Rationalisierung: Die IG PRO im Börsenverein - und ihre aktuelle To-do-Liste

Manchmal sind radikale Lösungen gefragt

Non-Books, E-Bundles, Kalender-Remissionen: Die IG PRO (Prozesse, Rationalisierung, Organisation) des Börsenvereins hat bei ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstag über weitere Rationalisierungsmöglichkeiten für die Branche disktuiert  - und Empfehlungen ausgesprochen.

Getagt hat die spartenübergreifende Arbeitsgruppe (seit der Verbandsreform: Interessengruppe) im Zentrallager von Thalia im thüringischen Hörselgau, das vom Dienstleister Rhenus betrieben wird. Eine Führung durch die Logistik des größten deutschen Buchhandelsfilialisten bildete denn auch den Auftakt des Sitzungstages.

Non-Books

Anschließend widmeten sich die Buchhändler, Zwischenbuchhändler und Verleger dem Thema Non-Books. Häufig gebe es dafür keine elektronischen Lieferscheine, die Produktdaten stimmen nicht und der Buchhandel habe es schwer, etwa Grußkarten per Internet gemeinsam mit Büchern (Geburtstagskarte zum Geschenkbuch o.ä.) zu verkaufen, so die gesammelten Erfahrungen. Bei den Non-Books müsse eine höhere Prozesskonformität erreicht werden, so die Auffassung der IG PRO.

In einem ersten Schritt haben Christoph Maris (Thalia) und Bernd Weidmann (Verlag Die Werkstatt) eine Liste von Non-Book-Arten erstellt, die für die Branche relevant sind. Im nächsten Schritt sollen Produktarten ausgewählt werden, für die die IG PRO Maßnahmen erarbeiten wird, damit die Produkte optimiert bearbeitet werden können.

E-Bundles

Im vergangenen Jahr haben die Bundles vielen in der Branche die Schweißperlen auf die Stirn getrieben, diese Zeit ist offenbar vorbei. "Ich sehe das E-Bundle-Thema nicht mehr als Problem, zumindest was das allgemeine Sortiment angeht", konstatierte etwa Sortimenterin Franziska Bickel, Vorsitzende der Interessengruppe. Sie habe das Gefühl, die Verlage hätten ihren Hausaufgaben gemacht.

Trotzdem muss an der einen oder anderen Stelle offenbar noch nachgearbeitet werden, wie Fachbuchhändler Michael Kursiefen (Schweitzer) darlegte. "Manche Warenwirtschaftsanbieter stoßen bei der Abbildung von E-Bundles an ihre Grenzen", so seine Einschätzung. Auch Verlage hätten in der Breite noch nicht alle verstanden, was zu tun ist, meint Kursiefen. Der Prozess sei "lang und schmerzhaft" und noch längst nicht abgeschlossen, auch was ausländische Verlage angehe.

VLB-TIX

In der Diskussion über das neue Titelinformationssystem kamen die Teilnehmer der IG PRO zu der Einschätzung, dass VLB-TIX offenbar noch nicht die erhoffte Akzeptanz der Buchhändler und Verlage finde. Die Gründe hierfür seien vielschichtig, so die Runde. Die Mitglieder der Interessengruppe wollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten recherchieren, ob sich hierfür Hauptgründe identifizieren lassen. Bei identifizierten weiteren Entwicklungsschritten werde die IG gern mitarbeiten, so die Mitglieder bei ihrem Treffen in Hörselgau.

Kalender-Remissionen

Folkert Roggenkamp (Delius Klasing) wies darauf hin, dass die Verlage viele unterschiedliche Regelungen bei der Kalender-Remission haben. Kalender hin- und herzuschicken hält er - wie die übrigen Mitglieder der IG auch - nicht für zielführend. Wie Roggenkamp sagte, wünsche sich das Sortiment durchweg "radikale" Lösungen in Form einer körperlosen Remission. Roggenkamp wird das Thema bei der nächsten Sitzung der IG Kalenderverlage einbringen.

