zu können. Denn jeder Fehler kann hier richtig teuer werden. 

Ebenfalls neu bearbeitet und erweitert wurde das »Anwalts-Formularbuch Arbeitsrecht« von Bauer / Lingemann / Diller / Haußmann (Verlag Dr. Otto Schmidt, 6. Aufl., 1 530 S., 119 Euro). Es enthält neben Erläuterungen und Praxistipps mehr als 400 Muster, neu sind etwa Muster zu Familienpflegezeit und Mindestlohn.

Novelliert wurde ferner das Mietrecht. Über die zwischenzeitlich ergangene Rechtsprechung informiert die neue Auflage des Buchs »Mietrecht. Großkommentar des Wohn- und Gewerberaummietrechts« von Schmidt-Futterer (C. H. Beck, Juli, 13. Aufl., ca. 3 000 S., ca. 170 Euro), das auf dem Rechtsstand von Winter 2016 / 2017 ist. Tipps für Immobilienkäufer hält hingegen der »Praxisratgeber Grunderwerbsteuer« von Martin Figatowski bereit (Walhalla und Praetoria, 168 S., 14,95 Euro) Beispiele, Formulierungshilfen und praktische Gestaltungshinweise machen es möglich, den rechtlichen Rahmen wirklich auszuschöpfen. 

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