Ratgeber Finanzen: Interview mit Gerd Kommer

50 Euro aufwärts

»Souverän investieren für Einsteiger«: Finanzexperte Gerd Kommer hat sein Know-how über börsengehandelte Fonds jetzt auch für Neulinge aufbereitet. Sind Bücher hier die richtigen Ratgeber? INTERVIEW: SABINE VAN ENDERT

Gerd Kommer, Finanzanlagenberater und Buchautor

Gerd Kommer, Finanzanlagenberater und Buchautor © Tanja Alde

Veränderungen bestimmen die Finanzbranche. Veralten Bücher da nicht viel zu schnell?
Das sehe ich nicht so. Zum einen ist der echte Fortschritt in der Finanzbranche im Unterschied zum Scheinfortschritt oder nur gefühlten Fortschritt gar nicht so rasant, wie wir alle glauben, und zum anderen brauchen Menschen gerade dann, wenn sie das Gefühl haben, dass Veränderungen sie überwältigen, Unterstützung dabei, das Wesentliche zu sehen. Das können Bücher besser als andere Formen medialer Kommunikation, insbesondere besser als das Internet.

»Kein Ratgeber«, »persönliche Meinung des Autors«, »keine Anlageempfehlung« – Ihrem Buch ist ein umfassender Haftungsausschluss vorangestellt, der nicht gerade zur Lektüre anregt ...
Diese Art von Disclaimer ist inzwischen normal und notwendig bei Finanzratgeberbüchern. Das hat damit zu tun, dass die gesetzlichen Vorschriften für die Haftung bei Fehlberatung im Finanz­sektor – zu Recht – in den vergangenen Jahren erheblich verschärft wurden.

Wie viel Geld sollte man für börsen­gehandelte Fonds zur Verfügung haben, damit sich die Anschaffung Ihres Buchs lohnt?
50 Euro im Monat sollten Sie übrig haben. Das ist das Minimum, um mit Exchange Traded Funds, kurz ETFs, sinnvoll langfristig Geld anzulegen und Altersvorsorge zu betreiben.

In zwei Sätzen: Was sind die Vorteile?
ETFs sind sowohl die einfachste als auch die kostengünstigste Möglichkeit, in Aktien und Anleihen zu investieren. Aktien wiederum sind die langfristig rentabelste aller Anlageformen – auch rentabler als Immobilien.

Warum gibt es so viele von diesen Fonds? Da muss man sich ja dann doch wieder entscheiden …
Im deutschsprachigen Raum werden etwa 1 300 ETFs an Privatanleger vertrieben. Ja, das ist sehr viel und auf den ersten Blick unübersichtlich. Die intensive Konkurrenz zwischen den ETF-Anbietern hat zu dieser Vielfalt geführt und zur Unübersichtlichkeit beigetragen, aber zugleich auch dazu, dass alle, also auch ungewöhnliche Anlegerbedürfnisse, abgedeckt werden. Ebenso wichtig: Dieser Wettbewerb hat bewirkt, dass die ETF-Kosten seit 1993, als der erste ETF auf den Markt kam, dramatisch gefallen sind.

Wenn diese Fonds so gut sind – warum sind sie nicht längst viel stärker verbreitet?
Die Kosten für ETFs betragen nur rund ein Zehntel eines vergleichbaren konventionellen, »aktiv gemanagten« Investmentfonds. Banken, Finanzberater und Vermögensverwalter verdienen an ihnen viel, viel weniger als an den konventionellen Produktalternativen. Deshalb werden sie »normalen« Bankkunden gar nicht erst angeboten.

Und zum Abschluss: Welches Buch zum Thema hat Ihnen etwas gebracht?
Ich habe in meinem Leben vermutlich an die 500 Investment-Bücher gelesen. Gut gefallen hat mir Jeremy Siegels Klassiker »Stocks for the Long Run«. Die deutsche Ausgabe hat allerdings den eher schrägen Titel »Aktien für die Ewigkeit« (FinanzBuch Verlag).

Finanzratgeber

Vermögen mit ETFs: Gerd Kommer erklärt, wie man richtig investiert. Und wie man schlechte Entscheidungen vermeidet.
Gerd Kommer: »Souverän investieren für Einsteiger. Wie Sie mit ETFs ein Vermögen bilden«, Campus, 240 S., 19,95 €

Die 50 000-Euro-Frage: Erspartes clever aufteilen, den Aktienmarkt nutzen, Risiken minimieren – Tipps vom Expertenduo.
Rolf Morrien, Judith Engst: »Wie lege ich 50 000 Euro optimal an?«, FinanzBuch, 200 S., 14,99 €

Fit für den Ruhestand: Infos zu freiwilligen Beiträgen für volle Rentenbezüge, zu Flexi-Rente und Nachlass-Organisation.
Isabell Pohlmann: »Finanzplaner 60+«, Stiftung Warentest, 192 S., 19,90 €

Mehr zu Fachbüchern des RWS-Segments lesen Sie im Börsenblatt Spezial Recht, Wirtschaft und Steuern vom 29. November. 

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