Hardcover, Paperback, Taschenbuch

Ob Titel als Hardcover, Paperback oder Taschenbuch eingestuft werden – das legen die Verlage fest. Damit wird für sie grundsätzlich eine dreistufige Verwertung möglich. Auf alle drei Bestsellerlisten können die Bücher jedoch nicht kommen. Bislang ist nur die Belegung von zwei Listen möglich. Will man dieses System ändern? Diese Frage hatte die Verlagsgruppe Random House in den Ring geworfen und die Branche diskutiert bereits seit einigen Monaten darüber, ob ein Titel in alle Charts kommen können soll. Die IG PRO äußerte Zweifel, ob es sinnvoll sei, das bisherige System aufzubrechen. Kein Zweifel hingegen gebe es bei der Sinnhaftigkeit, drei Einstufungen eines Titels zu ermöglichen.

Mengenstaffel

Wenn Kunden mehrere Exemplare eines Buches bestellen, dann gibt es im Kommentar zum Preisbindungsgesetz eine klare Regelung, ob und welche Rabatte der Buchhändler dem Kunden geben darf. Buchhändlerin Anne v. Bestenbostel regte an, die Staffelpreise in Onix abzubilden. "Das erleichtert uns die Arbeit", so die Sortimenterin.

Mitglieder der IG PRO sind

  • Anne v. Bestenbostel, Buchhandlung Anne v. Bestenbostel
  • Franziska Bickel, Buchhandlung Vogel (Vorsitzende)
  • Michael Kursiefen, Schweitzer Fachinformationen
  • Christoph Maris, Thalia
  • Solvey Munk, Umbreit
  • Jörg Paul, Libri
  • Thomas Raff, KNO Verlagsauslieferung
  • Josef Röckl, Verlagsgruppe Droemer Knaur
  • Folkert Roggenkamp, Delius Klasing Verlag
  • Frank Sambeth, Random House
  • Harald Steiner, Thieme Verlag
  • Bernd Weidmann, Verlag Die Werkstatt
  • Ludger Wicher, hgv publishing services

Schlagworte:

1 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Friedhelm Eggers

    Friedhelm Eggers

    @E-Bundles
    Ich möchte dem Kollegen Kursiefen ausdrücklich zustimmen!
    Seine Formulierung: "Manche Warenwirtschaftsanbieter stoßen bei der Abbildung von E-Bundles an ihre Grenzen", ist von ausgewählter Eleganz.
    Man könnte auch sagen: Die Verlage bzw. Auslieferer sind in der Frage der fakturmäßigen Darstellung der E-Bundles für das Sortiment offenbar von überbordender Kreativität erfasst. Es lassen sich kaum zwei Verlage bzw. Auslieferungen finden, die E-Bundles für Zeitschriften, Fortsetzungen oder Monographien auch nur optisch ähnlich auf der Rechnung darstellen.
    Es ist wirklich verblüffend, warum gerade hierbei jeder 'Rechnungs-Ersteller' seine unbedingte Orginalität darzustellen versucht.
    Das Resultat dieser 'Vielfalt' besteht darin, dass der Wareneingang die Rechnungen erst 'studieren' muss, oft auch Hilfsberechnungen anzustellen hat, bevor Gewissheit darüber entstanden ist, wie die Lieferung weiter bearbeit werden muss.
    Waren wir da im vorigen Jahrhundert nicht schon weiter? Ich erinnere mich, dass in irgendeiner Broschüre des BOEV eine Standard-Faktur als Vorlage für die Verlage abgebildet war. Bis auf wenige Einzelfälle haben sich alle daran gehalten und sogar an der vorgeschlagenen Stelle die Verkehrsnummer angedruckt. (sic!)
    Liebe Grüße aus Essen.
    Friedhelm Eggers

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld