Online-Buchhandel

Sind Verleger die besseren Buchhändler?

Der Verlag Klett-Cotta nimmt den Buchverlauf in die eigenen Hände. Ist das eine gute Idee? Ein Buchhändler sagt: Nein, einem Schriftsteller hingegen geht das nicht weit genug. Eine Diskussionsrunde des Börsenblatts auf der Leipziger Buchmesse. VON HOLGER HEIMANN

Nicht erst seit der veritablen Weltbild-Krise und dem vergleichsweise etwas weniger eruptiven Strategieschwenk bei Thalia, der Schließung und Verkleinerung von Filialen, ist die Not unter den deutschen Verlagen größer geworden. Und vielleicht stimmt ja der Satz, dass dann oft auch das Rettende erdacht und mithin Auswege gefunden werden.

Ob es eine wirklich lohnende Alternative ist, wenn Verlage selbst das Geschäft des Bücherverkaufs übernehmen, muss sich noch weisen. Die Idee jedenfalls ist einmal mehr in der Welt. Mehr noch: In einem Projekt des Klett-Cotta Verlags nimmt sie gerade ganz handfest Gestalt an. Ab dem Sommer soll die Online-Plattform psychologiebuch.de für Interessierte zu besuchen sein. Und es ist kein Zufall, dass der Stuttgarter Verlag ein solches Angebot gerade für sein Fachbuchprogramm ins Leben ruft, denn dieses ist in allzu vielen Läden zur Marginalie degradiert worden – so jedenfalls die Analyse der Initiatoren der Plattform. Das Angebot, das sich nicht nur auf das Psychologieprogramm des Stuttgarter Verlags beschränkt, sondern die einschlägigen Titel aller auf dem Gebiet tätigen Verlage offerieren will, richtet sich mithin an ein Fachpublikum, das in vielen Läden nicht mehr fündig wird.

Eine vom Börsenblatt veranstaltete Diskussion unter der Überschrift „Es geht auch ohne A. Der Verlag als Buchhändler im Netz am Beispiel von psychologiebuch.de“ (das A steht für Amazon) versuchte am Messefreitag in Leipzig nun die Frage, ob Verlage tatsächlich gut beraten sind, den Verkauf selbst in die Hand zu nehmen, vor dem Praxistest zu klären. Geladen waren der Vertriebs- und Marketingleiter von Klett-Cotta Ralf Tornow, der Braunschweiger Buchhändler Thomas Wrensch (Graff) und der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler.

Während Ralf Tornow den Plattform-Bau wenig überraschend mit dem spürbaren Rückgang der Verkäufe über das stationäre Sortiment verteidigte, fand sich in Thomas Wrensch ebenso selbstverständlich ein idealer Counterpart. Denn naturgemäß zeigte sich der Buchhändler wenig erfreut darüber, dass ihm nun unversehens Konkurrenz erwächst. Und genau als solche empfindet Wrensch den Vorstoß: „Es wird durch dieses Angebot schwieriger für uns, und man überlegt es sich natürlich genauer, ob man die Bücher dann noch ins Sortiment nimmt.“ Wrensch monierte, man hätte besser Kooperationsmodelle ersinnen und Bündnisse zwischen  Verlags- und Buchhandlungsseite schmieden sollen.

Für Kooperation warb auch Ulf Erdmann Ziegler, aber zuallererst für eine unter den Verlagen. Die 50 wichtigsten Verlagshäuser sollten sich zusammentun und den Buchverkauf selbst in die Hand nehmen und damit Amazon ein besseres und kompetenteres Angebot entgegensetzen. Ziegler träumt von Flagship-Stores: Klett-Cotta in Stuttgart, Hanser in München, Suhrkamp in Berlin.

Der Buchhändler Thomas Wrensch wurde ob solcher Visionen zusehends stiller und der Verlagsprofi Tornow schüttelte den Kopf: „Wir können das nicht, was Buchhändler tun. Was sollten von Verlagen betriebene Buchhandlungen überhaupt besser können als die Geschäfte, die es gibt?“Die Frage blieb unbeantwortet.

Das Nachdenken geht weiter.

1 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Vertriebswege vielleicht in Zukunft auf Plattformen Online.
    Und die Wege der Bücher so belassen, wie sie nun mal sind.
    Ich meine da jetzt Bücher in haptischer Form, denn sonst hätte der
    große Um- und Ausbau von Koch, Neff doch keinen Sinn.
    Und man soll gewachsene Dinge im Buchhandel jetzt nicht auf einmal in Frage stellen wollen.
    Da würden dann wieder wahrscheinlich Arbeitsplätze wegfallen.
    H. Kraft, München

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